Antwort auf einen Zwischenruf (Straßencafé)

W.W. @, Montag, 29.06.2020, 14:22 (vor 86 Tagen) @ tournesol

Es war wegen der Ehrlichkeit, dass ich schreiben wollte, warum mich dieses Problem besonders interessiert. Deshalb Heidegger und Wittgenstein, die gleichzeitig gelebt haben, international eine ähnliche Bedeutung besitzen, und dennoch ein völlig anderes Sprachverständnis gehabt haben.

Heidegger sprach wie ein weltferner Dichter, der sich eine eigene Sprache erdachte, um sich ausdrücken zu können, und Wittgenstein legte Wert darauf, dass wir nur die Umgangssprache benützen, dass sich also unser Denken darin zeigt, wie wir uns umgangssprachlich ausdrücken, und dass wir der Sprache Gewalt antun würden, wenn wir eine "Privatsprache" zu entwickeln trachteten.

Dass Heidegger (zumindest zeitweise) ein Nazi war (Das ist wieder ein Punkt, über den es keine "Wahrheit" gibt!) und Wittgenstein ein Jude, spielt hier keine Rolle. Es geht darum, wie wir es schaffen, uns gegenseitig verständlich zu machen.

Ich persönlich versuche auch, mich möglichst umgangssprachlich auszudrücken, aber es passiert mir immer wieder, dass ich anscheinend dem Leser meine Bildung um die Ohren schlage - was ich wirklich nicht will!:-(

Es ging - wie gesagt - um die Ehrlichkeit, um zum einen offenzulegen, womit ich mich gerade beschäftige. Das andere ist der "Beckmesser". Ein "Beckmesser" ist in den "Meistersingern" ein eher kleinkarierter Mensch, der anderen seine Regeln aufzwängen will und dadurch ihre Kreativität beeinträchtigt.

Wenn wir also hier im Forum uns gegenseitig Vorschriften machen würden, indem manches gesagt werden darf, anderes wiederum nicht, und wenn wir uns also bemühen müssten, uns ständig "so, wie es sich gehört" auszudrücken, dann könnte das zu einer Verarmung führen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt für mich!

Manchmal ist mir eben so, dass ich mich darüber beklagen möchte, dass meine Frau Knoblauch liebt, womit ich mich über meine Frau, aber auch mich selber lustig mache, aber das gehört zur authentischen Rede dazu, denn ich könnte ja auch vor lauter correctness darauf verzichten, überhaupt so eine anzügliche Bemerkung zu machen. Aber das würde meine Rede weniger plastisch machen.

Übrigens ist das, was wir jetzt gerade machen, genau das, was ich für wichtig halte. Wenn mich das interessiert, was der andere meint, dann muss bei dem, was ich nicht richtig verstanden habe, nachhaken.

Da bricht niemandem ein Stein aus der Krone! Aber man sollte mit der Zeit auch lernen, den anderen bzw. den Leser nicht für dumm verkaufen oder imponieren zu wollen. :-(

Ganz im Gegenteil! Ich bin ein Feind des Geistreichelns.

W.W.

PS: Es geht sehr oft darum, ob wir Interesse an der Meinung des anderen haben.


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