Über die Zukunft der MS-Therapie (Allgemeines)

W.W. @, Montag, 06.07.2020, 13:12 (vor 37 Tagen)

In einem anderen Forum las ich interessante Gedanken über die Zukunft der MS-Therapie. Ich nehme an, dass ich den Verfasser nicht grob falsch verstehe, wenn ich seinem Text entnehme, dass er an die immunmodulierenden Medikamente von den Betainterferonen bis hin zu Gilenya nicht so sehr glaubt, und seine ganze Hoffnung auf die Stammzellentherapie setzt. Er schreibt dazu: "Insoweit setze ich in der Zukunft auf regenerative Therapien durch mesenchymale Stammzellen sowie auf autologe hämatopoetische Stammzelltransplantation."

Der Autor hat sich sehr viele und sehr gründliche Gedanken gemacht, und ich will überhaupt nicht in Frage stellen, dass mein aktuelles Wissen über eine mögliche MS-Therapie nicht an sein Wissen heranreicht. Darum äußere ich hier meine Meinung sozusagen außer Konkurrenz.

Seit Jahren vertrete ich zwei Thesen: 1. glaube ich, dass sich die MS dem üblichen Krankheitsbegriff entzieht, und 2. werden deswegen die "üblichen Verdächtigen" nicht ausreichen, um Licht in das Dunkel zu bringen.

Ich möchte das kurz begründen. Die MS steht meiner Ansicht nach zwischen den Krankheiten, indem sie 1. eine "psychosomatische Krankheit" ist, aber nichts mit den üblichen psychosomatischen Krankheiten (Migräne, Colitis ulcerosa, Asthma...) zu tun hat. 2. gibt es nicht die Ursache, sondern ein Bündel von Ursachen, die man Risikofaktoren nennt. Letztere These führt zu einem "Gemisch von Ursachen", das sich statistisch kaum analysieren lässt.

Ich kann beide Thesen auch zusammenfassen und behaupten, dass die MS eine Zivilisationskrankheit ist, die im Zusammenhang mit unserer modernen Lebensweise entstanden ist.

Meine Vermutung steht und fällt mit der Annahme, dass es die MS vor dem 19. Jahrhundert nicht gab. So bin ich z.B. einerseits überzeugt, dass Lidwina von Schidam keine MS hatte, andererseits gebe ich zu, dass es sicher außerordentlich schwierig war, eine MS zu diagnostizieren, bevor sie von Charcot klassisch beschrieben worden ist, obwohl ich hier eine Einschränkung machen möchte: In manchen Fällen verläuft eine MS so typisch, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass sie von Schriftstellern übersehen wurde.

Mir ist bewusst, dass ich damit nichts Neues sage, und eigentlich nur wiederhole, was ich schon lange und immer wieder gesagt habe: 1. Die MS ist keine Autoimmunkrankheit. 2. Sie hat nicht eine, sondern viele Ursachen. Und 3. Unser Blick wird uns dadurch verstellt, dass wir eine falsche Vorstellung von einer "psychosomatischen" Krankheit haben, als handele es sich dabei um Krankheiten, die eine "eingebildete" Komponente haben.

Wenn der Verfasser der obengenannten Überlegungen so sehr auf Stammzellen setzt, so wohl auch deswegen, weil er im Grunde genommen annimmt, die MS seit eine monokausale Krankheit, aber man könne in dem Gewirr von möglichen Erregern (z.B. Retroviren) den Boden unter der Füßen verlieren, darum helfe nur ein Reset des Immunsystems.

Wenn meine Vermutung zutrifft, könnte ein solches Reset schwerwiegende Nebenwirkungen zur Folge haben, und es wäre besser, in seinem Leben Konstellationen auszumachen, die letztendlich zu einer Überlastung unseres Nervensystems und zu einer Schädigung der Myelinproduzierenden Zelle führen.

Ich meine damit nicht "psychologische" Faktoren, sondern Gewohnheiten, die für unsere Zivilisation typisch sind, und die weder durch Psychotherapeuten, noch Psychotherapeutinnen verändert werden können.

W.W.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum