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Psychotherapie: nicht nur bei Multipler Sklerose (Therapien)

naseweis ⌂ @, im meinem Paradies, Dienstag, 08. August 2017, 12:59 (vor 71 Tagen)

IQWiG bewertet erstmals Psychotherapie-Verfahren:

Wird die Systemische Therapie bald Kassenleistung?

Bei seiner ersten Bewertung eines Psychotherapie-Verfahrens hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht, ob die Systemische Therapie bei Erwachsenen Vorteile bietet. Bei Angst- und Zwangsstörungen sowie bei Schizophrenie liefern die Studiendaten einen Hinweis auf einen Nutzen gegenüber keiner Behandlung, schreibt das IQWiG in seiner Stellungnahme dazu.

Zitate aus der Veröffentlichung:

"Im direkten Vergleich mit Psychotherapie (z.B. Verhaltenstherapie) hingegen fallen die Ergebnisse zu Ungunsten der Systemischen Therapie aus."

"Therapieziel: Das System so zu verändern, dass das Symptom nicht mehr „notwendig“ ist"

"IQWiG: Nur 4 von 42 Studien hochwertig genug"

"Psychotherapie-Verfahren sind schwerer zu bewerten als Pharmakotherapien" (war eh die Frage dieser Tage)

"Auch Psychotherapien und unwirksame Therapien weisen Nebenwirkungen auf"

den ganzen Artikel lest ihr bei medscape Deutschland

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Disclaimer:
Ich sprech nur für mich, lass meine Gedanken raus, gebe keine Empfehlungen.
Jede(r) hat ihren/seinen eigenen Kopf, idealerweise zum DENKEN

Psychotherapie: nicht nur bei Multipler Sklerose

Boggy, Dienstag, 08. August 2017, 13:40 (vor 71 Tagen) @ naseweis

Was, lieber naseweis, möchtest Du uns denn damit sagen?
Psychotherapieforschung ist in der Tat eine sehr komplizierte und schwierige Aufgabe.

Hier geht es wohl eher um die Frage der Erstattungsfähigkeit durch die gesetzlichen Kassen, also um Verteilungskämpfe um die Finanzmittel, viel mehr als um eine "wissenschafltiche Bewertung".

Die ganze Geschichte der Frage, welche Psychotherapieformen als abrechnungsfähig durch die Krankenkassen anerkannt werden können, war von Anfang an eher ein politischer Prozeß und ein Machtkampf, in dem sich die stärksten Lobbyverbände durchgesetzt haben.

Das waren zunächst und vor allem die Psychoanalytiker mit den Medizinern/Ärzteverbänden im Hintergrund (wenn ich mich da noch rchtig erinnere).

Entscheidend für Annerkennungen ist derzeit der umstrittene "Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie"

Also: kurz gefaßt: man muß hier genau hinschauen, ob es um "Wissenschaft" geht oder um Finanzmittel/Politik.

Bzw. Wer beim "Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)" bewertet da? Wie kommt die Auswahl der Bewerter zustande? Und welche persönlichen/beruflichen Interessen vertritt er/sie?

Gruß
Boggy

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

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Psychotherapie: nicht nur bei Multipler Sklerose

naseweis ⌂ @, im meinem Paradies, Dienstag, 08. August 2017, 13:58 (vor 71 Tagen) @ Boggy

Was, lieber naseweis, möchtest Du uns denn damit sagen?

Lieber Boggy,

klar gehts um Finanzmittel,
grad und aber auch um die Finanzmittel des Kassenpatienten,
des Kassenpatienten, der eine Psychotherapie nötig hätte, dessen Kasse sich da aber querstellte.

Wenn jetzt nicht nur die 160-Stundenanalyse (nach entsprechend langer Wartezeit) rezeptierfähig ist, so dann kann (im Idealfall) der "einfache Kassenpatient" eher/leichter/besser Unterstützung bekommen.

Rückblick:
Anfang der '90er des vergangenen Jahrhunderts hätte ich 9 Monate auf eine Therapie warten müssen/sollen.

PS: Ich freu mich, dass IQWIG da auch mal draufschaut.

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Psychotherapie: nicht nur bei Multipler Sklerose

Boggy, Dienstag, 08. August 2017, 14:08 (vor 71 Tagen) @ naseweis

Wenn jetzt nicht nur die 160-Stundenanalyse (nach entsprechend langer Wartezeit) rezeptierfähig ist, so dann kann (im Idealfall) der "einfache Kassenpatient" eher/leichter/besser Unterstützung bekommen.

(...)

PS: Ich freu mich, dass IQWIG da auch mal draufschaut.

Wenn ich Dich nun richtig verstehe, bist Du in Bezug auf das IQWIG hoffnungsfroh?
Daß nun weitere Psychotherapieverfahren - z.B. aus der Humanistischen Psychologie - zugelassen werden?
Und es mehr bezahlte Vielfalt gibt?

Das würd mich sehr wundern.

Gruß
Boggy

P.S. Hab gerade noch mal in den Artikel geschaut. Die Bewertungstendenz ist ja eher negativ:
"Fallgatter. Er fügt hinzu: „Um aber die Erstattungsfähigkeit durch die gesetzlichen Kassen zu erreichen, muss die systemische Therapie ihre Effektivität nachweisen – und die sehe ich zur Zeit nicht, bei keiner Indikation bei Erwachsenen.""

Es bleibt eine Machtfrage: Wer stellt die Kriterien auf, nach denen entschieden wird?

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Psychotherapie: nicht nur bei Multipler Sklerose

naseweis ⌂ @, im meinem Paradies, Dienstag, 15. August 2017, 13:46 (vor 64 Tagen) @ Boggy

Wenn ich Dich nun richtig verstehe, bist Du in Bezug auf das IQWIG hoffnungsfroh?
Daß nun weitere Psychotherapieverfahren - z.B. aus der Humanistischen Psychologie - zugelassen werden?

Lieber Boggy,

ich habe Hoffnung,
dass es zumindest mehr Angebote geben wird, dass für Menschen, bei denen eine Psychotherapie sinnvoll/nötig ist, dann wenigstens ein Angebot da ist.

Beim bisherigen engen Psychotherapiemarkt war m.E. das Risiko wesentlich größer während des Wartezeit unter Leidensdruck an Hokuspokus zu geraten.

Wenn IQWIG geprüft und empfohlen hat, mag die Scharlatanquote geringer sein.

Hoffentlich !

slàinte mhath!

Und es mehr bezahlte Vielfalt gibt?

Das würd mich sehr wundern.

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