2019 - Bedenkt! (Straßencafé)

Boggy, Dienstag, 01.01.2019, 15:42 (vor 78 Tagen) @ agno

https://www.heise.de/tp/features/Brief-an-einen-jungen-Philosophen-4250192.html?seite=all

(in neuem tab öffnen)

Lieber agno,
zunächst möchte ich Dir zu Deiner Kühnheit gratulieren, so einen langen, auf den ersten Blick klugen und außerordentlich anregenden Text, der sich nicht primär mit MS beschäftigt ;-)
aber mit dem Ganzen drumherum,
hier im Forum zu verlinken.
Ich habe ihn zur intensiveren Lektüre abgespeichert, denn mein MS-gschädigtes Gehirn mit seinen kognitiven Störungen und geistigen-Fatigue-Konzentrations-Problemen ist mit dieser Fülle an Denkoperationen, die es beim Lesen ausführen muß, schnell überfordert (da kommt nun wieder die MS ins Spiel ;-) ).
Es ist ein gutes Projekt fürs Neue Jahr.

Ich erlaube mir, ein Zitat als Appetitanreger unten anzuhängen.

Und kann es mir nicht verkneifen, einen Aspekt hinzuzufügen, der auf den ersten (meinen) Blick im Artikel zu kurz kommt;
er stammt vom guten Karl Marx, seine 11. These über Feuerbach:

"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern."

Frohes Neues Jahr!

Boggy
:baum: :wink: :baum:


"Es ist klar, dass die Wissenschaftssprache nur einen Teil dessen sagen kann und will, was die natürliche Sprache sagen kann. Was wir wollen, was wir sollen, was wir befürchten, was wir hoffen, was sein könnte, was wir als schön empfinden - darüber wird in der Wissenschaft nicht gesprochen. Die Wissenschaft sagt nur, was der Fall ist, und ihr Kriterium ist das der Wahrheit. Was sie aber sagt, sagt sie im besten Fall sehr präzise.

Die Philosophie kann auch über Gebiete reden, die nicht von den Wissenschaften besetzt sind. Wo sie aber über das, was der Fall ist, redet und den Anspruch auf Wahrheit ihrer Sätze erhebt, steht sie mit den Wissenschaften in Wettbewerb. Sie muss sich dann an diesen messen lassen.
(...)
Gute Philosophen vermeiden Metaphern, wo immer sie können. Sind doch schon die Begriffe unscharf genug. Da wird es auch nicht besser, wenn man sie durch Vergleiche, die immer hinken müssen (entschuldige die missglückte Metapher, aber ich bin schließlich kein Philosoph), versucht, sie zu veranschaulichen. Du kannst in Gleichnissen reden, wenn Du vorhast, eine Religion zu gründen oder ein philosophisches Trugsystem aufzurichten. Damit kannst Du dann vielleicht eine Herde von Exegeten in Lohn und Brot setzen. Wenn Du aber klar reden willst, dann meide Metaphern.
(...)
Ich habe Dir nun versucht zu zeigen, wie uns die Sprache durch mehrdeutige Begriffe und Metaphern, durch leichtfertige Vertauschung der Wortarten und durch ungenügende Unterscheidung der Satzarten dazu verleiten kann, Unsinn zu reden."

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.


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