Ich habe bestimmt nicht lange genug darüber nachgedacht. (Allgemeines)

W.W. @, Mittwoch, 24.06.2020, 10:46 (vor 49 Tagen) @ W.W.

Ich möchte mich dafür entschuldigen, dass ich versucht habe, etwas zum Ausdruck zu bringen, das man schlecht ausdrücken kann.:-( Insofern gehört das Gemeinte und nicht ausreichend klar zu Machende eher in ein "Hinterzimmer" oder in die Ferne eines Elfenbeinpalastes - jedenfalls nicht in die Kategorie "Allgemeines", wo es ein Stirnrunzeln hervorruft.

Und dennoch gab es etwas, was mir wichtig erschien: Als ob es an uns selbst läge, wie klar wir sprechen?! Dieser Eindruck schien mir manchmal hier im Forum erzeugt zu werden. Dass wir - im Idealfall - die richtigen Wörter finden für das, was wir ausdrücken wollen, und dass wir, wenn wir ausreichend über einen Sachverhalt nachgedacht haben, ihn besser beurteilen können?!

All dieses scheint so offensichtlich zu sein, und das, was ich geschrieben habe, hätte ja vielleicht auch besser ungeschrieben bleiben können, weil es niemandem hilft und die Unklarheit eher noch erhöht. Oder wollen wir vielleicht die Unklarheit nicht sehen, die für unsere Sprache typisch ist?

Kurz: Ich fürchte, wir drücken uns immer unklar aus, weil unsere Gedanken so individuell sind wie unsere Frisuren, Krawatten, Halsbänder und Hemden. Aber wir vergessen das oft und meinen, wenn wir uns richtig Mühe geben würden, dann könnten wir sagen, was wir meinen.

Aber die Sprache ist etwas anderes als Holzklötzchen, die Autos, Ampeln und Fußgänger darstellen, die wir in unserer Sprache so ordnen, dass der andere sofort versteht, wie es zu einem Unfall gekommen ist.

Unsere Sprache benutzt Wörter, die vieldeutig sind und mit Kindheitserinnerungen belastet, die nur wir selbst haben. Wir sprechen also in gewisser Weise immer aneinander vorbei, auch wenn wir uns noch so große Mühe geben. Es ist wie das, was man einem anderen ins Ohr flüstert, der es wieder einem anderen ins Ohr flüstert. Irgendwann einmal ist die Botschaft nicht mehr wiederzuerkennen - oder man muss sie sich erträumen.

Im "Faust" gibt es eine rührende Stelle, wo Faust schon nach der "Phiole" greift, um Selbstmord zu begehen, und dann erklingen die Osterglocken, und er sagt:
"Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt,
zieht er auch jetzt zurück mich in das Leben..."

Ich glaube, es ist mehr als eine vage Erinnerung, als ob der Mensch durch Heimat, Kinderglauben und Sprache geformt wird, und nicht einfach so ist, wie er ist. Und es darum auch mit jedem Wort, das er benutzt, eine besondere Bewandtnis hat.

Wenn ich über eine Brutalität der Sprache klage, oder darunter leide, dass sie mich nicht mehr erreicht, dann auch weil die jetzige Sprache nichts mehr von dem in sich trägt, was mich früher "angesprochen" hat - so wie der Duft einer verwelkten Rose zwischen den Seiten eines Buchs nichts mehr mit einer Rose zu tun hat.

Die Musik und das Gedicht bringen etwas zum Ausdruck, was höher ist denn alle Vernunft. Das ist das eine, das andere ist, dass unheimlich viel verloren gehen würde, wenn Menschen anfangen würden, wie Maschinen zu reden.

W.W.

PS: Ich wollte das nur entschuldigend hinzufügen. Meiner Ansicht nach aber könnte der Thread auch gelöscht werden.


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