Zauberhafte Dynamiken (Allgemeines)

Karo, Sonntag, 03.11.2019, 18:21 (vor 8 Tagen) @ agno

Liebe Karo
Ist es Entzauberung, über eine geniale Choreografie zu reden?
Braucht es ein Kindchenbild vom Zauber des Universum?
Ich gestehe, dass so wie Stefan vermutet hat, von einer genialen Choreografie ausgegangen bin.
Das empfinde ich aber als nicht weniger bezaubernd.
Ich lasse mich gerne vom perfekten Handwerk betören und verzaubern.
Sogar, wenn ich regelmäßig beim Hausbau einer jungen Familie vorbei komme :herzle:
Aber, ich empfinde es schwierig darüber zu reden.
Ich weiß nicht warum?
Aber so oft fühlen sich Menschen in Erklärungsnot
oder sogar angegriffen.
Früher sagten wir: Ich finde das gut so. Das reichte!

Gruß agno

Danke für deinen Beitrag, agno!

"Entzauberung" war erst mal nur konkret darauf bezogen, dass WW in seiner "Nacherzählung" sich von seiner Erinnerung etwas vorgaukeln lässt, was dem genauen, überprüfenden Blick nicht standhält - der in der Wissenschaft und Kunst aber wichtig ist. Dass ich das korrigiert habe, liegt teils daran, dass er sich auf eine Darstellung beruft, die ich in einem anderen Beitrag gegeben habe. (Das kann man ja machen, ist nicht schlimm, nur wollte ich das nicht so stehen lassen.)

Dass ich mich überhaupt tiefer in dieses Video hineinbegeben habe, lag zunächst an dem Mädchen mit der Zauberflöte - ich konnte den Auftritt des Mädchens als Element der Inszenierung irgendwie nicht in das Gesamtbild integrieren, das sich mir spontan dargeboten hat.

Es hat mich "gestört" - nicht im Sinne von "missfallen", sondern von "meine Aufmerksamkeit aufgestört und gefesselt".

So fing es an, dass ich versucht habe, quasi den Bauplan zu ergründen, durch wiederholtes Hinschauen, Korrigieren, noch mal hinschauen, wieder Neues entdecken, beschreiben, fantasieren, ausdeuten - und wieder von vorne, um zu überprüfen, ob das, was ich gesehen und erkannt zu haben glaubte, auch durch das Videomaterial gedeckt ist.

Daraus folgt dann einer eigenen Dynamik, und noch immer entdecke ich Neues. So hatte WW geschrieben: "Es ist wohl Sommer." In meiner Antwort auf WW bin ich auf dieses Detail nicht eingegangen, obwohl es mich "gestört" hat.

Denn der Satz hätte richtigerweise heißen müssen: "Es ist Sommer." Das mutmaßende "wohl" ist überflüssig, weil Ort, Datum und Uhrzeit im Vorspann des Videos exakt genannt werden: "Nürnberg, Lorenzkirche, 14. Juni 2014, 14 Uhr."

Im nächsten Schritt dachte ich dann, dass diese vorangestellte Zeit- und Ortsangabe in ihrer Exaktheit fast schon wie ein Impressum wirkt oder wie eine Art Stempel, der das nachfolgende Geschehen - eine "Fantasie" - gewissermaßen beglaubigen soll.

Im Abspann ist es ähnlich, da steht dann: "Evenord-Bank Nürnberg / Philharmonie Nürnberg / Hans-Sachs-Chor Nürnberg". Auch das lässt sich als eine Art "Beglaubigung" lesen. Vorspann und Abspann sind so vielleicht vergleichbar mit zwei Buchdeckeln - wer das Buch aufblättert, fängt an, eine Geschichte zu lesen.

Und so lese ich an immer weiter an Auffälligkeiten, Störungen, Irrtümern, Falschdarstellungen usw. entlang, dringe immer tiefer in die Textur der Inszenierung ein - und lasse mich immer mehr verzaubern. Das mag für manche Ohren paradox klingen, für mich macht es gerade den Zauber aus, den Blick immer mehr zu schärfen - alles andere würde ich als langweilig empfinden.

Im Moment "stört" es mich gerade, dass viele Flashmob-Beteiligte ein grellrotes Kleidungsstück tragen (wie zB das Mädchen mit der Zauberflöte). Ich müsste mir das Video jetzt noch mal anschauen und überprüfen, ob dieser Befund durch das Videomaterial überhaupt gedeckt wird. Falls das so ist, wird mir dann vielleicht irgendwas dazu einfallen, warum das so eingerichtet wurde und was das zu bedeuten hat?

Den Dirigenten sieht man übrigens schon, bevor er anfängt zu dirigieren, und zwar in 0:49, in 0:54 und in 1:08 schräg hinter dem Kontrabassisten. Zu sehen sind nur das grünkarierte Hemd und beige Hose, also Rumpf und Unterleib, nicht das Gesicht. Die Dirigenten-Hände hat er in die Hosentaschen gesteckt, vermutlich um sich zu zügeln. :-D

Die Kirchenglocke, die ganz zu Anfang die volle Stunde (14 Uhr) läutet und dem Mädchen den Einsatz gibt, hat mich übrigens an Hell's Bell erinnert, das Depeche Mode in Going Backwards in abgewandelter Form zitiert (ab 0:27). Auch hier ist es Auftakt zu einer Show und gibt den Einsatz. Muss ich da noch erwähnen, dass Hell's Bell auch die Einlaufhymne des FC St. Pauli ist?

Eigentlich wollte ich noch ein paar Worte über WWs Formulierung von der "grauen Realität" verlieren, Stichwort "die Welt ist bunt". Aber irgendwie bin ich nun vielleicht doch ein bisschen eigendynamisch vom Zauber-Thema abgeschwiffen.

:-D


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