Amygdala-Hijack (Straßencafé)

IceUrmel, Freitag, 04.10.2019, 11:55 (vor 12 Tagen) @ Boggy

Ein sehr anschaulicher Artikel, Boggy, vielen Dank!

Aus dem Text:

„Politiker und Kommentatoren sprechen heute eine Sprache der Gewalt, die vor einigen Jahren undenkbar war.

Müssen die Wähler jetzt aus diesem Albtraum erwachen, diejenigen, die unsere Krisen verursacht haben, entlassen und die friedliche, vernünftige Politik wiederherstellen, von der unsere Sicherheit abhängt?

Leider ist die Lösung möglicherweise nicht so einfach.

Mehrere faszinierende Bereiche der Neurowissenschaften und der Psychologie legen nahe, dass Bedrohung und Stress im öffentlichen Leben wahrscheinlich von selbst fortbestehen. Je bedrohter wir uns fühlen, desto mehr werden unsere Gedanken von unwillkürlichen Reflexen und gedankenlosen Reaktionen überwältigt.

Der seltsamste dieser Effekte wird von den Neurowissenschaftlern Stephen Porges und Gregory Lewis beschrieben. Sie zeigen, dass wir, wenn wir uns bedroht fühlen, keine ruhigen, gesprächigen Stimmen hören können.

Wenn wir uns sicher fühlen, ziehen sich die Muskeln im Mittelohr zusammen, was sich wie eine Straffung der Haut einer Trommel auswirkt. Dadurch werden tiefe Hintergrundgeräusche ausgeblendet, und wir können die Frequenzen einstellen, die in der normalen menschlichen Sprache verwendet werden.

Aber wenn wir uns bedroht fühlen, sind es die tiefen Hintergrundgeräusche, die wir hören müssen.

In der evolutionären Zeit waren es diese Geräusche (Brüllen/Gebrüll, Hufgeräusche, Donner etc.), die die Gefahr vorhersagten. So entspannen sich die Muskeln des Mittelohrs und schließen Gesprächsfrequenzen aus.

Wenn Menschen uns im politischen Kontext anschreien, werden moderierende Stimmen physisch ausgeschaltet. Jeder muss schreien, um gehört zu werden und den Stress und die Bedrohung zu erhöhen.

Wenn wir uns besonders bedroht oder wütend fühlen, setzt eine Kampf-oder-Flucht-Reaktion ein, die unsere Fähigkeit zur Vernunft überfordert - ein Phänomen, das manche Psychologen als Amygdala-Hijack bezeichnen.

Die Amygdala befindet sich an der Basis des Gehirns und leitet starke emotionale Signale weiter, die den präfrontalen Kortex außer Kraft setzen und uns daran hindern, rationale Entscheidungen zu treffen.

Sicherheit ist das, was Psychologen einen klassischen „Defizitwert“ nennen: Einer, dessen Bedeutung für uns eskaliert, wenn wir das Gefühl haben, dass er mangelhaft ist, und der andere Werte ausschließt.

Dies ermöglicht es den Menschen, die uns unsicher gemacht haben, sich als „starke Männer“ zu präsentieren, an die wir uns wenden können, um vor dem Chaos, das sie verursacht haben, Zuflucht zu suchen.“

Also, lassen wir uns von den Demagogen nicht die Amygdala entführen ;-)

Liebe Grüße


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum