Wovon lebt ein Forum? Oder: Warum ist es so schwer, klipp und klar zu sagen, was man denkt? (Allgemeines)

W.W. @, Mittwoch, 02.01.2019, 17:41 (vor 169 Tagen)

Ich referiere etwas aus einem Nachbar-MS-Forum, den AMSELn. Hier bittet jemand um Hilfe und will wissen, ob er eine MS hat. Sein Text lautet so:

bei mir hat es angefangen nach einer stressigen Phase mit Kribbel, Nadelstiche an unterschliedlichsten Stellen (sehr wechselhaft) und Sehstörungen mit extremen Schmerzen hinterm Auge (schleiersehen, verschwommen usw.) und dauernden Missempfindungen.
Ich war nun beim 4. Neurologen und die wissen nicht weiter.
Ich habe MRT vom Kopf, EEG, VEP gemacht. Mrt war ganz normal, keine Auffälligkeiten, EEG war ich sehr unruhig heißt es. VEP war normal, obwohl ich jetzt mit meinem linken Auge schlechter sehe (weniger Kontrast, verschwommen, usw.). Ich war felsenfest überzeugt, dass ich eine SNE habe, den Test haben sie aber erst dann gemacht, als fast die ganzen Symptome verschwanden.
Meine Symptome sind jetzt: leichte Gleichgewichtsstörungen, Druck in beiden Ohren (mal leicht bis mittelstark), dauerndes Gekribbel und Missempfindungen, leichtes unmessbares Kopfzittern. Nackenschmerzen und Schmerzen im HWS Bereich.
Ich bin in meinen jungen 20ern.
Was soll ich nun tun? In eine Klinik einweisen lassen und alle möglichen Tests über mich ergehen lassen?
Ich habe kein Mrt von der Wirbelsäule, ob davon eventuell meine Symptome kommen?
Mein Hausarzt hat mich schon längst in die Psychoecke gestellt und kann mir sowieso nicht weiterhelfen.

(Der Original-Link lautet: https://www.amsel.de/multiple-sklerose-forum/index.php?kategorie=forum&kategorie2=forum&tnr=1&mnr=206807&beitragnr=206807&aktpo...

Ich persönlich würde sagen, dass der, der das schreibt ganz sicher keine MS hat, aber wenn ich anfangen würde, das zu begründen, dann würde ein Wort das andere geben und zum Schluss würde ist vermutlich als jemand dastehen, der so tut, als wisse er genau Bescheid, während er in Wirklichkeit nur vermute.

Das Problem, auf das ich hinweisen möchte, ist ein statistisches: Nehmen wir an, ich hätte in 99 von 100 Fällen recht, dann wäre das eine beachtlich hohe Erfolgsquote, aber würde man mir nicht genau den einen Fall nachtragen, in dem wo ich mich geirrt hätte?

Allerdings bezweifele ich ganz generell, dass man 100ig recht haben kann. In aller Regel bewegt sich eine richtige Diagnose auch bei einem guten Diagnostiker um 95%.

Überspitzt gesagt wird man sich also immer irren. Sollten wir deshalb aufhören, unsere Meinung zu sagen? Oder sollten wir sie so durch "eventuells", "könntes" und andere Einschränkungen und Konjunktive so sehr einschränken, bis nur noch ein relativ bedeutungsloses Gerede übrigbleibt?

W.W.


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