Der Name der Rose (Allgemeines)

W.W. @, Sonntag, 19.07.2020, 10:43 (vor 22 Tagen)

Ich habe gestern zusammen mit meiner Frau noch einmal den grottenschlechten Film mit Sean Connery gesehen. Wie kann man ein so schönes Buch so miserabel verfilmen (was übrigens nicht an Sean Connery lag)? Genauso wie die "Unendliche Geschichte" grottenschlecht verfilmt worden ist. Aber die Verfilmung bzw. das Buch bringt mich auf etwas, was ich hier schon einmal auf Stefans Anregung hin zur Sprache bringen wollte.

Ich weiß, dass Umberto Eco ein Strukturalist war, aber ich habe nie so richtig verstanden, was ein Strukturalist ist. Jedenfalls fällt auf, dass das Buch "Der Name der Rose" heißt, aber diese Rose nirgendwo in dem Roman vorkommt. Jeder kann sich denken, was vielleicht mit der Rose gemeint ist, und jeder hat vermutlich eine andere Interpretation: die Liebe zu dem Zigeunermädchen?

Um noch einmal auf mein Bild vom halbvergrabenen Schachbrett am Strand zurückzukommen: Man kratzt ein Feld frei und trägt dort ein Zeichen ein, z.B. eine goldene Schlange. Warum gerade dieses Zeichen? Weil man gedankenverloren in den Sonnenuntergang schaut und einem nichts anderes einfällt.

Vielleicht ist das Zeichen sogar eine Hieroglyphe, also ein Zeichen, das zunächst einmal keine Bedeutung hat. Aber je mehr man dieses Zeichen anstarrt, desto mehr erwacht es zum Leben und sogar die leeren Felder um das Zeichen herum beginnen wie der Boden eines Urwalds zu grünen und zu sprießen. Aus der Hieroglyphe wird innerhalb von kurzer Zeit eine Geschichte! So, wie es ja wohl auch mit Tarotkarten ist: Wenn die Wahrsagerin drei Karten vor uns legt: einen Narr, einen König und einen Henker, dann geht es nicht anders: Man verknüpft diese drei Karten zu einer Geschichte, in deren Mittelpunkt wir stehen.

An dieser Stelle vielleicht ein Sprung in einer andere Zeit, wo vor hunderttausenden von Jahren unser Urururgroßvater (oder unsere Urururgroßmutter) am Lagerfeuer saß und über die Welt nachdachte.

"Aus irgendetwas müssen doch die Erde, das Meer, die Jahreszeiten, die Blumen, die Vögel und die Wölfe entstanden sein? Aus Nichts entsteht doch nichts!"

Was könnte es wohl zu Beginn gewesen sein, wir sind ja nicht dabei gewesen. Und so entsteht ein Zeichen, das unser Vorfahre Gott nennt und das ziemlich wenig konkret ist. Wie in meiner Geschichte vom Schachbrett wird um ein Zeichen herum eine Geschichte erzählt, die immer weiter ausgeschmückt wird, bis eine Religion daraus entsteht.

Und ein letzter Sprung - damit nicht der Eindruck entsteht, hier wäre von Gott und der Welt die Rede: Wenn wir in schlaflosen Nächten darüber nachdenken, woher die MS kommt, dann wissen wir es natürlich nicht. Aber wir denken, es gibt doch Anhaltspunkte, die uns das Bild der MS immer deutlicher werden lassen. Und so entsteht aus dem Bild der MS eine Krankheit, die wir leicht mit dem verwechseln, was wir uns ausgedacht haben.

Ist ein Strukturalist vielleicht jemand, der eine Struktur in dieser Welt vorfindet und daraus eine Geschichte macht?!:confused:

W.W.


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