Die eigene Nase - Inspiration - Interpretation? (Allgemeines)

W.W. @, Samstag, 29.09.2018, 09:54 (vor 24 Tagen) @ naseweis

Ich habe darüber nachgedacht, was mir Jerry, Zoe und auch du bedeuten wollten. Und warum es in gewisser Weise zu einem Missverständnis gekommen ist. Und in anderer Weise auch wieder nicht.

Ich habe mich ja on letzter Zeit viel mit Ludwig Wittgenstein befasst, also auch damit wie man in seinem eigenen Weltbild wie in einem Fliegenglas gefangen ist.

Ich habe gedacht, dass viele Leute meinen, sie seien vogelfrei und sie steckten gar nicht in einem Fliegenglas. Mir wird aber immer klarer, dass wir drinstecken. Meine ausländische Frau hat ausländische Gedanken, mein Freund, mit dem ich immer spazieren gehe, hat lokale Gedanken, Herr von Bassewitz hat Gedanken, die irgendwo von Friederich dem Großen oder Bismarck herkommen, mein Stammtisch in der Markthalle neigt eher zu nordischem Gedankengut und dazu kommen ARD und ZDF, Presseclub und Hartaberfair. Und natürlich die Heute Show! Dazu auch immer noch das, was Werner und Conny im CICERO gelesen haben. Und und und...

Das, was ich denke, ist also ziemlich zusammengesetzt, und ich will auch nicht behaupten, dass ich einen einzigen eigenen Gedanken habe. Oder doch: Ich habe etwas Eigenes! Dass ich nämlich alle Schnipsel selbst zusammensetze. Aber ändert etwas daran, dass ich in einer Cloud und einem Fliegenglas lebe?

Alles, was ich meine, ist also ein sehr heterogenes Gemisch und meistens zitiere ich immer irgendetwas aus der Erinnerung. Sogar meine Goethe-und Thomas Mann-Zitate halten der genaueren Prüfung nicht stand.:-(

Ich bekenne mich also zu diesem Zusammengesetzten und sehe darin sogar ein eigenes Profil, obwohl nichts von mir selbst stammt. Und die MS? Und meine Haltung zur Psychosomatik und den Diäten? Und zur Homöopathie und Psychotherapie? Es sind alles Meinungen, die mir von überall her zugeflüstert wären. Als ob es meine eigenen wären.

Aber authentisch - und darum geht es ja wohl im Wesentlichen -, also offen und ehrlich bin ich im Dialod, in Rede und Gegenrede, wenn man sich hinter keiner Wortkaskade mehr verstecken kann. Das Gespräch ist die Wahrheit! Und eine eigene Nase? Ich glaube, die habe ich gar nicht.:-(

Wer könnte schon gläserner sein als ich?

W.W.

PS: Ich glaube, dass in unserem Kopf so etwas wie ein Nest ist - ein Nest, wie es auch die Vögel haben. Bei ihnen ist es aus tausenden von Grashalmen und Ästchen zusammengesetzt, und es ist dazu da, dass man sich in ihm gemütlich einrichten kann.

Unser Nest in unseren Köpfen ist aus Milliarden von Nervenzellen bemacht, die ein dichtes Gespinst bilden, und es ist dazu da, dass wir uns in ihm wohlfühlen.

Alles, was uns unsere Sinne zutragen, wird geprüft, ob wir es brauchen können, und wo es an besten hinpasst. Und so ist jede Welt in unseren Köpfen eine eigene Welt: eine Naseweis-, Agno-, Stefan-, Amy-, Jerry-, Nalini-, Mikkelina- und natürlich auch W.W.-Welt.


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