Im Garten der Erinnerung (Allgemeines)

Karo, Donnerstag, 30.07.2020, 15:05 (vor 13 Tagen) @ stefan

ich habe eine gewisse Wahl, mich damit zu beschäftigen, die Art und Weise, wie ich mich damit beschäftige, es besteht auch die Möglichkeit, mich selbst damit zu überfordern, das könnte dann so eine Art „Hölle“ werden, aber warum?!

Gestern erst bin ich an einem solchen verwunschenen Tor vorbeigelaufen, hastig, auf dem Weg zur S-Bahn. Ich bin stehen geblieben, habe, wie könnte es anders sein, ein Foto gemacht und darüber nachgedacht, was sich wohl hinter diesem Tor befindet. Ob ich mal die Klinke runterdrücken sollte? Einen Blick hineinwerfen? Oder sogar eintreten und mich verzaubern lassen?

Es war verlockend. Aber ich wollte die Bahn nicht verpassen, und dann tauchten auch noch Zweifel auf, ob hinter dem Tor wirklich das Paradies auf mich wartet.

Was, wenn es die Hölle ist?

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es die Hölle sein muss, wenn ein Mensch sich an alles erinnern kann, was ihm je widerfahren ist. Das kann ich gut nachempfinden. Also müsste es, wenn ich in den Garten der Erinnerung hinter dem verwunschenen Tor eintrete, ja darum gehen, Erinnerungen zu löschen? Ist das überhaupt möglich?

Natürlich ist es möglich, nicht jeden Stein am Strand aufzuheben und sich im Faszinosum seiner glitzernden Oberfläche zu verlieren. Aber könnte es nicht auch so sein, dass ein einziges, winziges Steinchen ausreicht, weil jedes Steinchen, sei es noch so winzig, immer schon das ganze Universum in sich trägt?


P.S.: Ich glaube, den Satz mit der Hölle der Erinnerung habe ich bei Heinz Czechowski gelesen, in Die Pole der Erinnerung. Autobiographie. Düsseldorf: Grupello 2006, aber ich kann die Stelle im Moment nicht finden.


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