mRNA-Impfansatz bzgl. MS (Allgemeines)

Michael27, Mittwoch, 13.01.2021, 21:09 (vor 46 Tagen) @ W.W.

Hallo Herr Weihe,

Impfung ist nicht gleich Impfung. Ich glaube zwar auch, dass bei der schubförmigen MS am Anfang oft eine individuelle Stress-Situation eine Rolle spielt. Aber ich glaube auch, dass psychische Einfluss-Faktoren sich physisch niederschlagen - in diesem Fall in einer epigenetischen Aktivierung oder Deaktivierung bestimmter Gene. Oder in einer Aktivierung von HERV-Bestandteilen (HERV = humane endogene Retroviren) oder sog. Retrotransposons in unserer DNA.

Ja, ich habe in den letzten Wochen viel über Epigenetik gelesen - und darüber ja auch bei Sally's geschrieben. Ich halte die Epigenetik nicht für einen aktuellen Hype in der Medizinforschung, sondern für einen großen Schritt nach vorn im Verständnis des Wirkens unserer Gene und damit unserer körperlichen und psychischen Verfassung.

Jetzt aber zu dem BioNTech-MS-Impfansatz. Ich zitiere 3 kurze Passagen aus der BioNTech-Pressemitteilung:

"In der Studie wurde ein entzündungshemmender Nanopartikel-mRNA-Impfstoffkandidat, der für ein MS-assoziiertes Antigen kodiert, per Infusion an Mäuse mit experimenteller Autoimmun-Enzephalomyelitis (EAE) verabreicht. EAEs sind klinisch relevante Mausmodelle für humane MS. Der mRNA-Impfstoffkandidat wurde so konzipiert, dass er das kodierte Zielantigen, welches mit der Autoimmunkrankheit assoziiert ist, zu Antigenpräsentierenden Zellen in den Lymphknoten im ganzen Körper liefert, wobei eine Entzündungsreaktion vermieden wird. Dies ermöglicht eine körperweite Präsentation der Zielantigene in Lymphgeweben, wodurch eine Immuntoleranz gegen diese Antigene induziert wird."

"Weiterhin induzierten die Treg-Zellen in allen MS-Mausmodellen einen starken, immunsuppressiven „Bystander“-Effekt. Dies bedeutet, dass die Treg-Zellen, einmal durch ihr Ziel-Antigen aktiviert, bei komplexen Erkrankungen auch Teff-Zellen, die gegen andere Antigene gerichtet sind, im entzündeten Gewebe unterdrücken können. Dies ist ein essenzieller Faktor, um auch polyklonale Erkrankungen, die auf verschiedenen, zum Teil unbekannten Antigenen basieren, sowie um die inter-individuelle Heterogenität zwischen einzelnen Patienten adressieren zu können."

"Des Weiteren führte der Impfstoffkandidat auch nach wiederholter Verabreichung nicht zur Entstehung von Autoantikörpern gegen das Zielantigen. Dies ist eine weitere potenzielle Herausforderung aktueller Autoimmuntherapien, die letztendlich dazu führen könnte, die Krankheit zu verschlimmern. Insgesamt verdeutlichen diese ersten Ergebnisse zur Immunantwort zusammen mit der Flexibilität des mRNA-Ansatzes, die es ermöglicht, individuelle Antigene der Patienten zu adressieren, das große Potenzial von mRNA-basierten Therapeutika für die Behandlung von hochkomplexen und seltenen Autoimmunerkrankungen."

Ich glaube, wenn man diese Zeilen in Ruhe sorgfältig liest, wird einem klar, worin das Potential des mRNA-Einsatzes im konkreten MS-Fall besteht - und warum das nicht "irgendeine Impfung" ist.

Die gesamte PM findet man hier:
https://investors.biontech.de/de/news-releases/news-release-details/biontech-veroeffentlicht-daten-zu-neuartigem-mrna

Michael


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