Über die "cloud" (Allgemeines)

W.W. @, Samstag, 01.12.2018, 09:57 (vor 9 Tagen) @ Bennie

Wo Sie die Schreibkultur mit zu wenig Satzzeichen und Abschnitten kritisiert haben, also das Outfit eines Textes, womit Sie zweifellos Recht haben, habe ich über das "Innere" der Texte und vor allem meiner Texte nachgedacht, und es ist mir siedend heiß aufgefallen, wie ich beharrlich um mich selbst kreise. Stefan hat mich darauf aufmerksam gemacht! Z.B. war es falsch, noch einmal zu versuchen, sich mit dem "Einmaleins der MS" von der herrschenden MS-Meinung abzusetzen!:-(

Es ist nicht direkt schlecht oder falsch, was ich inhaltlich geschrieben habe, aber es hat einen langen Bart und ist abgestanden. Noch schlimmer ist, dass ich mich - ohne es zu merken - in einer "Wolke" befindet, was man heutzutage auch wohl "cloud" nennt.

Ich möchte das an einem Beispiel zeigen: Vermutlich ist es ja so gewesen, dass sich vor einigen Jahrzehnten Ärzte, die sich besonders viel mit der MS beschäftigten, zusammengetan haben, um eine Gesellschaft zu gründen, in der es vor allem um die Erkundung der MS gehen sollte.

Sie haben alles gelesen, was auf dem internationalen Parkett über die MS veröffentlicht wurde, es kritisch geprüft, gleichzeitig Tierexperimente gemacht und Studien durchgeführt. Aus ihrer Sicht war es naheliegend, wenn nicht geradezu selbstverständlich, dass sie sich um eine Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie bemühten, einerseits um auf der Forschungsebene zu kooperieren, andererseits um das Wissen über die MS in Fortbildungsveranstaltungen an den Mann bzw. die Frau zu bringen.

Daraus wurde eine richtige MS-Industrie, aber nicht, um viel Geld zu verdienen, sondern um auf eine geordnete Weise Licht in das Dunkel um diese geheimnisvolle Krankheit zu bringen. Aber eine Hand wäscht die andere und selbst bei den lautersten Absichten, kann es um Korruption und Geschäftsinteressen gehen.

Jetzt aber zu dem, was ich als einen bösen oder misstrauischen Blick bezeichnen könnte. In der eigenen "cloud", die auf Krawall gebürstet ist und den verhängnisvollen Einfluss der Pharmaindustrie im Vordergrund sieht, wird an erster Stelle bemängelt, dass es sich ja gar nicht um eine Gesellschaft handelt, in der Betroffene sich für Betroffene einsetzen.

Das tut sie auch, aber gewissermaßen nur am Rande, in dem sie Selbsthilfegruppen, Sozialberatung, Aufklärung usw. organisiert. Es ist auch gar keine Frage, dass diese Funktionen sehr hilfreich sind, aber der missmutige Blick will überall das Hässliche sehen: die Ärzte, die alle Chefärzte sind, sich zu wenig um ihre Patienten kümmern und für ihre Vorträge gut von der Pharmaindustrie bezahlt werden.

Und so wird man - wenn man sich in der "cloud" befindet, immer neue Kritikpunkte finden und tonnenweise Hohn und Häme äußern: Die Erstellung der "Leitlinien", wobei möglicherweise die Pharmahersteller eifrig mitgearbeitet haben, die etwas einseitige Auswertung der Studien, wobei am liebsten die veröffentlicht werden, die der eigenen Meinung entsprechen, währen die anderen im Papierkorb landen, der fehlende Nachweise des Nutzens der Basistherapie, obwohl sie mehr als 30 Jahre auf dem Markt sind, die Rate an gefährlichen Nebenwirkungen...

Man könnte also geradezu fassweise Essig über diese Aktivitäten der MS-Gesellschaften und ihre Ärzte schütten, muss sich dabei aber bewusst sein, dass man sich in einer "cloud" befindet und vielleicht sehr einseitig urteilt.

Könnte die DMSG besser sein, als man denkt? Ist nicht die Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie sinnvoll? Und wird man nicht nur dann gute Ärzte und Ärztinnen finden, wenn es sich diese finanziell lohnt? Wer möchte schon einen Kräuterarzt aus der Lüneburger Heide um Rat bitten?

W.W.


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