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Wirkung von Cortison (Allgemeines)

Bluna, Sonntag, 26. November 2017, 16:54 (vor 15 Tagen)

Hallo ihr Lieben,

ich hatte bislang schon immer so eine vage Vorstellung, will es jetzt aber -aus gegebenem Anlass - mal genauer wissen.

Was genau macht Cortison nun genau, wenn ein Nerv entzündet ist?
- Stoppt es die Entzündung und verhindert die Ausbreitung des Herdes?
- Saugt es nur die Umgebungsflüssigkeit auf?
- Schließt es die Blut-/Hirnschranke?
- Tut es sonst noch was im gewünschten Sinne?

- Was passiert, wenn die Entzündung, nach einer 5-Tage-Stoßtherapie NICHT gestoppt ist?
- Ist es ratsam, noch 3 Tage Corti nachzulegen? Wenn ja, wann nach der ersten Stoßtherapie?

Eine Bitte:

Dieser Thread soll nicht zu einer Cortison-Grundsatzdiskussion ausarten. Ich selbst habe in meiner nun doch schon recht langen MS-Laufbahn auf Cortison verzichtet, wo es eben ging, bzw. ich das verantworten konnte. Bei meiner aktuellen TN-Geschichte, geht mir aber schon die Flatter und ich bin unsicher, ob hinwarten da der richtige Weg ist. Ich möchte Cortison einfach verstehen.

LG, Bluna

Wirkung von Cortison

W.W. @, Sonntag, 26. November 2017, 17:24 (vor 15 Tagen) @ Bluna

Ich hoffe, das hilft Ihnen ein wenig:

Die Cortisonwirkung kann zauberhaft sein.
Bei Marion T. hat die MS vor zwei Jahren mit einer Schwäche in den Beinen begonnen, die sich jedoch wieder völlig zurückgebildet hatte. Wie früher joggt sie zweimal in der Woche und hat sogar spaßeshalber am Berlin-Marathon teilgenommen. Wenige Tage später erwacht sie morgens mit einer äußerst unangenehmen Pelzigkeit im linken Oberschenkel.

Sie erinnert sich noch gut an die rasch zunehmende Gangstörung vor zwei Jahren, die sie innerhalb weniger Tage ans Bett fesselte, und die unerträgliche Angst, sie werde nie wieder laufen können. Aber bereits unter der ersten Infusion mit Cortison hatten sich ihre Lebensgeister wie durch ein Wunder erholt, und schon am nächsten Tag war sie in der Lage gewesen, einige Schritte zu gehen. Was wäre also naheliegender, als es jetzt genauso zu machen und zwar so schnell wie möglich? Schließlich würde man ja auch bei einer Lungenentzündung nicht wertvolle Zeit mit Abwarten vergeuden, sondern gleich mit der Antibiotikumbehandlung beginnen.

Tatsächlich ist der Cortison-Effekt oft verblüffend. „Die Symptome schmelzen weg wie der Schnee in der Sonne“, sagen manche Patienten. Hinzu kommt, dass Cortison auf viele Menschen euphorisierend wirkt, das heißt, sie fühlen sich heiter und aktiv, als ob sie Bäume ausreißen könnten. Wer so etwas einmal erlebt hat, hat kein Verständnis für Ärzte, die den Cortisoneffekt bestreiten.

Occludin und die Schrankenstörung
Die Cortisonwirkung wird oft so begründet: Cortison fördert die Ausschüttung von einem Protein namens Occludin. Was ist darüber bekannt? Die Blut-Hirn-Schranke (BHS) wird hauptsächlich vom Endothel – der innersten Zellschicht der kleinsten Hirngefäße – gebildet und stellt die Barriere zwischen dem Blut- und dem Liquorraum dar. Eine Schrankenstörung liegt dann vor, wenn Stoffe, die normalerweise nicht schrankengängig sind, in den Liquorraum eindringen können.

