Entzauberung (Allgemeines)

Karo, Sonntag, 03.11.2019, 12:13 (vor 10 Tagen) @ W.W.

Ein Beispiel am Rande [...]: Auf einem Marktplatz vor einer Kirche steht ein großer, hagerer, blinder Mann in einem Frack. Mit der einen Hand hat er den Hals eines Kontrabasses umfasst. Die Passanten gehen misstrauisch um ihm herum. Jemand bläst große Seifenblasen in die Luft. Es ist wohl Sommer. Ein kleines Mädchen mit roter Strickjacke gibt der Mutter ihre Einkaufstasche und geht auf den Mann zu. Sie zieht aus der Tasche ihrer Jacke eine Blockflöte, und obwohl der Mann ein Loch in die Luft zu starren scheint, schaut sie ihn an und beginnt ein Lied zu spielen: "Freude, schöner Götterfunken".

Um nur einige Aspekte aus dieser Darstellung herauszugreifen:

Das Mädchen, das mit seinen ca. 10 Jahren nicht mehr "klein" ist, zieht die Blockflöte nicht etwa aus der "Tasche ihrer Jacke", sondern lediglich aus einer Tasche (genauer: Schulterbeutel). Ob die Tasche auch als "Einkaufstasche" dient, ist uns nicht bekannt - auch nicht, ob es sich bei der Frau, der das Mädchen die Tasche gibt, um seine Mutter handelt.

Aber immerhin, "Blockflöte" ist richtig.

Unbemerkt hat sich eine Cellistin zu den beiden gesellt, und sie spielen nun eine Überleitung. Geiger in legèrer Kleidung sind hinzugetreten, als ob sie zufällig da wären. Jetzt bleiben einige Passanten stehen und bilden einen großen Kreis.

Keinesfalls "unbemerkt" - wie sollte das auch möglich sein? -, sondern bemerkt und für alle sichtbar. Das ist hier deutlich zu erkennen, wie auch insgesamt der Inszenierungscharakter des Ereignisses.

Nicht erst "jetzt" - schon vor dem Auftakt mit dem Flötenspiel haben Passanten dort gestanden und einen großen Kreis gebildet (siehe zweites Video).

Ein Fagott, Hörnern, Oboe und Klarinette kommen hinzu, ein hemdsärmeliger Mann mittleren Alters wirft eine Münze in den geöffneten Instrumentenkoffer des Kontrabasses, dann reißt er die Hände hoch, und es zeigt sich, dass viele der Passanten Chormitglieder sind, und alle singen: "Freude, schöner Götterfunken".

Bitte belegen (am besten anhand der Minutenzählung), dass die Münze in einem "geöffneten Instrumentenkoffer" landet und nicht etwa im Zylinder des befrackten Kontrabassisten.

Nein, es singen nicht alle (Anwesenden).

Man könnte meinen: "Phantastisch gemacht!" Ich aber denke, es ist nicht gemacht, sondern Wirklichkeit. Wir müssen dahinkommen, dass wir das, was wir sehen, für die Wirklichkeit halten. [...]

Wirklichkeit ist immer "gemacht", das heißt: konstruiert. In diesem Fall: sorgfältig inszeniert und noch sorgfältiger videokünstlerisch aufbereitet.

Das "wir" ist hier völlig fehl am Platz. Schon deshalb, weil ich (wahrscheinlich nicht nur ich) etwas ganz anderes sehe (und die Richtigkeit meiner Sichtweise belegen kann).

Ich kritisiere also Boggy nicht, aber wenn er nicht aufpasst, wird er so kleinkariert wie Renate_S.! Ja, auch Renate_S. ist mir meilenweit an Gründlichkeit überlegen, und dennoch ich mag dieses in Balken und Zargen eingezwängte Denken nicht! Es ist unproduktiv! Stefan liegt mir natürlich mehr!:-)

Es könnte helfen, zunächst mal sehr genau hinzusehen (zu beobachten) und das, was zu sehen ist, möglichst präzise, kleinkariert, gründlich, nüchtern und sachlich zu beschreiben.

So wie zB Boggy und Marc es tun - manchmal aus verschiedener Perspektive, was Gründlichkeit und Sachlichkeit nichts ändert, sondern den Blick schärft.

Balken, Zangen und Zargen, Kleinkariertheit und Gründlichkeit zwängen das Denken nicht ein - sie sind dessen wichtigste Stütze.

Gruß - und vor allem Dank - an Boggy und Marc, deren Dialoge für mich zu dem Interessantesten und Besten zählen, was es bei den Ufos und über die Ufos hinaus in Sachen MS zu lesen gibt.


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