Marc mit Ocrevus: Eine systemische oder eine philosophische Frage? (Allgemeines)

Marc @, Dienstag, 30.10.2018, 19:13 (vor 17 Tagen) @ agno

:-D Hallo Agno,

Danke, darauf habe ich gewartet, aber es hat außer Dir noch niemand so verbalisiert.

Gerne :-) Wenn ich mich aber recht erinnere, dann beziehst du dich hier auf deine Theorie: "Einmal Tysabri, immer Tysabri" da bei Absetzen wegen "Rebound" eine erneute Schubaktivität die Stabilität der vergangenen Jahre zunichtemachen würde.

Problem bei dieser Theorie ist nur, dass wieder Korrelation mit Kausalität verwechselt werden. Es kann genusogut sein, dass nach mehrjähriger Eskalalationtherapie garnichts passiert und das Absetzen zu keinen sonderlichen Rückschlägen im Verlauf führt. Das haben bereits mehrere Studien gezeigt. Oder hattest du an einen anderen Ansatz gedacht?

Ich hatte da eine Kontaktperson, die in dieser Richtung experimentiert hat und mit dem Ergebnis nicht glücklich war.

Ob nun die Erfahrungen deiner Kontaktperson ausreichen um ein Urteil zu oralem Methotrexat zu machen? Ich hatte eigentlich nur argumentiert, dass mit etwas mehr Unterstützung es vermutlich vor Jahrzehnten eine weitere Therapiemöglichkeit für progrediente Verläufe gegeben hätte - nicht unähnlich Mitoxandron. Es wäre viel zu hypothetisch nun rückblickend allgemein zu diskutieren, ob so eine Therapie immer effektiv und sinnvoll gewesen wäre.

Versicherungen bekomme ich nicht vom Pfarrer sondern von jemand der seine ureigenen Interessen hat. Das bedeutet dass man Äußerungen eines Verkäufers interpretiert.

Das Problem ist eher strukturell. Gary Taubes hat mal geschrieben, dass in der Geschichte der Medizin zu oft Hypothesen aufgestellt und akzeptiert wurden lange bevor definitive Evidenz in die Diskussion gebracht werden konnte. Bis dahin gingen die Hypothesen einfach als Fakten in die medizinische Literatur und wurden dann als Glaubenssätze übernommen. Der Schaden durch die verkehrten Hypothesen wurde erst dann berichtigt, nachdem Evidenz und Fakten in die Diskussion eingeflossen seien und dann nochmals 1-2 Generationen vergangen seien.

Der Pfarrer kann also tatsächlich an seine Weltanschauungen glauben und ihnen treu bleiben während er dir seine Versicherungen verkauft... Wie du sein Handeln dann interpretierst bleibt dir überlassen.. Wenn du deinen Neurologen aber nun für einen Verkäufer haltest, der/die nur seine persönlichen Interessen im Kopf hat, warum gehst du überhaupt zu ihm?

Hier bin ich mir nicht sicher. Ob die Erkenntnistheoretische Unschärfe der Wissenschaft noch genug Platz für eigene Interpretationen lässt?

Warum? Im Falle der Krankheit, die sich "Multiple Sklerose" nennt, geht die Wissenschaft von Schädigungen bzw. Degeneration der Axone, der Myelinscheiden und der grauen/weißen Hirnmasse bedingt durch lymphozytische Entzündungen, aktivierte Makrophagen bzw. ungewöhnlich hoher Atrophie des ZNS. Es ist bis dato wissenschaftlich völlig ungeklärt, welche dieser pathogenen Aktivitäten in welchen Maße beim individuellen Krankheitsverlauf in Erscheinung treten.

Niemand wäre daher in der Lage zu behaupten, bei "progredientem Verlauf“ passiert ABC.. Dazu ist die Bildgebung im MRT bisher nicht in der Lage und die Abstimmung zwischen Neuropathologie und Neurologie nicht ausreichend. Die Nutzung von Immunsuppressiven Therapien bei "progredienten Verläufen“ bleibt daher nunmal ein möglicher Hebel zum Aufhalten des Krankheitsfortschrittes. Man kann ihn nutzen und Abwägung aller Aspekte oder nicht.

Aber die Behauptung dass es diesen Hebel nicht gäbe ist schlichtweg falsch.

Man kann sich nun dazu austauschen, weshalb die "Wissenschaft" zu solchen Aussagen kommen könnte und vielleicht dazu seine persönlichen Verschwörungstheorien aufstellen. Die Grundaussage bleibt aber falsch!! (imho)

Grüße,
Marc


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