Die Zwischenräume zwischen den Zellen des Endothels werden von sogenannten Tight Junctions abgedichtet, das sind schmale Bänder aus Proteinen, die die Zellen des Endothels miteinander verbinden und dadurch dessen Durchlässigkeit regulieren. Dies geschieht durch das Occludin, das von den Endothelzellen gebildet wird und dessen Ausschüttung durch Cortison stimuliert wird. Dadurch wird die BHS dichter. Dies ist auch der Grund dafür, dass es keinen Sinn macht, erst Cortison zu geben und dann ein NMR durchzuführen, weil dann die BHS zu ist, das Kontrastmittel nicht mehr durchlässt und ein frischer Herd nur noch schlecht nachweisbar ist.

...

Was spricht gegen Cortison?
Ich komme zu den Bedenken, die aus meiner Sicht gegen Cortison sprechen.

Warum ich Cortison für einen Scharlatan halte.
Als junger Arzt hatte ich einen Alkoholiker mit einer fortgeschrittenen Leberzirrhose betreut. Sein Bauch war von einem riesigen Aszites (Wassersucht) aufgetrieben, und seine Haut und die Bindehäute seiner Augen waren gelb wie eine Zitrone. Es war uns allen klar, er hatte nicht mehr lange zu leben. Nun ergab sich aber, dass er seinen 50. Geburtstag in der Klinik verbringen würde. Drei Tage vorher ordnete mein Oberarzt Cortisoninfusionen an, und es geschah ein Wunder. Der Ikterus (Gelbsucht) bildete sich so rasch zurück, dass er bei der bescheidenen Geburtstagsfeier mit seiner Frau und seinen Kindern eine fast normale Gesichtsfarbe hatte. Wenige Tage später starb er und war so gelb, wie er vorher gewesen war. Ich hatte zum ersten Mal den „Weißmacher-Effekt“ von Cortison kennengelernt: Es kann vorübergehend einen schweren Ikterus zum Verschwinden bringen und damit eine Besserung vortäuschen. Einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf hat es nicht.

Cortison und Hirntumor
Ein weiteres unvergessenes Erlebnis: Bösartige Hirntumoren sind ein besonders trauriges Kapitel in der Neurologie. Es ist bisher niemals gelungen, einen bösartigen Hirntumor so vollständig zu operieren und nachzubestrahlen, dass er nicht wieder gewachsen wäre. Auch der Tumor wird von unserem Immunsystem als Fremdkörper empfunden, und es kommt um ihn herum zu einer Gewebsschwellung wie beim Hirninfarkt bzw. MS-Herd. Dadurch erscheint der Tumor oft doppelt so groß, wie er in Wirklichkeit ist. Auch hier wirkt Cortison scheinbar Wunder. Innerhalb von wenigen Tagen kommt es zu einer beeindruckenden Besserung des Zustandes des Patienten, weil der Hirndruck nachlässt. Und auch hier hält das Wunder nur für kurze Zeit an, denn das Tumorwachstum selbst wird durch das Cortison nicht gehemmt. Vielleicht lässt sich der Tod durch die Cortisonbehandlung um einige Wochen verschieben, aber es ist immer nur eine Verlängerung des Sterbens, und manchmal ist es schrecklich anzusehen, wenn das Gesicht und der Körper der Sterbenden durch Cortison anschwellen und durch Akne entstellt werden. Cortison bleibt also ein zwielichtiger Held. Ich verweise auf den tragischen Tod meines Lieblingsautors Wolfgang Herrndorf, der „Tschick“ geschrieben hat und 2013 starb.

