Wie? (Allgemeines)

W.W. @, Freitag, 10.07.2020, 18:36 (vor 30 Tagen) @ Boggy

Sie winden sich wie ein Aal und weichen immer wieder aufs Neue der Frage aus: wie genau sieht der angebliche "Lebensstil" denn aus, der angeblich zur MS führt?

Ich gebe zu, dass ich die MS mit der Arteriosklerose" und dem metabolischen Syndrom "analogisiere", dass also zunächst nur einmal gewisse Ähnlichkeiten bestehen. Zunächst einmal könnte das sein, dass die MS erst im 19. Jahrhundert häufiger diagnostiziert wurde, Sie haben darauf hingewiesen, und ich will nicht ausschließen, dass sie zuvor "übersehen" wurde, weil man keinen Krankheitsbegriff von ihr hatte.

Eine weitere Analogie könnte sein, dass die MS eine Krankheit ist, bei der es zu einer Überlastung der Nervenbahnen im Gehirn kommt. Ich gebe zu, dass es eine solche "Überlastungs-Krankheit" normalerweise nicht zu geben scheint: Was uns nicht umbringt, macht uns ja in aller Regel stärker - sagt man.

Ich meine allerdings schon, dass die Stressbelastung seit dem 19. Jahrhundert zugenommen hat, was durchaus auch viele gute Seiten haben kann, z.B. dass das Leben für viele besser geworden ist. Aber diese Zunahme der Lebensqualität könnte auch ihren Preis haben, indem unsere "Ruhe" verloren gegangen ist.

Ich weiß, dass man sich über diesen naiven Begriff lustig machen kann, aber viele von uns sind gern in action, und viele brauchen das sogar als Lebenselexir. Ein Tag ohne Lebenskampf und Fernsehen ist ein langweiliger Tag und wohl dem, der diese Prüfungen besteht. Das tun viele auch, manche aber auch nicht. Sie können nicht mithalten.

Ich meine nicht, dass das ein psychologisches Problem ist, sondern eher, dass wir wie Charly Chaplin in "Modern times" Räder in einem unaufhörlichen Getriebe sind, und dass wir uns dem kaum entziehen können.

Aber es gibt ein schlagendes Argument gegen meine Ansicht: Wenn Überlastung oder Stress einen krankheitsfördernden Charakter hätten, warum nimmt die MS dann nicht in Not- oder Kriegszeiten zu?

Wenn man mir das entgegenhält, scheint man mich zu einem Rückzugsmanöver zu zwingen, indem ich stotternd das zu erklären versuche, was eigentlich nicht zu erklären ist. Es besteht also die Gefahr, dass ich meine Hypothese immunisiere, indem ich z.B. behaupte, es gäbe zwei Arten von Stress, den guten, der unsere Lebensgeister fördert, und den schlechten, der sie schwächt.

Ich glaube, die Entstehung der MS hat viel mit Resignation zu tun. Damit meine ich nicht, dass es einen MS-Charakter gäbe, sondern Situationen, in denen wir unterliegen und unseren Lebensmut verlieren. Das scheint mir eine MS-Anfälligkeit zu fördern.

Ob das nicht doch ein psychologisches Problem ist, das vornehmlich "Weicheier" betrifft? Ich glaube nicht, aber wir Menschen sind unterschiedlich auf die Welt gekommen, aber aus meiner Sicht betrifft die MS eher Menschen, die keine Elefantenhaut haben.

Also doch ein MS-Charakter? Nein, ich meine eher, dass wir "verstrickt" sind, manchmal keinen Ausweg sehen und uns möglicherweise auch kein Psychologe helfen kann. Es ist nicht unsere Schuld, wenn uns die Schwierigkeiten über den Kopf wachsen. Und ich habe es oft gesagt: Es könnte auch eine genderspezifische Komponente geben. Weil ich glaube, dass Frauen in dieser Gesellschaft mehr zu ertragen haben als Männer.

Ich fürchte, alle diese Vermutungen kann ich nicht belegen, allerdings scheint es mir auffällig zu sein, dass die MS-Herde nicht zufällig im Gehirn und Rückenmark verteilt sind, sondern "Vorzugslokalisationen" haben, die - umgangssprachlich formuliert - häufig unter Strom stehen.

Nichtsdestotrotz muss ich gestehen, dass es sich um windelweiche Spekulationen handelt, und wenn ich diese in meinem Berufsleben bestätigt gefunden haben, dann nur deswegen, weil ich diese Mechanismen gesucht und dementsprechend auch gefunden habe, eben weil ich voreingenommen war und Scheuklappen auf den Augen hatte.

Zum Schluss eine etwas zahnlose Bemerkung: Ich würde mich gar nicht trauen, immer wieder dasselbe vorzutragen, wenn die jahrzehntelange Forschung eine bessere Erklärung für die MS gefunden hätte. Ich sehe sie allerdings nicht.

W.W.


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