Zwischenzusammenfassung (Allgemeines)

W.W. @, Freitag, 30.11.2018, 17:42 (vor 11 Tagen) @ W.W.

Wir sind bei Punkt 6 angelangt, und ich hoffe, dass es für klarer geworden ist, was ich mit der Überlastungstheorie oder Kloakentheorie meine. Es ist mir übrigens egal, ob ich Theorie oder Hypothese sage, weil es hierauf wirklich nicht ankommt.

Wir haben bisher die folgenden Annahmen abgearbeitet:
- Dass die MS eine chronische Krankheit ist, die immer in einem drinstecken bleiben wird, egal, was man tut, aber dass es durchaus denkbar ist, dass sie sich das ganze Leben lang nicht bemerkbar macht.
- Dass die PPMS kein eigenständiger MS-Typ ist, sondern möglicherweise eine MS, die mit spinalen Herden angefangen hat.
- Dass es sehr schwer ist zu sagen, wann die MS angefangen hat, weil sie Jahre lang "stumm" verlaufen kann, also schon viele Jahre bestehen kann, wenn man mit 20 einen richtigen Schub erleidet, und auch schon viele Jahre bestehen kann, wenn man mit 60 seinen anscheinend ersten Schub bekommt.
- Dass Frauen auch deswegen häufiger von der MS betroffen sein können, weil ihr Leben anstrengender und belastender als das der Männer ist. (Eine Annahme, die auf vehementen Widerspruch gestoßen ist!)
- Dass es typische MS-Symptome und typische MS-Herde im MRT gibt, und dass die MS-Diagnose gar nicht so schwer ist, wie viele Neurologen tun.
- Und dass die MS-Symptome oft gut durch die im MRT nachweisbaren MS-Herde erklärbar sind, und ich bin auf 2 Hypothesen eingegangen, die das Entstehen von MS-Herden begründen könnten.

Aber ich bin mit den folgenden Punkten nicht mehr ganz einverstanden und formuliere sie neu:

7. Man braucht eine Liquorpunktion, um bei der MS-Diagnose ganz sicher zu gehen.

8. Die Herde sind - sagen die Pathologen - oft mit bloßem Auge sichtbar, und man sieht sie ja auch gut auf den Kernspinbildern, wo sie geradezu ins Auge springen. Umstritten ist, ob sie zufällig verteilt sind. Das steht in den meisten Lehrbüchern, aber es gibt auch Neurologen, die meinen, sie hätten "Vorzugslokalisationen", seien also bevorzugt im Sehnerven, Halsmark und um die Hirnventrikel herum lokalisiert.

9. Interessant ist die strikte Beschränkung der MS auf das zentrale Nervensystem (ZNS). Niemals wird man also MS-Herde im peripheren Nervensystem (PNS) finden. Warum nicht, wo doch auch im PNS die Nerven myelinisiert sind? Man sagt, es gäbe einen entscheidenden Unterschied: Im PNS sei eine myelinbildende Zelle (SCHWANNsche Zelle) für eine und nur eine Nervenfaser zuständig, während die Gliazellen im Gehirn mehrere Nervenfasern mit Myelin umwickeln würden? Aber ob das ein entscheidender Unterschied ist?
(Übrigens nur zur Klarstellung: Der Sehnerv wird oft als Nerv des peripheren Nervensystems verkannt, ist aber ein Hirnbestandteil!)

10. Weil in den Herden vorwiegend das Myelin angegriffen werde, soll die MS eine Erkrankung der weißen Hirnsubstanz sein. Aber auch hier gibt es Zweifel, denn es wäre ja denkbar, dass man die Herde dort besonders gut sieht, wo viel Myelin vorhanden ist, und dass sie dort "unsichtbar" sind, wo das Myelin in der Hirnrinde etwa gleich häufig vorkommt wie Nervenfasern und -zellen.

11. Ich glaube, dass es eine und nur eine MS gibt - und die angeblichen 4 Subtypen alle unter einen Nenner zu bringen sind.

12. Die Autoimmun-Hypothese gilt als allgemein akzeptiert.

13. Die Annahme, dass die EAE eine geeignetes Tiermodell der MS ist, beruht auf der Autoimmunhypothese.

14. Umstritten ist die Annahme von "aggressiven Lymphozyten": Die einen meinen, es beginne damit, dass die Lymphozyten auf das Myelin losgehe und dieses zerstört und durch Narbengewebe ersetzt werde. Dann müsste aber, wenn man dieser Annahme folgt, schon im frühen Stadium der Herdentstehung aggressive Lymphozyten nachweisbar sein, denn ohne bissge Hunde kann es zu keinem Hundebiss kommen.
Diese Vermutung beruht darauf, dass die frischen MS-Herde mit Lymphozyten übersät sind, so dass niemand daran zweifelte, dass sie auch die Ursache des Zerstörungsprozesses seien, bis vor kurzem Barnett und Prineas etwas Überraschendes fanden: Einen frischen MS-Herde ohne Lymphozyten. Das scheint die ganze gängige Theorie auf den Kopf zu stellen und wird konsequenterweise als Einzelfallbeobachtung in Zweifel gezogen.

15. Es hat vielleicht keinen Sinn, nach der alleinigen Ursache der MS zu suchen, weil sie multifaktoriell ist: Risikofaktoren.

16. Die Prognose der MS ist leider nicht vorhersagbar!

17. Zufall - Schuld - Mitverantwortung - Verstrickung? Warum die Herde überhaupt auftreten, ist zwar unbekannt, aber ganz allgemein gilt die Ansicht, die MS sei eine Krankheit, für die niemand etwas kann. Sie trifft einen zufällig, so wie auch die Herde im ZNS zufällig verteilt sind, und Grundlage dieser Zufallsereignisse seien eben eine genetische Besonderheit des Myelins, das eben besonders leicht mit körperfremdem Gewebe verwechselt werden könne, oder eine Infektion, die man sich zufällig zugezogen habe, und an sich harmlose Lymphozyten auf irgendeine Weise "scharfgemacht" hätten.
Auf jeden Fall sei es abwegig anzunehmen, eine seelische Unpässlichkeit könne dazu führen, dass ein Lymphozyt oder das Myelin sich verändern könnte. Das sei so unwahrscheinlich wie dass Uri Geller per Gedankenkraft Löffel verbiegen könne. Natürlich - und das entspricht dem gesunden Menschenverstand - komme es vor, dass das Immunsystem und damit auch die Lymphozyten in gewissen Überlastungssituationen "abgelenkt" wären und damit irrtumsanfälliger seien, aber das treffe für alle Erkrankungen, sogar eine leichte Erkältung zu.

W.W.


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