Der Doping-Effekt
Beides sind meine sehr persönlichen Erfahrungen als Arzt. Das andere ist der euphorisierende Effekt, auf den ich ja schon hingewiesen habe. Dieser kann zur ‚zauberhaften’ Cortisonwirkung erheblich beitragen. Cortison wird übrigens auch zum Doping eingesetzt, z.B. bei Bergsteigern, die auf den Mount Everest wollen, weil es das Hirnödem verhindert, das sich in großen Höhen entwickelt. Allerdings kann das auch dazu führen, dass man seine gefährliche Lage zu spät erkennt, und nicht selten wird ein angenehmes Maß der Euphorie überschritten, und es kommt zu einer getriebenen Unruhe mit Gedankenjagen, Gereiztheit und quälenden Schlafstörungen. Sogar echte Manien mit einem unbändigen Rededrang, Kaufrausch und Größenphantasien kommen vor. Eine meiner Patientinnen meinte in einem solchen Zustand, sie sei unverletzlich, balancierte im zweiten Stock auf der Brüstung eines Balkons, stürzte in die Tiefe und brach sich beide Oberschenkel und das linke Handgelenk.
Auch das Gegenteil (Depressionen) kommen vor. Weitere Gefahren durch die Behandlung sind vor allem der Anstieg des Blutzuckers, ein Heißhunger, ein unangenehmer metallischer Geschmack im Mund, Magengeschwüre, Thrombosen und Hüftkopfnekrosen. Die schwerwiegendste Nebenwirkung ist jedoch die Cortison-Osteoporose, eine ausgeprägte Knochenentkalkung, die nach einer zu hohen, zu häufigen oder zu langen Anwendung auftritt. Was zu häufig, zu hoch oder zu lang ist, dazu fehlen nähere Angaben.

Cortison ist ein Stresshormon.
In erster Linie ist Cortison zusammen mit Adrenalin und Noradrenalin ein Stresshormon, und es erhöht die Neigung zu Krämpfen, den Blutdruck und den Blutzucker - und es steigert den Appetit! Gleichzeitig unterdrückt es die Wundheilung und die Immunabwehr, was wohl eher ein Nebeneffekt sein dürfte und dabei hilft, die Verteidigungskräfte zu bündeln. Aus diesem Grund gilt es in der Chirurgie als ein schwerer Kunstfehler, wenn man eine Wunde mit Cortisonsalbe behandelt oder einem frisch Operierten Cortison verabreicht.

Bessere oder nur schnellere Abheilung?
Aber wie kann das sein, wenn doch manche berichten, dass sich ihre Symptome verbessern? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns auf das besinnen, was wir schon über die MS wissen. Der MS-Herd ist im frischen Stadium von einer wässerigen Schwellung umgeben. Man spricht auch von einem Umgebungsödem. Dieses lässt ihn zehn- oder gar zwanzigmal größer erscheinen, als er in Wirklichkeit ist. Cortison wirkt nun wie ein Schwamm oder Löschpapier. Es saugt das Wasser aus dem geschwollenen Gewebe, und es kommt zur raschen Linderung der Beschwerden, weil der Druck auf die Nerven, die das Entzündungsgebiet durchqueren, nachlässt.
Aber wie ich bereits gesagt habe, ist das Wunder nur scheinbar, weil die Besserung nach ein paar Tagen auch ohne Cortison eingetreten wäre. Es besteht also absolut kein Zweifel daran, dass durch Cortison die Rückbildung der Symptome beschleunigt wird, aber es ist durchaus nicht sicher, ob dadurch auch der Heilungsprozess selbst günstig beeinflusst wird.
Letztendlich dreht sich alles um die Frage, wie man das Umgebungsödem auffasst: Schießt es über das Ziel hinaus, muss es so früh wie möglich gebremst werden. Handelt es sich jedoch um eine vernünftige Reaktion des Körpers, dann besteht, wenn man es vorzeitig zum Abklingen bringt, die Gefahr, dass es zu einer zu schnellen und unvollständigen Narbenbildung kommt und damit die Entstehung von chronisch aktiven Herden gefördert wird.

Ist das Umgebungsödem schädlich oder nicht?
Das ist die Gretchenfrage und zwei Meinungen stehen einander unversöhnlich gegenüber: Die einen vergleichen das entzündliche Geschehen in einem MS-Schub mit einem Brand, den man so rasch wie möglich bekämpfen müsse, die anderen sagen: Was bei vielen Krankheiten gilt, dass sie besser ausheilen, je früher man sie behandelt, gilt für die Cortisontherapie der MS nicht, denn Cortison mäßigt zwar die Entzündung, unterdrückt aber im Grunde nur die Selbstheilungskräfte. Gibt es so etwas? Ich bin davon überzeugt. Jedenfalls bedarf es guter Gründe, um in einen natürlichen Prozess einzugreifen.

