Ich bin dein Freund und komme nicht zu strafen! (Straßencafé)

W.W. @, Samstag, 13.02.2021, 13:20 (vor 15 Tagen)

Krisenzeiten könnten ja Zeiten sein, in denen sich ein neues Denken zu regen beginnt, z.B. die moderne Malerei nach dem 1. Weltkrieg oder Wittgensteins Spätphilosophie. Oder der 'Deutsche Idealismus' nach der Französischen Revolution. Oder der Existentialismus nach dem 2. Weltkrieg.

Ich denke, dass wir auch jetzt in einer Zeit sind, wo es eines neuen Denkens bedarf, habe aber keine Ahnung, wie dieses aussehen könnte. Da ich es mir aber zum Prinzip gemacht habe, nur über etwas zu sprechen, was ich wenigstens ungefähr vor mir sehe, so nenne ich einen Ansatz, der vielen unersprießlich und unerfreulich erscheinen könnte: Wie gehen wir Menschen mit dem Tod um?

Ich meine damit nicht, dass wir uns in Sack und Asche kleiden oder Büßerzüge unternehmen müssten, oder nur noch traurige Gedichte und sakrale Musik hören dürften. Ich meine etwas anderes.

Mir ist aufgefallen, dass wir nicht ehrlich mit dem Tod umgehen, dass wir ihn verdrängen, wo es nur geht. Dadurch wird er etwas Hässliches, das in einem schönen Leben nichts zu suchen hat. Gerade auch der Tod von Vater und Mutter - und unseres Lebenspartners. Oder der eigene.

Aber wird unser Leben nicht möglicherweise 'leer', weil der Tod in ihm nicht mehr vorkommt? Unser Sterben ist doch geprägt von der Angst vor dem Tod, und wir können mit Sterbenden und Leichen nichts anfangen und sind heilfroh, wenn sich Bestattungsinstitute darum kümmern.

Unsere Krankenhäuser und Intensivstationen sind von der Angst vor dem Tod geprägt, und wir bedauern sogar einen Achtzigjährigen, weil man ihn eventuell noch hätte retten können. Mit einem Antibioticum oder einer künstlichen Beatmung.

Die Angst vor dem Tod und seine Verunglimpfung hat sicher auch etwas mit unserer schwindenden Religiosität zu tun, aber auch damit, dass wir Menschen uns wegen der Fortschritte der Medizin für unsterblich halten, obwohl wir doch alle sterben müssen. Auf diese Weise wird unser Sterben immer einsamer, schwieriger und leidvoller. Als ob wir gegen den Tod versichert wären und er deswegen ein vermeidbarer Unfall ist!

Mein Gedanke ist, den Tod wieder in unser Leben zu holen und ihn nicht in eine dunkle Ecke zu stellen, wie etwas, was im Leben nichts zu suchen hat.

"Vorüber, ach vorüber, geh wilder Knochenmann.
Geh Lieber - und rühre mich nicht an!"

"Hab keine Angst. Ich bin dein Freund und komme nicht zu strafen."

W.W.


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