Das Elend mit dem Achtsamkeits-Hype, aber nicht nur … Teil III (Allgemeines)

Boggy, Sonntag, 15.09.2019, 13:27 (vor 583 Tagen) @ Boggy

Methodische Fragen der Achtsamkeits-Meditationsforschung
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Unzureichende Konstruktvalidität bei der Messung der Achtsamkeit
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Problematische Aspekte von Fragebögen zur Selbstauskunft
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Herausforderungen für die Methodik der klinischen Intervention
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Fehleinschätzungen der therapeutischen Wirksamkeit
Trotz der vorhergehenden Liste von Bedenken gibt es im öffentlichen und staatlichen Bereich ein häufiges Missverständnis, dass es überzeugende klinische Beweise für die breite und starke Wirksamkeit von Achtsamkeit als therapeutische Intervention gebe(z.B. Coyne, 2016; Freeman & Freeman, 2015).
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Schädigung, Nebenwirkungen und Auswirkungen von Meditationspraktiken
Laut den Direktoren des National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) am NIH sind die größten Schädigungspotenziale komplementärer Behandlungen (z.B. Meditation) "ungerechtfertigte Behauptungen über den Nutzeffekt, mögliche Nebenwirkungen.... und die Möglichkeit, dass gefährdete Patienten mit schweren Krankheiten irregeführt werden können".
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Der Nutzen und die Sicherheit der Meditation werden wahrscheinlich über die verfügbaren Beweise hinaus in einer Weise übertrieben, die "die Möglichkeit erhöht, dass gefährdete Patienten mit schweren Krankheiten irregeführt werden" (Briggs & Killen, 2013).
Angesichts solcher übertriebenen Behauptungen können Patienten von anderen, traditionelleren Aktivitäten (z.B. regelmäßigem Aerobic) abgelenkt werden, die typischerweise körperliche und geistige Vorteile bringen (Cotman, Berchtold, & Christie, 2007; Penedo & Dahn, 2005) oder Standardbehandlungen (z.B. Psychotherapie, Pharmakotherapie), die besser für den Umgang mit bestimmten psychiatrischen Erkrankungen geeignet sind.".
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Herausforderungen für die Erforschung von Achtsamkeit durch kontemplative Neurowissenschaften
Im Rahmen des aufkeimenden Trends in der Achtsamkeits- und Meditationsforschung im Allgemeinen (Abb. 1) haben die Forscher zunehmend Methoden der kognitiven Neurowissenschaften, insbesondere der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT), eingesetzt.
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Einschränkungen in der Darstellung der Gehirnaktivität durch Neuroimaging
Darstellende Bilder aus der fMRT und anderen Neurobildgebungsverfahren vermitteln nicht eindeutig die komplexe - oft problembelastete - Kette biologischer und rechnerischer Schritte, die zu Rückschlüssen auf Veränderungen der Gehirnstruktur und -funktion führen.
Sie vernachlässigen auch die Tatsache, dass solche Schlussfolgerungen häufig aus Durchschnittswerten abgeleitet werden, die für Gruppen von Teilnehmern ermittelt wurden. Auf diese Weise, wenn sie also auch von zahlreichen anderen schwierigen experimentellen, statistischen und inferentiellen Herausforderungen in der psychologischen Forschung begleitet wird, hat die 'kontemplative Neurowissenschaft' oft zu allzu vereinfachten Interpretationen von nuancierten neurokognitiven und affektiven Phänomenen geführt.
(...)

Abschluß:
Viel Arbeit sollte darauf gerichtet sein, die Strenge der verwendeten Methoden zu verbessern, ebenso wie die Genauigkeit der Berichterstattung in den Nachrichtenmedien und die Beseitigung von Missverständnissen in der Öffentlichkeit, die durch einen früheren, übermäßigen "Achtsamkeits-Hype" verursacht wurden. Diese Bemühungen müssen an mehreren verwandten Fronten stattfinden.
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Viertens, da sie durch technologische Fortschritte in der Neurobildgebung weiter entstehen, müssen neue Erkenntnisse aus der 'kontemplativen Neurowissenschaft' über die mentalen Prozesse und Gehirnmechanismen von Achtsamkeitspraktiken mit aller Bescheidenheit berichtet werden.
Ihre Einführung in Protokolle für die zukünftige klinische Praxis muss auf eine ordnungsgemäße Überprüfung der möglichen praktischen Bedeutung warten. Dieser Überprüfungsprozess wird sich gewissenhaft mit den vielen der oben genannten Herausforderungen befassen müssen, die von der kontemplativen neurowissenschaftlichen Gemeinschaft noch zu bewältigen sind.“
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Das wars.
Ich habe mich bemüht, einen kleinen Einblick in diesen sehr umfangreichen Artikel zu ermöglichen.
Interessierte Foristen und Foristinnen müßten den Rest nach persönlichen Möglichkeiten nun selbst übernehmen.
Gruß
Boggy
flowers

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Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

Tags:
Achtsamkeit, Achtsamkeits-Hype, Meditation


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