NEDA als Schlüsselbegriff und medizinische Terminologie (Allgemeines)

Karo, Dienstag, 29.12.2020, 11:05 (vor 61 Tagen) @ agno

Stattdessen sieht es danach aus, als wäre die kritische Bewertung des NEDA-Konzepts auf die Erläuterung und vor allem auf die sprachliche Bearbeitung der englischen Formulierung rückprojiziert worden - so als ob einfach das geschrieben worden wäre, was und wie es gerade passt.

Darf man das auch so sehen?
In meinen Augen sieht es danach aus, als wäre das NEDA-Konzept aus der Erläuterung und englischen Übersetzung der deutschen Formulierung: "Die MS schläft nie", auf hemdsärmliges handeln als fachliche Verschwurbelung, projiziert worden - so als ob einfach das geschrieben worden wäre, was und wie es gerade passt.

Nein, ich denke, dass man das nicht so sehen darf.

Erstens wird die medizinische Nomenklatur (seit etwa 200 Jahren) nach bestimmten, festgelegten Regeln und Standards gebildet. Da ist schon lange nichts mehr hemdsärmelig und verschwurbelt.

Zweitens ist die Sprache der Medizin heute das Englische. Das Englische als lingua franca dürfte also die Originalsprache des Konzepts gewesen sein, auch und gerade dann, wenn es in einem multinationalen Forschungszusammenhang entwickelt worden ist.

Drittens wird nicht nur die Nomenklatur, sondern auch die Terminologie der Behandlungskonzepte nach bestimmten, festgelegten Regeln und Standards gebildet, gerade weil sie den Patienten möglichst eingängig und adhärenzfördernd vermittelt werden soll. Mit solchen Transferkonzepten (Expertensprache im medizinischen Forschungslabor > Fachsprache der medizinischen Praxis > Laiensprache) habe ich mich mal beschäftigt, das ist aber schon länger her.

Weil Nomenklatur, Terminologie und Transfersprachen nach bestimmten, festgelegten Regeln gebildet werden, weist NEDA nicht sicher zufällig lautliche Ähnlichkeit mit dem russischen und spanischen "nada" und wahrscheinlich auch noch anderen Sprachen auf - Wörter, die allesamt das Bedeutungsfeld "nichts" umspielen.

Ich finde es sehr erstaunlich, dass in der ZIMS, die MS-Therapien und Behandlungskonzepte den MS-Betroffenen wissenschaftlich fundiert und laienverständlich aufbereitet zur Verfügung stellen will, ausgerechnet bei der (recht einfachen) Übersetzung des Schlüsselbegriffs des seit etlichen Jahren zentralen MS-Therapiekonzepts derart sorglos verfährt.

Wie in anderen Beiträgen zum Thema schon erwähnt, bin ich der Meinung, dass man die deutsche Formulierung dieses Schlüsselbegriffs diskutieren, verbindlich festlegen und in den ZIMS-Ausgaben und anderen Publikationen kohärent verwenden muss.

Und eine andere Lösung als NEDA = no evidence of disease activity = kein Beleg für Krankheitsaktivität finde ich weder sinnvoll noch richtig.

Übersetzung, Erläuterung und kritische Bewertung des Konzepts müssen klar voneinander getrennt werden.


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