Kann Cortison den Übergang in eine SPMS begünstigen?
Mein Gefühl ist also, dass MS-Herde ohne Cortison besser abheilen. Belegen kann ich das nicht. Einen Hinweis gibt eine Arbeit von Ricarda Diem, die Anfang 2005 im Journal of Neuroscience erschien. Ihre Arbeitsgruppe hatte eine Sonderform von experimenteller Sehnerventzündung bei Ratten erzeugt, bei der es nicht nur zu Markscheidenschäden, sondern auch zu nachweisbaren Nervenfaserverlusten kam. Dieses Modell bot sich an, um zu testen, wie sich Cortison auf die Erhaltung der Nervenfasern auswirkt. Überraschenderweise zeigte sich, dass die Tiere, die mit Methylprednisolon behandelt worden waren, einen signifikant höheren Nervenzellverlust aufwiesen als die mit Kochsalz behandelten Kontrollen.


W.W.

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Wirkung von Cortison

Bluna, Sonntag, 26. November 2017, 20:03 (vor 15 Tagen) @ W.W.

Hallo WW,

vielen Dank für Ihren Text. Teilweise kenne ich diesen schon aus Ihrem roten Buch. Einiges beantwortet sich durch den Text durchaus, anderes degegen nicht, oder ich blicke nicht durch. Deshalb wäre es klasse, wenn Sie meine Fragen vielleicht dennoch mit nur 1-3 Sätzchen direkt beantworten könnten. U.A. geht es mir vor allem um die Ausbreitung eies Herdes.

Lieben Dank. :-)

VG, Bluna

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Wirkung von Cortison

motorschiffbesitzer @, Sonntag, 26. November 2017, 20:09 (vor 15 Tagen) @ Bluna

Das kann dir natürlich ein Fachmann besser erzählen.
Speziell hier auch eine andere Seite beleuchten.

In meinem jugendlichen Leichtsinn würde ich sagen/fragen:
Warum sollte sich ein Herd weiter ausdehnen, wenn die Schranke dicht ist und keine Entzündungsverusacher nachrückenkönnen?

Nach 2 Woche sollte die mögliche Herdvergrößerung eingestellt sein.

--
»Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.« Albert Einstein

Wirkung von Cortison

agno @, Sonntag, 26. November 2017, 17:43 (vor 15 Tagen) @ Bluna

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/allergie/therapie/schulmedizin/kortison_aid_8378.html
"bremsen die Immunabwehr"
Irgendwie logisch, aber so stellte ich mir das nicht vor.
Man stellt sich die Entzündung als krankhaften Vorgang vor, den es zu bremsen gilt.
Wenn ich den Focus korrekt verstehe, wird nur die Abwehr unterdrückt.
agno
P.S.: Im Bezug auf deine Trigeminusneuralgie.
So in der Theorie könnte ich mir vorstellen, dass durch das Abschwellen des Umgebungsödems der Schmerz verschwindet.
Allerdings könnte ich mir genauso vorstellen, wenn die Entzündungshemmung durch eine Bremsung der eigenen Körperpolizei geschieht, dass die körpereigenen Ordnungshüter entweder nur länger arbeiten müssen oder mit dem Banditen nie klar kommen. Damit meine ich eine durch Cortison ausgelöste Initialzündung zu einer chronischen Entzündung... theoretisch... ???
Aber wie sieht es mit der Erfahrung zur Therapie aus?
Anscheinend ist das Problem von MS & Trigemusneuralgie keine Seltenheit.

--
"Das was man von anderen lernt, muss im Einklang mit dem stehen, was man bereits in sich trägt"
König Ecbert in Vikings

Wirkung von Cortison

W.W. @, Sonntag, 26. November 2017, 18:42 (vor 15 Tagen) @ agno

Das Problem mit Cortison ist nicht nur, dass es vernünftige Abwehrkräfte lahmlegt, sondern auch sein Jojo-Effekt: Es führt zum Abschwellen, aber dann wieder zum Anschwellen, wenn die Wirkung nachlässt.

W.W.

