Könnte ein mRNA-Impfstoff doch eine Hoffnung für MS-Betroffene sein? (Allgemeines)

W.W. @, Dienstag, 19.01.2021, 19:25 (vor 37 Tagen)

Ich habe es mir lange hin und her überlegt, ob ein mRNA-Impfstoff nicht doch ein Riesenfortschritt für MS-Betroffene sein könnte. Ich will erklären, warum und beziehe mich zunächst einmal auf die aktuelle Corona-Impfung:

Bei herkömmlichen Impfstoffen ist es so, dass ein abgeschwächter oder inaktivierter Krankheitserreger injiziert wird, z.B. damals beim Pockenvirus.

Dabei passierte es anfänglich, dass man das Pockenvirus, das man für schwach hielt, in einen Gesunden injizierte, es sich hier aber als aggressiv herausstellte. Dieses Risiko wurde erst beseitigt, als Jenner mit „Kuhpocken“ impfte, die erstaunlicherweise auch die richtigen Pocken verhinderten.

Bei der mRNA-Impfung ist es anders: Es handelt sich nicht um ganze abgeschwächte oder inaktivierte Krankheitserreger, sondern um kleine unschädliche Bruchstücke des Covid-19-Virus, z.B. die Antennen, die sich an seiner Außenseite befinden.

Das Entscheidende ist also, dass der mRNA-Impfstoff ungefährlich ist. Er besteht also aus einem mRNA-Strang, der von Lipiden umhüllt wird, die dafür sorgen, dass der Impfstoff unversehrt in die Zelle, also z.B. in eine Antigen-präsentierende Zelle (APZ) gelangt. Dort produziert er Immunogene, das sind die Antigene, die von der APZ an ihre Oberfläche transportiert und dort den Immunzellen präsentiert werden, die dann die schädlichen Viren an ihren z.B. Antennen erkennen und sie eliminieren.

Der 2. Vorteil ist, dass diese Substanz anders als die üblichen MS-Medikamente nicht das ganze Immunsystem unterdrückt, sondern spezifisch die angreifenden Erreger.

Ocrelizumab (OcrevusR) ist ein monoklonaler Antiköper. Die ursprüngliche Substanz (RituximabR) führte zu einem massenhaftes Zerplatzen von B-Lymphozyten mit Freisetzen ihrer Botenstoffe, was zu heftigen Nebenwirkungen führte).
Fingolimod: Das ist eine Substanz, die den Übertritt von Lymphozyten aus den Lymphknoten in die Blutbahn verhindert. (siehe W. Weihe „Multiple Sklerose" (2020)

3. glaube ich nicht, dass der Impfstoff in die DNA eingebaut werden kann.

Der Mechanismus scheint mir sehr ausgeklügelt zu sein. Gibt es auch Nachteile? Ich sehe zwei:

1. könnten sich die Erreger so verändern (mutieren), dass der Impfstoff nicht mehr wirkt, und

2. könnte sich der Erreger so verändern, dass er immer harmloser wird, dass es sich also gar nicht mehr lohnt, dagegen zu impfen.

Und was ist der besondere Nachteil eines mRNA-Impfstoffs bei der MS?

Es wurde lange Jahre vermutet, es sei nur eine Frage der Zeit, bis man das „MS-Antigen“, weil man meinte, die "oligoklonalen Bande" seien die Antikörper und es müsse doch ein Leichtes sein, das dazugehörige Antigen zu finden.

Das hat sich als Irrtum herausgestellt, und wir kennen das MS-Antigen“ immer noch nicht, aber es erscheint sehr sicher, dass es nichts mit dem Stoff zu tun hat, der bei Mäusen die EAE verursacht. Die MS ist keine EAE!

Dennoch erscheint mir der ganze Mechanismus so kompliziert zu sein, dass ich mir unsicher bin, alles richtig verstanden zu haben und darum eine Diskussion begrüßen würde.

W.W.


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