Über die Sprache (die manchmal nervt) (Straßencafé)

W.W. @, Dienstag, 14.05.2019, 09:07 (vor 7 Tagen)

Mein Auto macht Probleme: Die Bremse schleift z.B. Ich war beim alten Kfz-Mechaniker und konnte ihm alles so schildern, wie es war und was jetzt ist, und er hat mich sofort verstanden. Obwohl ich mich nicht besonders toll ausgedrückt hatte.

Dann kam eben der Gärtner, der unsere Terrasse in Ordnung bringen soll, weil in den Ritzen alles Mögliche wächst. Er braucht einen Elektroanschluss, einen Wasserschlauch usw. Man konnte sich ganz normal mit ihm unterhalten: ohne jede Zisilierung und ohne witzig sein zu wollen.

Man kann also ganz normal miteinander sprechen, aber tut man es immer? Man springt eher von Sprachebene zu Sprachebene. Wenn man einen Essay schreibt, spricht man ganz anders. Man spreizt den kleinen Finger ab, versucht geistreich und manchmal sogar ironisch zu sein.

Wenn ich jemanden treffe, ist es wieder ein anderer Sprachstil, je nachdem, wen ich treffe. Und hier im Forum? Auch hier könnte es ein ganz besonderer Stil sein, den man sich schuldig zu sein glaubt, so als würde man eine besonders tiefe Verbeugung machen oder mit blinzelnden Augen etwas andeuten wollen.

Man sagt, die Japaner hätte mindestens 20 verschiedene Arten, wie sie mit jemandem sprechen. Haben wir das nicht vielleicht auch? Wenn wir umständlich bei Adam und Eva anfangen, absichtlich derbe Ausdrücke einflechten, im feinsten britischen Understatement zitieren bzw. Wörter in gedachte Anführungszeichen setzen.

Klopfen wir beim Sprechen das Gegenüber nicht ab wie ein Fass Wein, um zu schauen, wie gefüllt es ist? Kann man nicht allein dadurch schon nerven, dass man versucht wie ein englischer Gentleman oder die Queen zu sprechen? Oder sich einen abbricht, wenn man meint, etwas besonders Geistreiches zu sagen?

Muss ich mehr auf meine Sprache achten? Muss man sie genauso pflegen, wie man seine Rüstung pflegen sollte. Es ist nicht nur der Tonfall, dass man quäkt oder säuselt, sondern es ist auch die Wortwahl, die dem Gegenüber immer wieder vor Augen (Ohren) führt, mit wem man es zu tun hat: Bedächtigkeit, guter Humor, Blitzgescheitheit...

Man kann eine ganze Stunde lang mit einem anderen Rentner auf einer Bank im Schein der Abendsonne sitzen, schweigen und zum Abschied sagen: "Tja, dann wollen mir mal wieder!"

Ganz, ganz früher gab es einen, der hieß Eduard Marks und erzählte im Radio Märchen - oder las er sie vor? Manche fanden sein Stimme toll, andere langweilig. Ähnlich ging es vielen Leuten mit Will Quadflieg, der für manche Ohren unerträglich "knödelte". Ich bin übrigens nach wie vor Gerd Westphal-Fan.

Gibt es hier "Sprachvirtuosen". die manchmal nerven? Manchmal habe ich den Verdacht, jemand wolle ironisch schreiben, aber ich verstehe Ironie schlecht und weiß gar nicht, ob das möglicherweise Ironische wirklich ironisch ist. Dann gibt es die, die sich immer wiederholen, aber vielleicht sind sie ja überzeugt, dass das, was hundertmal gesagt wird, besser zu verstehen ist. Und die Pädagogen, die nicht einfach sprechen, sondern dozieren müssen. Und die Witzigen, wo man förmlich hört, wie sie über sich selbst lachen.

Und nicht zu vergessen die, die über sich selbst basserstaunt sind, wenn sie in sich hineinhören. Als sprächen sie im Unterbewussten eine Sprache, die die Sprachgrenze überwindet und uns mit Raunen und Brausen vom Jenseitigen kündet.

Jetzt habe ich aber genug Steine geworfen!;-)

W.W.


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