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Wirkung von Cortison

motorschiffbesitzer @, Sonntag, 26. November 2017, 18:51 (vor 15 Tagen) @ Bluna

Hallo Bluna,

ich nahm in meiner "Karriere" im zählbaren Ausmaß Kortison, aber nicht für jede Kleinigkeit. Und bei mir war es immer unnötig länger als 5 Tage zu nehmen. Die Regel waren 3 Tage, pro Tag 1g, meistens ambulant.

Was ich jetzt behaupte, medizinisch gesehen wird die
Bluthirnschranke dicht und das Immunsystem wird platt gemacht.

Aus meiner Erfahrung kann ich berichten, dass unmittelbar nach der erste Infusion teils eine gravierende Besserung des Symptoms eingetreten ist, wofür ich in dem Ausmaße keine medizinische Begründung habe.

Mit andauernder "Karriere" wurde der Effekt auf das jeweilige Symptom schwächer und der negativ spürbare Effekt (Kortisonloch Tage später) bei mir größer.

Aus meiner begrenzten Erfahrung wüßte ich keine Begründung warum man Kortison länger als 5 Tage nehmen sollte, wenn es nach 1-2 Tagen noch keine Wirkung hatte.

--
»Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.« Albert Einstein

Wirkung von Cortison

W.W. @, Sonntag, 26. November 2017, 22:57 (vor 15 Tagen) @ Bluna

Was genau macht Cortison nun genau, wenn ein Nerv entzündet ist?
- Stoppt es die Entzündung und verhindert die Ausbreitung des Herdes?

Eindeutig nein! Wenn es die Ausbreitung der Entzündung verhindern würde, hätte man das in der Opticusneuritis-Studie nachweisen können.

- Saugt es nur die Umgebungsflüssigkeit auf?

Eindeutig ja.

- Schließt es die Blut-/Hirnschranke?

Eindeutig ja.

- Tut es sonst noch was im gewünschten Sinne?

Meiner Ansicht nach torpediert es die Kräfte im Körper, die auf eine natürliche Weise mit der Entzündung fertigwerden wollen.

- Was passiert, wenn die Entzündung, nach einer 5-Tage-Stoßtherapie NICHT gestoppt ist?
- Ist es ratsam, noch 3 Tage Corti nachzulegen? Wenn ja, wann nach der ersten Stoßtherapie?

Nein, das ist nicht ratsam! Hier wäre eine Diskussion mit Renate_S. hilfreich.

W.W.

Wirkung von Cortison

Nalini @, Montag, 27. November 2017, 08:34 (vor 14 Tagen) @ W.W.

Was genau macht Cortison nun genau, wenn ein Nerv entzündet ist?
- Stoppt es die Entzündung und verhindert die Ausbreitung des Herdes?


Eindeutig nein! Wenn es die Ausbreitung der Entzündung verhindern würde, hätte man das in der Opticusneuritis-Studie nachweisen können.

Ich denke auch nicht, dass K. die Entzündung stoppt und die Ausbreitung des Herdes verhindert.
Mit einer persönlichen Erfahrung kann ich das FÜR MICH sozusagen empirisch belegen.
Irgendwo hier hatte ich das schon einmal beschrieben, finde es aber gerade nicht.

Bei einem meiner Schübe nahm ich bei Schubbeginn 3 x 1000 Kortison über drei Tage. Interessanterweise verbesserte sich bei diesem Schub unter Kortison nichts, und die Symptomatik stagnierte zunächst über mehrere Tage. Dann verschlechterte sie sich noch etwas, bis hin zu einem Tiefpunkt, der etwa zwei Wochen nach Schubbeginn erreicht war. Danach verbesserte sich die Symptomatik langsam wieder, ein Prozess, der sich über viele Wochen hinzog, bis der Schub zum Glück komplett :-) wieder ausheilte. Und das ohne ! eine weitere Kortisongabe.

Die Entzündung im Gehirn...

agno @, Montag, 27. November 2017, 08:35 (vor 14 Tagen) @ W.W.

Meiner Ansicht nach torpediert es die Kräfte im Körper, die auf eine natürliche Weise mit der Entzündung fertigwerden wollen.


https://de.wikipedia.org/wiki/Entz%C3%BCndung

"Entzündungen sollen die Integrität des Organismus sichern, indem sie beispielsweise Krankheitserreger oder Fremdstoffe aus dem Gewebe entfernen."

