Die MS ist kunterbunt. (Allgemeines)

W.W. @, Donnerstag, 29.11.2018, 16:25 (vor 12 Tagen) @ W.W.

Ich komme zum 5. Punkt:
Die Symptome können sehr unterschiedlich sein, obwohl es auch sehr typische gibt: eine einseitige Sehminderung, die nur Tage anhält, ein Elektrisieren im Rücken, wenn man den Kopf nach vorne beugt, das Korsettgefühl, die Taubheit einer Hand oder eines Fußes.
Das Auftreten kann man dadurch erklären, dass sich im ZNS Herde entwickeln, die oft nur reiskorn- oder linsengroß sind. Ob die Herde Symptome machen, hängt davon ab, wo sie liegen. So können sie im Sehnerv liegen und führen praktisch immer zu einer Sehstörung oder an den Ufern der Seitenventrikel, wo sie ebenfalls gern liegen, aber man sie nicht bemerkt. Man spricht etwas blumig von "stummen" oder "redseligen" Herden.

Ich glaube, daran gibt es nicht viel zu deuteln, Allerdings gibt es so typische MS-Symptome (Lhermittesches Zeichen, Korsettgefühl, Sehnervenentzündung) und so untypische (Epilepsie, Sprach- und Schluckstörungen), dass man in aller Regel aufgrund der einzelnen Schubsymptome der MS von einem dringenden MS-Verdacht sprechen kann, z.B. wenn eine Erkrankung mit einer Sehnervenentzündung beginnt und Monate oder Jahre später kommt es zu einer aufsteigenden Taubheit des rechten Beins.

Das kann mer Ansicht nach nur eine MS sein. Wenn man dann im MRT MS-typische Herde findet, kann die Diagnose als gesichert gelten.

Muss man der Ordnung halber auch noch den Liquor auf oligoklonale Banden untersuchen? Meiner Ansicht nach ist das überflüssig, denn es gibt keine Differentialdiagnose zu a) schubförmigen Verlauf, b) typische MS-Symptome und MS-typische Herde im MRT.

Dass es sich im vorliegenden Fall auch um eine Neuroborreliose handeln könnte, halte ich für falsch. Mir ist auch kein Fall aus der MS-Literatur bekannt, wo eine MS mit einer Neuroborreliose verwechselt wurde. Wenn unter den Lesern jemand ist, der eine entsprechende Arbeit zitieren kann, dann bin ich sehr daran interessiert.

Die einzige Arbeit, von der ich gehört habe, war ein Einzelfall, japanisch und ganz sicher keine MS. Ich glaube, es wird auch nur in Deutschland bei Verdacht auf MS punktiert? Vielleicht auch in Frankreich. In den USA sicher nicht!

Ich denke, dass die MS-Diagnose künstlich verkompliziert wird. Das hilft den MS-Experten, aber nicht den MS-Betroffenen.

Dass die MS-Herde die Ursache der MS-Symptome sind, darüber besteht kein Zweifel. Umstritten ist aber, ob die Herde zufällig verteilt sind oder nicht. Ich bin sicher, dass sie Vorzugslokalisationen haben: Sehnerv, Halsmark, Ufer der Seitenventrikel.

Eine Erklärung dafür habe ich nicht, könnte mir aber vorstellen, dass die Herde bevorzugt dort entstehen, wo "viel Strom fließt", also eine hohe Stoffwechselaktivität besteht, die zu Überlastungen im Gliagewebe führen könnte.
W.W.


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