Aufräumen mit dem Lebensstil-Hype bei MS (Allgemeines)

W.W. @, Freitag, 14.09.2018, 08:43 (vor 12 Tagen) @ Boggy

Es gibt - wie ich gelernt habe - Lebensstil-Missionare. Ich glaube, ich gehöre nicht dazu, obwohl ich dem Lebensstil eine große Bedeutung beimesse, nicht, weil es sowieso gesund ist, ein gesundes Leben zu führen, sondern weil nach meiner Erfahrung nahezu alle MS-Erkrankungen bzw. Schübe durch erhebliche Belastungen ausgelöst werden.

Aber was ist eine erhebliche Belastung? Ich weiß es nicht, da jeder Mensch anders gestrickt ist. Aber ist meine Aussage dann nicht eine Aussage, die nichts bringt?

Natürlich bin ich der Auffassung, dass sie viel bringt, weil ich denke, wenn man zusammen mit Freunden analysiert, warum man eine MS oder einen Schub bekommen hat, dann kann man aus diesen Erfahrungen lernen.

Das klingt so, als könne einem die MS den richtigen Weg zeigen!:confused: Eigentlich denke ich es auch so. Sie kann einen darauf hinweisen, dass man in der Ehe, im Beruf, in der Familiensituation unglücklich ist - ja, das glaube ich.

Aber wie kann dieses "Unglücklichsein" sozusagen von der seelischen zur körperlichen Ebene überspringen, indem es zu einem sichtbaren Myelinschaden führt? Ich weiß es nicht, aber ich glaube, dass ein solcher Übergang über ein Zwischenglied möglich ist: Immunsystem? Neurohormone?

Ich glaube also, dass die Grenzen zwischen Körper und Seele zu unnachgiebig gezogen werden, dass sie viel weicher sind, und das Körperliche oft in das Seelische übergeht. Nicht, weil man an seinem eigenen Zustand Schuld ist oder psychologische Hilfe braucht! Sondern weil wir normalerweise "verstrickt" sind, also in einer Tretmühle gefangen sind, aus der wir nicht so einfach herauskommen.

Und auch, wenn das schwierig ist, kann es einem helfen, besser mit der MS umzugehen und ihre Prognose günstig zu beeinflussen, nicht durch Unmengen von Vitamin D, grüne Meermuscheln, Nahrungsergänzungsstoffe, Steinzeit-Diät oder sündhaft teure Nahrung für Bienenköniginnen, sondern durch eine Besinnung darauf, was ein vernünftiges Leben ist.

Und was ist dieses vernünftige Leben nun? Das weiß ich nicht, weil es nur jeder selbst wissen kann, aber ich bin überzeugt davon, dass jemand, der übergewichtig ist und eine MS bekommt, dadurch, dass er sein Gewicht normalisiert und aufhört zu rauchen, einen größeren Einfluss auf die MS ausübt, als wenn er sich irgendeine Basistherapie zuführt.

Bin ich ein Lebensstil-Missionar? Nein, diese Vorstellung erschreckt mich!

W.W.


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