Mit der 'Heilung' ist es sonderbar bestellt! (Allgemeines)

W.W. @, Montag, 05.04.2021, 11:06 (vor 15 Tagen)

Das ist ein dünnes Brett!!! Wir hatten wir schon häufig darüber gesprochen, und in aller Regel führte das zu einem Streit, was Heilung überhaupt sei. Um es simpel und ohne Gleisnerei zu sagen, meinen einige, bedeutet Heilung ganz einfach, dass alles wieder so ist wie zuvor.

Ich halte das für falsch, denn auch jemand, dessen Lungenentzündung 'geheilt' ist, wird darunter leiden können, dass er nicht mehr so gut beim Marathon ist wie früher. Mit ‚Heilung’ muss etwas anderes gemeint sein, z.B. dass man eine schwere Krankheit überstanden und einen Zustand erreicht hat, der es einem ermöglicht, glücklich und ohne wesentliche Einschränkungen zu leben.

Gerade wird das Thema wieder bei den AMSELN diskutiert und wieder schlagen die Wellen hoch. Die einen sagen, wer meine, dass seine MS geheilt worden sei, habe nie eine wirkliche MS gehabt. Andere sind überzeugt, dass es Leute gibt, die sich jahrelang in die Tasche lügen, ihre MS sei geheilt, dann aber nach 10 oder 15 Jahren aufwachen, weil die MS, die angeblich geheilt war, aus dem Hinterhalt heftig zugeschlagen hat.

Und dann wird auch immer die Geschichte erzählt, wie ein Neurologe kopfschüttelnd vor einem MS-Betroffenen steht, dem man gar nichts von seiner MS ansieht, obwohl er sie aufgrund der MRT-Bilder ganz sicher hat, und sagt: „So gut, wie es Ihnen geht, sollte einen daran zweifeln lassen, dass Sie ganz sicher eine MS haben, wie das MRT beweist! Wenn Sie mit einer Basistherapie (BT) behandelt worden wären, hätte man sie als Paradebeispiel dafür genommen, wie gut diese Medikamente wirken. Aber leider haben Sie sich ja hartnäckig geweigert, Medikamente einzunehmen!“

Mir geht es um die erste dieser Geschichte, dass sich nämlich jemand einbildet, er wäre sich ganz sicher, eine MS gehabt zu haben, er aber nicht weiter darauf geachtet habe. Nach vielen Jahren hätte er bemerkt, dass seine MS verschwunden sei, obwohl die MRT-Bilder gezeigt hätten, dass er ganz sicher eine gehabt habe. Dem Himmel sei Dank, habe sein Hausarzt die Bilder ignoriert und gebrummelt: "Ein paar Herde im Kopf machen noch keine MS!"

Ich glaube, das ist ein Phänomen, das immer wieder unter den Teppich gekehrt wird: Eine MS kann kommen und bleiben - wie eine Tuberkulose in vielen Fällen junge Menschen befiel, aber nicht entdeckt wurde und ausheilte, auch wenn man später noch typische Tuberkuloseveränderungen auf dem Röntgen-Thorax sah.

Was ich behaupten will, ist, dass die Spontanheilungsrate der MS sehr groß ist. Ich schätze, sie liegt bei 90%. Man kann also eine MS haben und nichts davon merken bzw. nicht mehr als eine flüchtige Sensibilitäts- oder Sehstörung. Aber warum ist davon so selten die Rede? Früher blieben solche Fälle unentdeckt, weil es ja noch keine Kernspintomographen gab, aber heutzutage?

Vielleicht ist es ja eine böswillige Unterstellung, wenn ich behaupte, dass die MS heutzutage oft viel zu früh entdeckt wird, und man dann ("Hit hard and early!") mit Kanonen auf sie schießt und den Verlauf, den die MS sowieso genommen hätte, wenn man sie in Ruhe gelassen hätte, der BT zuschreibt.

Andererseits sehe ich auch die Gefahr, dass man eine MS, die man zu früh entdeckt, zu nebenwirkungsreich mit Medikamenten behandelt, so dass sie Schwierigkeiten hat, sich wegen all der Nebenwirkungen zurückzubilden.

Dass also die Nebenwirkungen das eigentliche Geschehen überdecken und Betroffene dafür sensibilisieren, dass sie eine MS haben, die genauestens beobachtet werden muss, und die MS unter den argwöhnischen Blicken der Neurologen kaum noch eine Chance hat, unbemerkt wieder zu verschwinden.

W.W.


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