Follow up von der "Beck-Studie" zur SNE (Therapien)

W.W. @, Donnerstag, 07.02.2019, 09:45 (vor 195 Tagen) @ naseweis

Lieber Uli,

ich danke dir sehr für den Hinweis.:-) Manchmal habe ich das Gefühl der Hilflosigkeit, aber dein Hinweis auf Lagrèze tröstet mich ein wenig.

Zu der Problematik habe ich folgendes geschrieben:

Noch einmal: Mit dem Augenlicht ist nicht zu spaßen!
Zum letzten Mal die Opticusneuritis, weil sie mir keine Ruhe lässt.

Sie wachen morgens auf und haben einen dumpfen Schmerz hinter dem rechten Auge. Vor dem Spiegel merken Sie, dass Sie auf dem betroffenen Auge nicht so richtig sehen können.

Ich weiß, dass allen MS-Betroffenen diese Frage auf den Fingernägeln brennt: ‚Riskiere ich nicht mein Augenlicht bei einer Sehnerventzündung? Sollte ich in diesem Fall nicht besonders vorsichtig sein und haben nicht alle die, die Cortison empfehlen, vielleicht doch Recht?’ Es ist ein schwieriges Unterfangen, sich gegen die herrschende Meinung zu stellen. Nachdenklich könnte auch dieses Argument machen: ‚Könnte es nicht sein, dass mein Sehnerv im Canalis opticus durch eine MS-bedingte Schwellung abgeklemmt wird?’

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Gibt es das Engpass-Syndrom überhaupt?
Patienten, aber auch Ärzte, gehen oft davon aus, dass es für das Nervensystem zwei ‚Engpässe’ gibt: dort, wo der Sehnerv durch den knöchernen Sehnervkanal verläuft, und an der Stelle, wo das Halsmark sowieso schon etwas aufgetrieben und zusätzlich in den Wirbelkanal eingezwängt ist. Wenn dann eine zusätzliche Schwellung durch einen MS-Herd auftritt, dann könnte es zu eng werden.

So einleuchtend das klingen mag, es ist überall genug Platz - selbst wenn das Gewebe heftig anschwillt. Dennoch kann der Gedanke aus den Köpfen der Menschen schwer verscheucht werden, dass man sich ‚vorsichtshalber’ Cortison spritzen lassen sollte, um Schwellungen abzumildern. Das betrifft übrigens auch das benachbarte Gewebe. Man denkt verständlicherweise, wenn eine Hirnregion anschwillt, dann kann es auch in dem Bezirk um die Schwellung herum an sich gesundes Nervengewebe schädigen. Auch wenn das logisch zu sein scheint, stimmt es nicht, denn noch nie hat eine Studie zeigen können, dass die Cortisonbehandlung in irgendeiner Weise etwas daran geändert hat, was nach einem Schub letztendlich zurückbleibt.
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2007 wurde die Übersichtsarbeit ‚Steroide bei Sehnerverkrankungen?’ in DER OPTHALMOLOGE publiziert. Der Autor W.A. Lagréze ist der Direktor der Augenklinik der Universität Freiburg. Er kommt zu dem Schluss: ‚Bei Neuritis nervi optici ist der Nutzen hochdosierter Steroide aufgrund neuerer Ergebnisse zunehmend fraglich, da Steroide den axonalen Schaden möglicherweise sogar verstärken.’ Dabei meint er Corticosteroide und bezieht sich vermutlich auf die bereits erwähnte Arbeit von Ricarda Diem.

Um ganz sicher zu gehen, habe ich mich an ihn gewandt und ihn gefragt, wie er zur Behandlung der Sehnervenentzündung bei MS steht. Er antwortete: ‚Ich denke, dass Sie meinen Standpunkt richtig wiedergegeben haben, und wir uns recht einig sind. Ursache des Dissenz beider Fachgruppen (der Augenärzte und der Neurologen) ist sicher nicht der Einfluss der Cortisonhersteller. Damit lässt sich kaum Geld verdienen. Ich denke, dass es eher historisch unterschiedlich gewachsene Behandlungsmuster sind.’

Wolfgang


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