Insoweit ist die Entzündung grundsätzlich ein wichtiger und natürlicher guter Prozess.
Nun stellt sich die Frage:
Ist die MS-Entzündung eine Folge eines darunter ablaufenden krankhaften Prozesses oder ist die Entzündung im Hirn schon per se schon der krankhafte Prozess?

Weiß man da genaueres oder ist die Wissenschaft noch am schätzen?

lG agno

P.S.: http://www.gameinflame.com/

--
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König Ecbert in Vikings

Die Entzündung im Gehirn...

W.W. @, Montag, 27. November 2017, 09:09 (vor 14 Tagen) @ agno

Ich glaube, an sich ist die Entzündung eine vernünftige Maßnahme des Körpers, mit einem Angriff (Verletzung) zurechtzukommen. Diese Art von Entzündung sollte man vielleicht lindern, aber nicht unterdrücken.

Dann gibt es eine Entzündung, die fehlerhaft auftritt. Das scheint bei den Autoimmunkrankheiten der Fall zu sein. Diese müsste man "logischerweise" bekämpfen. Colitis? Hashimoto? Lupus erythematodes?

Und wozu gehört die MS? Seit Jahrzehnten behaupte ich, dass die MS eine natürliche Abwehrmaßnahme ist und nicht bekämpft werden sollte. Hier widerspreche ich Renate_S., die die MS für einen Prozess hält, der außer Rand und Band geraten ist.

Wer Recht hat? Ich weiß es nicht. Oder eigentlich doch: Ich bin mir sicher, dass man die entzündliche Aktivität im MS-Herde durch Megadosen von Cortison nicht bremsen darf. Da bin ich mir ganz sicher! Beweis: Die Opticusneuritis-Studie: Wenn frische MS-Herde so früh wie möglich mit Cortison behandelt werden, heilen sie nicht besser ab, als wenn man gar nichts tut. Es gibt keinen überzeugenderen Beweis.

W.W.

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Die Entzündung im Gehirn...

GG @, Montag, 27. November 2017, 09:16 (vor 14 Tagen) @ W.W.

Ich glaube auch, dass die Entzündung ohne zutun alleine zurück geht.
Nach einem Schub legte ich das Cortison in den Schrank, nahm nichts, der Schub war heftig.
Aber es bildete sich alles ohne Medis wieder zurück, war wie vorher. ????? Vielleicht wäre mit Cortison was zurück geblieben ?:confused:
G

--
Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst,sondern die Erkenntnis, dass es etwas gibt,das wichtiger als die Angst ist

Die Entzündung im Gehirn...

W.W. @, Montag, 27. November 2017, 09:21 (vor 14 Tagen) @ GG

Ich glaube auch, dass die Entzündung ohne zutun alleine zurück geht.
Nach einem Schub legte ich das Cortison in den Schrank, nahm nichts, der Schub war heftig.
Aber es bildete sich alles ohne Medis wieder zurück, war wie vorher. ????? Vielleicht wäre mit Cortison was zurück geblieben ?:confused:
G

Ja, das glaube(!) ich! Aber ich habe auch gute Gründe für diese Annahme. Das ist wie bei dem Weg nach Larissa!;-) (Nur um Amy zu ärgern.)

W.W.

Die Entzündung im Gehirn...

agno @, Montag, 27. November 2017, 10:12 (vor 14 Tagen) @ W.W.

Ich glaube auch, dass die Entzündung ohne zutun alleine zurück geht.
Nach einem Schub legte ich das Cortison in den Schrank, nahm nichts, der Schub war heftig.
Aber es bildete sich alles ohne Medis wieder zurück, war wie vorher. ????? Vielleicht wäre mit Cortison was zurück geblieben ?:confused:
G


Ja, das glaube(!) ich! Aber ich habe auch gute Gründe für diese Annahme.

W.W.

