Auf dem Weg zu einer neuen Streit"kultur"? (Allgemeines)

W.W. @, Samstag, 02.11.2019, 09:35 (vor 20 Tagen) @ Boggy

Es ist ein Ton in unsere Diskussionen geraten, der uns nicht gut tut, und wie immer hat ein solches Geschehen zwei Seiten: Einerseits bemüht man sich, sich so korrekt wie möglich auszudrücken (und sogar fragwürdige "wirs" oder missverständliche "mans" und "Ärzte", die auch "Ärztinnen" sein können zu vermeiden, andererseits scheint man über seine eigene Korrektheit zu stolpern und sich im Kleinklein zu verlieren.

Bei der SPD ist Ähnliches zu beobachten: Wenn man im Großen nichts bewirken kann, dann versucht man wenigstens, es korrekt zu tun. Aber das Ergebnis ist eine Lähmung!:-(

Ich bin sicher selbst nicht besonders gut geeignet, ein klärendes Wort zu sprechen, weil ich (wie ich errötend bemerkt habe) selbst zu einer Ausdrucksweise neige, die "Fünfe gerade" sein lässt. Ich überlege mir nicht jedes Wort, und - schlimmer noch - kalkuliere manchmal damit, dass man mich missversteht, oder übertreibe, um einen Inhalt möglichst drastisch auf den Punkt zu bringen.

Es ist also - genau genommen, Sprachschluderei, die ich betreibe, indem ich nicht ganz genau zitiere, Texte nicht sorgfältig genug lese, ja nach Laune, Spitzen anbringe, Argumente "para" lese... Ich will das nicht verteidigen, dennoch erscheint es mir für eine lebendige Sprache und eine lebendige Auseinandersetzung wichtig, dass wir nicht päpstlicher sind als der Papst.

Man merkt das an Stefans buntem Sprachstil: Er ist nicht korrekt, aber anregend. Um ein Beispiel zu bringen, weil ich gern mit Beispielen spreche: Wenn man sagt, eine Ursache ist nicht eine "Ursache", sondern nur ein "Risikofaktor", dann mag das richtig sein, aber es wirft Sand in unsere Diskussion, Man wagt dann gar nicht mehr, etwas zu denken, weil man das Gefühl hat: Ich kann nicht mitreden, weil ich nicht einmal den Unterschied von "Ursache" und "Risikofaktor" kenne.:-(

Oder: Es gibt nichts 100%ig Verlässliches über EBV und dennoch scheint mir dieses Virus für die MS eine besondere Bedeutung zu haben. Nicht, weil es unbedingt im naturwissenschaftlichen Sinn eine "Ursache" ist, aber weil es ein "Anzeiger" sein könnte: Der Nachweis einer stattgehabten EBV-Infektion könnte ein Hinweis darauf sein, dass unser Immunsystem anfällig ist. Dass wäre die "eigentliche Ursache" eher die Schwächung des Immunsystems als das EBV.

Ich habe sehr häufig das Gefühl, wie wissen nur unsicher tastend Bescheid, aber tragen wohltönend klingende und eherne Definitionen vor uns her, ohne zu bedenken, dass Definition menschen- und Wikipediagemacht sind.

W.W.

PS: Wirken nicht die Heute-Show und Harmbengen dadurch, dass sie die Wahrheit auf die Spitze treiben, indem sie sie nicht ganz so genau nehmen? Der großartige Vorteil eines Forums wie diesem liegt darin, dass wir diskutieren können, dass ein Wort das andere gibt, und man so die Wahrheit umkreist.

Mit Harmbengen könnte man mehr über die verfahrene MS-Situation sagen als mit einem ganzen Kübel noch so ausgeklügelter Kritik.


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