Noch einmal über den griechischen Hotelier und die 100€ (Allgemeines)

W.W. @, Samstag, 06.04.2019, 09:46 (vor 102 Tagen)

Ich habe mir das alles noch einmal durchgelesen und bin teils klüger geworden, teils noch mehr verwirrt.

Erst einmal das, was mich klüger gemacht macht, das, was Zoe und tournesol geschrieben haben. Ich war gestern in m Café in der Markthalle und mein Freund sagte mir, das, was tournesol und Zoe ja auch schon gesagt haben, aber er sagte es noch drastischer:

Wenn das mit dem Touristen eine unnötige Ausschmückung der Geschichte wäre (so wie man ein winziges Fläschchen Parfüm in einem Riesengeschenkkarton verpackt) und man auf ihn ohne Weiteres verzichten könnte. Dann würde der Hatelier in seiner Brieftasche nachschauen, sehen, dass er darin 100€ hat und weil es nichts Besseres zu tun hat, trägt er diese zum Bäcker, um seine Schulden zu bezahlen, Dieser nimmt die 100€, geht zum Fleischer usw. usw. Zum Schluss bringt die Prostituierte 100€ zum Hotelier - und alles ist wieder wie zuvor.

Ein kleiner Exkurs zu Marc: Was Zoe, tournesol und mein Freund gesagt haben, ist plausibel, also eine echte Erklärung. Ihre Erklärung mit dem "blockchain" ist es meiner Ansicht nach nicht, aber das heißt nicht, dass Ihre Erklärung falsch ist. Sie ist nur nicht besonders verständlich. Aber Erklärungen, die man einem Kind gibt, sollten doch verständlich sein! Man sollte ihm nicht sagen: "Das ist noch zu kompliziert für dich!"

Und dennoch: Die Erklärung, die ich hier vorgeschlagen habe und hoch lobe, täuscht über die Schwierigkeit des Problems hinweg. Ich dachte eben darüber nach, wie es sich denn eigentlich in der EU verhält. Hat da nicht auch jeder Staat bei einem anderen Schulden? Und kommt es gar nicht darauf an, wieviel Gold man zu bekommen hat, wenn Zahltag ist, denn der Zahltag wird ja nie sein, und es wird auch niemand die Papierschulden in Gold bezahlen.

Es läuft also etwas ab, das, wenn man nur zwei oder drei Partner hat, übersichtlich und logisch ist, aber bei vielen Partnern wird die Sache unübersichtlich und unlogisch, so wie man ein Geflecht von Schein- und Briefkastenfirmen auf den Virgin Islands für unübersichtlich hält, und dennoch erfüllen diese Firmen ihren Zweck, indem sie z.B. Einkünfte aus dunklen Quellen verschleiern oder die Steuerschuld undurchsichtig machen.

Es handelt sich also um ein hochgradig komplexes und logisches Gebilde, das trotzdem unübersichtlich wird, und gerade das ist ja der Sinn des Ganzen. Das heißt, Unlogik und Unübersichtlichkeit gehen ineinander über, als seien sie im Grunde genommen dasselbe.

Wir täuschen uns, indem wir das Logische für logisch halten. Ein Bankgeschäft ist eben kein Bankgeschäft, sondern von einem gewissen Komplexitätsgrad an etwas, was niemand mehr durchschaut - oder nur noch die Gauner, die es errichtet haben. Aber auch diese könnten sich in ihren eigenen Irrwegen, die sie gelegt haben, um andere zu täuschen, verlaufen.

Geld ist nicht gleich Geld ist nicht gleich Geld... Und Schulden sind nicht gleich Schulden, sind nicht gleich Schulden... Und 100€ sind nicht gleich 100€, sind nicht gleich 100€...

Aber ich fürchte, auch meine "Erklärungen" haben das Problem nicht einfacher gemacht.:-(

W.W.

PS: Das Logische ist nicht von dieser Welt. Es stammt aus der Mathematik oder Geometrie und hat mit unserem Alltag nichts zu tun!


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