Theologie und Seele - das war ungeschickt formuliert! (Straßencafé)

W.W. @, Dienstag, 16.02.2021, 08:05 (vor 19 Tagen)

Man ahnt etwas, weiß aber nicht genau, was es ist, und man irrt beim Suchen. So jedenfalls geht es mir, weil ich den Eindruck habe, dass wir uns in einer tiefen Krise befinden und nicht wissen, wo der Ausweg ist.

Es geht um meinen Platz in der Welt. Ob ich mich von Krokodilen, Vogelspinnen, Fledermäusen, Ameisen, Mücken, Bakterien und Viren umzingelt fühle, derer man mit Antibiotika, Impfungen, Gen-Scheren und Insektiziden Herr werden kann, oder ob sich dieser Weg, der ja auch ein Weg des Fortschritts und der Beherrschung ist, als Irrweg erweisen könnte.

Ich meine das nicht als Lösung - weil ich die nicht kenne -, aber zunächst einmal könnte da der Traum von einer neuen und ganz anderen Partner- und Gemeinschaft sein, das hat ja religiöse Züge und betrifft auch unsere Psychologie, und dennoch ist das, was ich mir etwas wirr vorstelle, etwas anderes als Religion und Seelenheilkunde, es ist eine andere Art, mit sich und der Welt umzugehen, möglicherweise auch eine andere Art, mit der Krankheit umzugehen, weil sie sich als etwas herausstellen könnte, was naturwissenschaftlich nicht zu besiegen ist.

Ich meine das auch nicht romantisch, aber sicher hat es etwas mit einer neuen Kultur zu tun, einem Innewerden der Natur und damit auch der Menschen um uns herum. Es geht um eine neue Einstellung und nicht ein Therapieverfahren. Vielleicht die Einstellung, dass wir kein Lust haben, in Großstädten zu leben, in Krankenhäusern zu sterben, den Tod zu fürchten wie die Pest, religiöse Verbundenheit mit Märchen und Mythen zu verwechseln und im Anderen den Rivalen zu sehen, sondern - und das klingt ziemlich romantisch - ... Aber wenn ich es sagen soll, fehlen wir die Worte.

Ich glaube, wir sind nicht individuell in eine Krise geraten, die psychotherapeutisch zu behandeln ist, sondern insgesamt als Gesellschaft, die ihre Wurzeln verloren hat.

Furchtbar - fruchtbar? Was ich vor Augen hatte, war das "öde Land" von T.S- Eliot.

W.W.

PS: Einen heiklen Punkt hatte ich nicht angesprochen: Hat unsere Lebensweise etwas mit dem Kapitalismus zu tun? Ich bin sicher, dass es so ist, meine aber eher, dass der Kapitalismus weniger eine Ideologie als eine falsche Lebenseinstellung ist.


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