Ich habe bestimmt nicht lange genug darüber nachgedacht. (Allgemeines)

W.W. @, Dienstag, 23.06.2020, 18:28 (vor 49 Tagen)

Aber ich stutzte, als ich hier las, dass das hier ein Hund und das da drüben ein Haus ist. Diese Worte haben etwas Beruhigendes, als seien sie ein Fels in der Brandung, und trotzdem habe ich Angst vor ihnen.

Normalerweise ist das, was wir sagen, so dahergeredet und auf Sand gebaut: Man hat etwas gehört, gibt es verstümmelt wieder, die Tatsachen haben sich schon längst aufgelöst, die Welt scheint nicht mehr zu sein, was der Fall ist.

Können wir zu dieser Klarheit der Sprache zurückkehren, wenn wir uns Mühe geben und unsere Sprache täglich säubern wie unsere Rüstung? Oder wird es uns immer wieder passieren, dass uns etwas in die Sätze und zwischen die Wörter rutscht wie ein Klang aus längst vergangener Zeit?

Ich denke an ein Gedicht, was kann uns das sagen?
"Steh auf, steh auf!
Wir werden nicht angenommen,
die Botschaft kam mit dem Schatten der Sterne."

So viel und so wenig wie "Yesterday" oder "These boots are made for walking". Was wollen wir zum Ausdruck bringen? Eine Bewunderung, ein Lob, ein Grauen?

Wir versuchen redlich, unsere Wörter zu benutzen wie mathematische Formeln - und vergessen dabei, dass unsere Wörter nichts weniger sind als mathematische Formeln. Indem sie ein glitzerndes Gespinst sind zwischen den Gräsern, Blättern und Ästen, etwas, das nur wir sehen.

Natürlich wollen wir dem anderen etwas sagen, aber oft muss er sich erträumen, was wir ausdrücken wollten.

W.W.


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