Antwort auf einen Zwischenruf (Straßencafé)

W.W. @, Montag, 29.06.2020, 13:17 (vor 5 Tagen) @ tournesol

Ja, ich gebe Ihnen ja in (fast) allem recht!:-) Aber manchmal habe ich doch das Gefühl, ich hätte etwas getan, was ich nicht hätte tun dürfen, als hätte ich einen Gedanken wie mit einem Brecheisen aus heiterem Himmel eingebracht, die Sprache missbraucht und meine Leser versucht zu verführen.

Mein Hintergrund ist, dass ich mich gerade mit Heidegger und Wittgenstein auseinandersetze, warum ihre Sprache so unterschiedlich war, und wie es geht, dass wir miteinander reden können, ohne uns misszuverstehen.

Wir können unsere Fremdheit voreinander (wie Sie es ja ganz richtig gesagt haben) gar nicht verbergen. Diese Fremdheit und die Missverständnisse sind in unserer Sprache angelegt und - jetzt folgt vielleicht das, wo wir nicht einer Meinung sind - dass das "wir" missbraucht wird, oder jemand als Arzt angesprochen wird, obwohl sie eine Ärztin ist, oder dass wir nicht lupenrein zitieren, oder dass wir in Gedanken Kopfsprünge machen, oder versteckte philisterhafte oder pharisäische Vorurteile pflegen..., auf jeden Fall, dass unsere Sprache immer uninteressanter wird, je genauer wir uns ausdrücken wollen.

Vieles in unserer Rede ist Kindheitserinnerung, Gedicht, Märchen, ein Feldweg oder ein alter Baum, sogar über "Wahrheit" können wir unterschiedliche Meinungen haben.

Ich finde all dieses wichtig, um auf Stefan zurückzukommen, denn wenn es mich interessiert (und es interessiert mich, was Stefan meint), dann kann ich ja nachfragen, und werde bereichert, wenn ich ihn besser verstehe.

Was wir meinen, entsteht im Dialog: im Nachfragen und im Missverstehen, und es wäre unsinnig, wenn wir mit unserer Sprache päpstlicher als der Papst umgehen würden.

Aber wir müssen sie zum Thema und damit zum Problem machen, damit wir besser miteinander reden können. Es gibt in den "Meistersingern" einen Herrn, der Beckmesser heißt, und alles verbieten will, was nicht den Regeln entspricht. Er verarmt unsere Sprache, und dann kann man nicht einmal andeuten, was man zu meinen scheint.

W.W.


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