Schicksal und andere Erzählungen (Allgemeines)

W.W. @, Montag, 13.07.2020, 13:14 (vor 26 Tagen) @ stefan

Lieber Stefan,

die Sache ist vertrackt, und ich ahne nur, worauf du hinauswillst. Ist es dies: Es ist nahezu unmöglich, dass einem etwas widerfährt, dass man im Nachhinein nicht so interpretieren könnte, dass es hätte passieren müssen!?

Wenn wir in einen Unfall geraten, eine Ehe geschieden wird oder uns eine MS ereilt, dann gibt es Nachhinein immer gute Gründe, warum das so sein musste. Darum sind diese Interpretationen im Nachhinein so willkürlich, also Geschichten oder Konstruktionen, die wir von Vornherein nicht hätten denken können, weil wir keinen Zugang zu dem haben, was in der Zukunft liegt.

Wir sind immer nur im Nachhinein schlauer, und deshalb ist es so müßig, was wir uns im Nachhinein (wenn uns die MS also bereits ereilt hat) ihre Ursachen zusammenspintisieren.

So gesehen, ist die einzige Situation, die ich mir vorstellen kann, dass man zu Unrecht zu Schaden gekommen ist, ein Flugzeugabsturz, für den man nun wirklich nichts kann, oder das Überqueren einer Brücke, die genau dann zusammenbricht, wenn ich ihre Mitte erreicht habe. .

Im Nachhinein hat also jede MS ihre lebensbedingte Ursache und auch wenn man sie in tausend Fällen nachweist, ändert das nichts daran, dass man die MS interpretiert, wie man in der Schule gelernt hat, ein Gedicht von Eichendorff zu interpretieren.

Es gibt also gar keine Möglichkeit, das Entstehen einer MS unvoreingenommen zu deuten. Das könnte nahelegen, dieses schmale Brett zu verlassen und es mit einer "naturwissenschaftlichen" (biologisch, hormonell) Erklärung zu versuchen. Ich kann das gut verstehen, obwohl ich diese Art von Erklärungen nicht mag!:-(

Wolfgang


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