Was macht das Gehirn, wenn es zu vielen Eindrücken ausgesetzt ist? (Allgemeines)

W.W. @, Freitag, 11. August 2017, 18:42 (vor 43 Tagen)

Ich hatte ein merkwürdiges Erlebnis im Frankfurter Flughafen. Auf allen Ebenen strömten die Menschen an einem vorbei, in Jeans, Nadelstreifenanzügen oder mit karierten Kopftüchern. Man hörte Schritte hinter sich oder das Rollen von Koffern, die man hinter sich her zog. Ich fühlte mich verfolgt, angerempelt, immer im Weg, bis ich mich in eine Nische flüchtete. Dort stand ich wie erstarrt. Das Alles war zu viel für mich: die Menschen, die nummerierten Gänge und Hallen, die riesigen Anzeigetafeln, die - kaum hatte man einen Abflug erspäht - schon wieder klappernd weitergesprungen waren.

Ich bin ein einfacher und nicht mehr ganz junger Mann vom Lande, und fühlte mich wie erschlagen. Wie geht unser Gehirn damit um? Gewöhnt es sich ganz schnell daran, überfordert es, macht es einen verrückt?

Schaltet das Gehirn ab und nimmt nur noch selektiv wahr, dass man nur noch auf B14 achtet und dass man niemanden anrempelt? Oder wächst das Gehirn an seinen Aufgaben? Zeigt sich auf einmal, wie es auf dem Lande und in der frischen Landluft verkümmert ist?

Wird man schwindlig? Reagiert man gereizt? Muss man sich immer weiter in die Provinz zurückziehen, weil man den normalen Anforderungen nicht mehr gewachsen ist? Kann es sein, dass die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns an eine Grenze stößt? Aber was macht es dann? Scheuklappen und durch? Wird man gereizt? Vielleich sogar paranoid? Warum verfolgt mich dieser Ausländer? Warum bleibt er stehen, wenn ich stehen bleibe?

Ich habe den Eindruck, dass die moderne Hektik zu viel werden kann, aber wir eine Tugend daraus machen wollen, indem wir uns und anderen beweisen: Wir schaffen das! Es macht uns nichts! Es regt uns sogar an und verjüngt uns.

Könnte es MS-Gehirnen ähnlich gehen? Oder sind das nur die Klagen eines alten Mannes nach zwei Schlaganfällen, dessen Zug schon längst abgefahren ist?! Ich fürchte, ich bin dem modernen Leben nicht mehr gewachsen - und ich reagiere nicht nur mit Müdigkeit, sondern mit Gereiztheit und wirren Gedanken.

W.W.

Was macht das Gehirn, wenn es zu vielen Eindrücken ausgesetzt ist?

Nalini @, Freitag, 11. August 2017, 19:26 (vor 42 Tagen) @ W.W.

Sowas kann auch Sache der Gewohnheit und des Trainings sein.

Nach einem schweren Schub konnte ich viele Monate nicht Auto fahren. Berufsverkehr, Großstadtverkehr, Autobahn in Ballungsgebieten - undenkbar. Irgendwann begann ich zu üben, sonntags morgens auf wenig befahrenen Straßen. Ich arbeitete mich voran, und nach und nach kam die Übung. Irgendwann ging dann sogar wieder Berufsverkehr in der Stadt.

Was macht das Gehirn, wenn es zu vielen Eindrücken ausgesetzt ist?

Bluna, Samstag, 12. August 2017, 10:51 (vor 42 Tagen) @ W.W.

Das Gehirn, bzw. der dazugehörige Mensch filtert. Das/der eine mehr, das/der andere (da wären wir wieder bei HSP ...) weniger. Gewöhnung spielt dabei sicher auch eine Rolle. Ein Landei, das bei absoluter Ruhe zu schlafen gewöhnt ist, zieht in die Stadt - und hört den nächtlichen Verkehr irgendwann kaum mehr, bzw. nimmt ihn nicht mehr so wahr wie zu Beginn.

Menschen, die sich ins Getümmel stürzen und dabei nicht darunter leiden, sind m.E. oft neugierige, begeisterte, getriebene Leute, die ein Ziel vor Augen sehen und diesem folgen. Also filtern sie auf ihrm Weg alles unwichtige drumrum aus. Wer hat mehr Stress? Der arme Pendler, der täglich am überfüllten Bahnhof steht, um zu seinem ungeliebten Job zu gelangen, oder jemand, der in freudiger Erwartung auf seinen Zug wartet und am Bahnhof noch neue nette Kontakte knüpft mit Leuten, die vielleicht ans gleiche Ziel reisen?

;-)

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