Marc mit Ocrevus: Eine systemische oder eine philosophische Frage? (Allgemeines)

Marc @, Donnerstag, 25.10.2018, 13:30 (vor 20 Tagen) @ agno

...systemisch oder philosophisch..?
...erwünschte Rückführung in den schubförmigen Verlauf?
...Würde man das praktisch erfahren wollen?

Ich bin nicht sicher, ob ich bei solchen Fragen eine Antwort liefern könnte.

Also bei den letzten beiden Fragen wäre die Antwort sicherlich "Nein".

Wenn man unsere MS als eine längenabhängige Neuropathie der Axone betrachtet, dann wäre eigentlich jegliche Entzündung, egal welcher Art, zu vermeiden. Da wäre man aber wohl wieder philosophisch, da dieser Ansatz wiederum die Autoimmunhypothese voraussetzt.

Wenn man jedenfalls grndsätzlich von fehlgesteuertem immungetriebenen Entzündungsgeschehen ausgeht, dann ist die Unterteilung zwischen "progredienter" und "schubförmiger" MS eigentlich Makulatur. Beim Lesen von Diskussionen hierzu kommt eher der Gedanke, wie weit die Pharmaindustrie Patienten und Ärzte unterwandert hat um seine Produkte zu vermarkten.

Hätte es ein ernsthaftes Interesse gegeben, die Ergebnisse der Studien mit niedrig dosiertem oralem Methotrexat vor mehr als 20 Jahren richtig zu interpretieren, dann wären bereits vor Jahrzehnten zugelassene Therapien für progressive MS verfügbar gewesen...Richtig, vor Jahrzehnten.

Das war aber leider genau der Zeitpunkt, als Pharma anfing sich ernsthaft auf den MS Markt zu etablieren und die Salami-Aufspaltung von chronisch progredienter MS in primäre und sekundär progrediente sowie schubförmige MS Verlaufsformen vorantrieb. Als die Versuche mit Interferon begannen, war es Bayer-Schering damals sehr wichtig, MS vom BME als eine "seltene Krankheit" einstufen zu lassen.

Hierzu war es (damals) notwendig, eine potentielle Patientengruppe weniger als 200.000 Patienten EU-weit zu haben, die als solche klassifiziert werden konnten. Dieser Status erlaubte es Schering mit nur einer zentralen Studie sowohl Marktzulassung als auch (vorrübergehende) Marktexklusivität mit der entsprechenden Preisfestsetzung für ihr Produkt zu erhalten.

Infolgedessen ist auch 20 Jahre später die Diagnose einer sekundär-progredienten MS eigentlich so als ob man eine andere Krankheit hat mit allen kostentechnischen Implikationen. Es ist jedenfalls manchmal amüsant zu sehen, welche rhetorischen Purzelbäume noch heute geschlagen werden, um die Fehler der Vergangenheit zu kaschieren..

Wie das alles mit Ocrevus zusammenhängt? Die genannten Beispiele im ECTRIMS Poster könnte man so deuten, dass - ähnlich zu Tysabri - ein "Rebound" Effekt entstanden sein könnte wenn unterschwellige Entzündungen - ob nun in einer schubförmigen oder progredienten Verlaufsform - zu lange unterdrückt werden und die Therapiewirkung nachlassen sollte.

Gruß,
Marc


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