Betaferon vs. Aubagio (oder: was tun gegen Verhärtungen?) (Therapien)

W.W. @, Mittwoch, 08.01.2020, 19:44 (vor 208 Tagen) @ tournesol

Mir wurden bei meiner Diagnose vor 3,5 Jahren Aubagio und Tecfidera zur Auswahl angeboten. Ich habe mich gegen Aubagio entschieden wegen der möglichen Nebenwirkungen Bluthochdruck und erhöhte Leberwerte, weil das bei mir sowieso schon nicht optimal war. Haarausfall wollte ich auch nicht unbedingt bekommen. Das war damals noch nicht bei den möglichen Nebenwirkungen von Tec aufgelistet, inzwischen schon.

Meines Wissens nach verhölt es sich mit Teriflunomid so:

Teriflunomid (Aubagio®)
Teriflunomid wird von SANOFI hergestellt und ist seit 2013 in Deutschland für Erwachsene mit rein schubförmiger MS zugelassen. Es wird als Tablette 14mg einmal täglich eingenommen. Es ist ein Stoffwechselabbauprodukt von dem Rheumamittel Leflunomid, und unterdrückt die Aktivierung und Zellteilung von Lymphozyten, indem es die Synthese von Pyrimidin in den Mitochondrien hemmt.

Wirkung
Es liegen 2 große Studien vor: TEMSO und TOWER, die jeweils aus 3 Armen bestanden haben: 7mg, 14mg und Placebo.
1. Unter 14mg Teriflunomid hatten während 2 Jahren Studiendauer 56% gegenüber 46% unter Placebo keinen Schub.
2. Unter Teriflunomid nahm bei 80% gegenüber 73% unter Placebo die Beeinträchtigung nicht zu.

Bei 100 Patienten kam es also in 10 Jahren (5mal 2 Jahre Studiendauer) unter Placebo bei knapp 3 Patienten (5mal 0,54=2,7) zu Schüben und unter Aubagio® waren es etwas über 2 (5mal 0,44=2,2). Eine 10jährige Behandlung senkte also die Schubzahl um einen halben Schub.

Nebenwirkungen
Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen erhöhte Leberenzyme, Haarausfall, Durchfall, Übelkeit, Grippe und Empfindungsstörungen.

Ist Teriflunomid wirksamer als Interferone?
Unter 14mg Teriflunomid und 44 Mikrogramm Rebif® waren die Schubraten vergleichbar (je 0,2). Die Therapiezufriedenheit war unter Teriflunomid bezüglich Nebenwirkungen und Handhabbarkeit größer. Es soll das billigste Basistherapeutikum sein und etwa 14.000 Euro/Jahr kosten. Damit ist es nur halb so teuer wie Tecfidera® (28.000 Euro/Jahr).

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat geprüft, ob dieser neue Wirkstoff einen Zusatznutzen bietet. Es kommt zu dem Schluss: Zwar würden bei Teriflunomid bestimmte Nebenwirkungen seltener als bei Beta-Interferon 1a auftreten, andere jedoch häufiger. Insgesamt sieht das IQWiG keinen belegbaren Zusatznutzen.

W.W.


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