Von hinten aufgesattelt...
Wenn das grundsätzlich so wäre, dann wäre die Entzündung nur der vordergründige & sichtbare Prozess der auf einem unsichtbaren Schadprozess aufsitzt.
Somit wäre dann die Kortisontherapie so ähnlich wie die Augen verbinden anstelle von renovieren?

fragt sich agno

P.S.: Kann es sein, dass so viele Milliarden in MS-Forschung verbuddelt werden und ich im hier & jetzt noch ernsthaft solche Grundsatzfragen stelle?

--
"Das was man von anderen lernt, muss im Einklang mit dem stehen, was man bereits in sich trägt"
König Ecbert in Vikings

Die Entzündung im Gehirn...

W.W. @, Montag, 27. November 2017, 10:16 (vor 14 Tagen) @ agno

Ich glaube auch, dass die Entzündung ohne zutun alleine zurück geht.
Nach einem Schub legte ich das Cortison in den Schrank, nahm nichts, der Schub war heftig.
Aber es bildete sich alles ohne Medis wieder zurück, war wie vorher. ????? Vielleicht wäre mit Cortison was zurück geblieben ?:confused:
G


Ja, das glaube(!) ich! Aber ich habe auch gute Gründe für diese Annahme.

W.W.


Von hinten aufgesattelt...
Wenn das grundsätzlich so wäre, dann wäre die Entzündung nur der vordergründige & sichtbare Prozess der auf einem unsichtbaren Schadprozess aufsitzt.
Somit wäre dann die Kortisontherapie so ähnlich wie die Augen verbinden anstelle von renovieren?

fragt sich agno

P.S.: Kann es sein, dass so viele Milliarden in MS-Forschung verbuddelt werden und ich im hier & jetzt noch ernsthaft solche Grundsatzfragen stelle?

Ja, das kann sein! Und genau das fürchte ich! Ein cleverer Geschäftsmann wird augenzwinkernd sagen: "Wir wären doch verrückt, wenn wir auf dieses Geld verzichten würden: auch wenn es hundertmal Quatsch ist." Aber was ich zusätzlich fürchte: Es ist schädlich!!!

Aber es ist genau diese Chuzpe(?), die mich immer wieder so erstaunt, dass ich denke, ioch kann nicht der Einzige sein, der dieses böse Spiel durchschaut.

W.W.

PS: Die Kaufleute dürfen nicht Macht über unsere Seelen gewinnen.

MS-Trigeminusneuralgie: Die Entzündung im Gehirn... Laiengedanken

agno @, Montag, 27. November 2017, 10:26 (vor 14 Tagen) @ W.W.

Zurück zum Anfang:
Wenn ich eine MS-Trigeminusneuralgie behandeln wollen würde.
Dann stelle ich mir vor, dass der schmerzlose Hirn-Schädigungsprozess auf den schmerzempfindlichen TrigeminusNerv übergreift.
Wäre nun zumindest dem Schmerzproblem geholfen, wenn das Umgebungsedöm abschwillt und keinen Druck auf den nahen Nerv ausübt?
Oder hat der Trigeminusnerv die selben MS-Probleme wie der Augennerv?
Wozu nützt dieser Nerv?
Was passiert wenn man ihn aus Restlebensqualitätsgründen veröden würde?
lG agno

--
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König Ecbert in Vikings

MS-Trigeminusneuralgie: Die Entzündung im Gehirn... Laiengedanken

jerry @, Montag, 27. November 2017, 10:43 (vor 14 Tagen) @ agno

Wozu nützt dieser Nerv?
Was passiert wenn man ihn aus Restlebensqualitätsgründen veröden würde?
lG agno

Restlebensqualität? https://viamedici.thieme.de/lernmodule/anatomie/nervus+trigeminus+hirnnerv+v

Nach Verödung würdest Du nix mehr empfinden, wenn Dir Deine Liebste sanft übers Gesicht streicht... oder sog. Nasenstüber verpasst...

Küssen wäre völlig ohne Empfindungen... Und Du müsstest auf flüssige Nahrung per Sonde umstellen, da Du nicht mehr kauen könntest... etc.pp.


