Gurus der MS und meine Kritik an Dir (Allgemeines)

W.W. @, Dienstag, 07.07.2020, 13:44 (vor 29 Tagen) @ stefan

Mich stört Deine Grundhaltung, die MS hätte was von Psychosomatik und Zivilisation..., und man könne ja also was tun... usw.

siehe Dein Eingangsreferat.

Ja, vielleicht habe ich zu sehr gepredigt!:-( Das tut mir leid, aber man fängt manchmal an zu predigen, wenn man es ernst meint.;-)

Ich dachte an das Buch, das du mir empfohlen hast und das ich wiedergefunden habe: "Die Zeit der Zauberer". Auf S. 66 beschreibt Eilenberger sehr eindrucksvoll, wie Heidegger aus dem 1. Weltkrieg zurückgekehrt ist, und als Vorlesungsassistent von Husserl seine erste Vorlesung halten soll. Vor ihm sitzen Männer, die entmutigt und müde aus dem Krieg heimgekehrt sind, und denen er nun Philosophie vermitteln soll.

Er beginnt mit der Frage "Was gibt es?" und könnte nun fortfahren, dass diese Frage auf Zweierlei, vielleicht sogar auf Dreierlei bezieht, und es an einem erstens, zweitens und drittens klarmachen, aber das tut er nicht, sondern entschließt sich dazu, die Menschen, die vor ihm sitzen, direkt anzusprechen. Dass es in allererster Linie nicht darum geht, dass es Stühle oder Tische, Hunde oder Häuser gibt oder Sonaten von Mozart oder Panzer und Giftgas, sondern um etwas, was tiefer liegt.

Als ich diese Stelle las, dachte ich, wie es ist, wenn man zu einem MS-Betroffenen sprechen soll, der gerade von seiner Diagnose erfahren hat. Soll ich ihm auseinandersetzen, was eine Krankheit und insbesondere eine Autoimmunkrankheit ist und welche Medikamente es gibt, oder geht es um etwas anderes? :confused:

Ich glaube, wir müssen die MS aus der Situation heraus verstehen, in der sie entstanden ist, nicht chemisch, biologisch oder abstrakt: Das meine ich mit psychosomatisch und "Zivilisation", nicht etwas Psychologisches oder Soziales, über das man lange streiten kann.

Die MS ist mehr als ein Abstraktum! Und wir dürfen sie auch nicht nur wie etwas Abstraktes behandeln, sondern als etwas, das in direktem Bezug auf uns entstanden ist. Darum wäre es - meiner Ansicht nach - falsch, die MS zu behandeln wie ein medizinisches Problem. Sie ist weit, weit mehr. Darum muss der Arzt oder die Ärztin mit seinen Patienten reden, um sich ein Bild zu machen - und nicht einfach nur in einer Tabelle nachschauen.

Wolfgang


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