Auf dem Weg zu einer neuen Streit"kultur"? (Allgemeines)

W.W. @, Samstag, 02.11.2019, 13:10 (vor 33 Tagen) @ Boggy

Richtig. Es geht nicht, auch mir nicht (!), darum, "recht zu haben".
Es geht, wenn wir über MS reden, darum, was gesichert ist und was nicht,
und auch darum, wie wir was verstehen und einschätzen.
Letzters muß geklärt werden, ersteres überprüfbar belegt.

Ersteres glaube ich unbesehen! Aber beim zweiten tun sich die Unterschiede auf, die zwischen mir und Boggy bestehen - auch hier übrigens nicht knallhart, sondern eher nebelhaft, wie buddhistische Weise in höheren Regionen wesen.

Klarer gesagt: Bobby neigt zur buddhistischen Mystik (nein, ich kann das nicht näher begründen!) und gleichzeitig hat er Carnapschen Biss, gemischt mit Popper. Ich glaube also, er weiß selbst nicht ganz so genau, wo und für was er steht.

Bei mir ist es nicht viel anders: Ich stehe für Popper und den Irrationalismus. Das geht natürlich nicht! "Doch", möchte ich mit einer populären Fernsehreklame sagen! Ich glaube Poppers Rationalismus nicht und vermute in Carnaps logischen Positivismus ist neben Heidegger eine ganze Menge Wittgenstein verborgen.

Ich kritisiere also Boggy nicht, aber wenn er nicht aufpasst, wird er so kleinkariert wie Renate_S.! Ja, auch Renate_S. ist mir meilenweit an Gründlichkeit überlegen, und dennoch ich mag dieses in Balken und Zargen eingezwängte Denken nicht! Es ist unproduktiv! Stefan liegt mir natürlich mehr!:-)

Ein Beispiel am Rande (und ein Dank an Karo für ihr YouTube-Video, das mich zu Tränen gerührt hat, und ich erzähle eigentlich nur nach, was sie so schön erzählt hat): Auf einem Marktplatz vor einer Kirche steht ein großer, hagerer, blinder Mann in einem Frack. Mit der einen Hand hat er den Hals eines Kontrabasses umfasst. Die Passanten gehen misstrauisch um ihm herum. Jemand bläst große Seifenblasen in die Luft. Es ist wohl Sommer. Ein kleines Mädchen mit roter Strickjacke gibt der Mutter ihre Einkaufstasche und geht auf den Mann zu. Sie zieht aus der Tasche ihrer Jacke eine Blockflöte, und obwohl der Mann ein Loch in die Luft zu starren scheint, schaut sie ihn an und beginnt ein Lied zu spielen: "Freude, schöner Götterfunken".

Sie wiederholt die erste Zeile und verharrt. Der Kontrabassist scheint zunächst ungerührt, aber plötzlich beginnt er die Melodie auf seinem tiefen Bass nachzuspielen, und dann wiederum antwortet das Mädchen mit: "Deine Zauber binden wieder...".

Unbemerkt hat sich eine Cellistin zu den beiden gesellt, und sie spielen nun eine Überleitung. Geiger in legèrer Kleidung sind hinzugetreten, als ob sie zufällig da wären. Jetzt bleiben einige Passanten stehen und bilden einen großen Kreis. Ein Fagott, Hörnern, Oboe und Klarinette kommen hinzu, ein hemdsärmeliger Mann mittleren Alters wirft eine Münze in den geöffneten Instrumentenkoffer des Kontrabasses, dann reißt er die Hände hoch, und es zeigt sich, dass viele der Passanten Chormitglieder sind, und alle singen: "Freude, schöner Götterfunken".

Man könnte meinen: "Phantastisch gemacht!" Ich aber denke, es ist nicht gemacht, sondern Wirklichkeit. Wir müssen dahinkommen, dass wir das, was wir sehen, für die Wirklichkeit halten. Das muss wohl in etwa die Auffassung von Friedrich Schlegel gewesen sein. Er nannte es "Universalpoesie".

Ich kann mir vorstellen, was Boggy denkt: "W.W. denkt anders, aber vorbildhaft ist es nicht!:-( "

W.W.


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