LG, jerry

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MS-Trigeminusneuralgie: Die Entzündung im Gehirn... Laiengedanken

Bluna, Montag, 27. November 2017, 11:01 (vor 14 Tagen) @ agno

Das mit dem Veröden lassen machen ja einige. Diese Option steht aber meist erst ganz zum Schluss eines Leidensweges an, da diese Operation eben nicht für zeitlebens ist, sondern oft nur für einige Zeit hält, wenn überhaupt und aber eben auch Risiken birgt. So z.B. diese "Anaesthesia dolorosa", also ein Dauerschmerz.

Der Nerv sorgt halt dafür, dass Du was spürst, dass Du kauen kannst, usw.

Meine Frage wäre allerdings noch, ob das bei TN denn überhaupt ein typischer MS-Schub ist. Im www geht das nicht eindeutig hervor und auch in meinem Entlassbrief stand nur "Aufgrund der bekannten Vorerkrankung am ehesten der MS zuzuordnen." (Wortlaut weiß ich grad nicht genau auswendig).

MS-Trigeminusneuralgie: Die Entzündung im Gehirn... Laiengedanken

agno @, Montag, 27. November 2017, 11:09 (vor 14 Tagen) @ Bluna

und zeitweise ruhistellen?
Botox?

--
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MS-Trigeminusneuralgie: Die Entzündung im Gehirn... Laiengedanken

Bluna, Montag, 27. November 2017, 11:33 (vor 14 Tagen) @ agno

Ich meine, auch irgendwo was über Botox gelesen zu haben. Es war nicht so überzeugend, dass ich es mir gemerkt habe. *grübel*

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Die Entzündung im Gehirn...

motorschiffbesitzer @, Montag, 27. November 2017, 11:52 (vor 14 Tagen) @ GG

Ich glaube auch, dass die Entzündung ohne zutun alleine zurück geht.

Das war ja nicht die Frage. Vielmehr

U.A. geht es mir vor allem um die Ausbreitung eines Herdes.

Dazu wurden hier ja auch Einschätzungen vorgetragen.

Gerade wenn man gegen die Schulmedizin - besser den Neurologen - argumentiert, halte ich es für sehr wichtig klar zu sagen, was einen selbst so "rumtreibt". Vielleicht ist er gedanklich gar nicht so weit weg und die Situation könnte in Wirklichkeit viel entspannter sein als man glaubt.

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Wirkung von Cortison

Bluna, Montag, 27. November 2017, 12:06 (vor 14 Tagen) @ W.W.

Vielen Dank, Doc.

OK, das Schließen der Blut-/Hirn-Schranke ist dann ja schonmal eine gute Sache. Dann heißt es jetzt also abwarten und aushalten.

Wirkung von Cortison

Jakobine, Montag, 27. November 2017, 14:00 (vor 14 Tagen) @ Bluna

Frage an W.W.
Zu Beginn meines ersten und bisher einzigen Schubes hatte ich nach gut einer Woche, nachdem alle Untersuchungen durchgeführt waren, 5 x 1000mg Cortison bekommen. Die Ärzte hatten lange überlegt, ob sie mir das verabreichen sollten. Da ich von heute auf morgen nicht mehr laufen konnte und eine riesige Angst hatte, dass der Zustand so bleiben würde, stimmte ich zu, auch aus Unwissenheit. Ich wusste ja nicht, was CIS/MS für eine Krankheit war. Ich kam danach schnell wieder auf die Beine und laufe - wenn auch manchmal unsicher - wieder akzeptable. Spastiken und Nervenschmerzen sind geblieben. Das Cortison habe ich gut vertragen.

Meine Entzündung befindet sich im Halsmark. Bei dem ersten Befund war die Lokalisation auf HWS 6/7, danach hatte ich noch zwei MRTs, eines mit Konstrastmittel und eines ohne. Beim letzten war die die Lokalisation auf 2/7 HWS. Also die Narbe ist länger und ich fragte den Neurologen, weshalb das so sei. Er meinte, das könnte daran liegen, wie gescannt wurde bzw. wie die Aufnahme erstellt wurde.
Können Sie mir das erklären. Möglicherweise liegt es daran, dass durch das Cortison die Vernarbung größer ist. Aber allerdings 4 Jahre später? Danke und Grüße Jakobine

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