Aufräumen mit dem Lebensstil-Hype bei MS (Allgemeines)

Boggy, Donnerstag, 13.09.2018, 23:39 (vor 66 Tagen) @ agno

Was ich gegen die von mir so genannten "Lebensstil"-Missionare habe?

Beispiel von Life-SMS, eine Veröffentlichung mit dem Titel: "MS ist keine Einbahnstraße".
Text:
"In dieser ersten Ausgabe der Erfolgsgeschichten zur selbstbestimmten Überwindung der Multiplen Sklerose (...)"

Darin steckt eine MS-Ideologie, eine unterschwellige Behauptung, daß man als MS-Patient die MS "überwinden" kann, wenn man "selbstbestimmt" handelt.

Was "selbstbestimmt" bedeutet, weiß Life-SMS.
Notfalls gibts Seminare, Vorträge usw.

Die MS-Patienten, die keine Erfolgsgschichten zu vermelden haben, sind dann letztlich selbst dafür verantwortlich,
haben weiter die Straße - gegen die Vorstellungen von Life-SMS - für eine Einbahnstraße gehalten und sind weiter vorangetrottelt.

Nach all meinem Wissen und all meinen Erfahrungen über MS, und auch mit den Erfahrungen und dem Wissen anderer MSler, ist die MS eine Autobahn, auf der viele im normalen Tempo fahren, einige gemächlich, andere fahren schneller, wieder andere stehen eine Weile auf dem Standstreifen,
- aber daß mir jemand auf dieser Autobahn wieder entgegengekommen ist, ist mir noch nie passiert.

Ach ja, und worum gehts in der Veröffentlichung noch:
"Die Geschichten sollen auch helfen, das Dogma der Unheilbarkeit von Autoimmunerkrankungen aus dem Weg zu räumen (...)."

Nein.

Um mich zu wiederholen: MS kann gut verlaufen,
MS kann aber auch ganz übel und leidvoll verlaufen!! Trotz all unser aufrichtigen Bemühungen, möglichst lange möglichst gesund zu bleiben.
Diese aufrichtigen Bemühungen, und die oft dennoch eintretende schmerzliche Verschlechterung lasse ich nicht einfach durchstreichen,
oder in eine "Mißerfolgsgeschichte" umdeuten!

Übertreibe ich? Verheddere ich mich, ohne es zu merken?

Soviel mehr gäbe es, was dazu zu schreiben wäre ... dies waren nur ein paar kleine Anmerkungen zu EINEM Beispiel.

Boggy

P.S.:
Ansonsten gilt alles, was ich im Eingangsposting geschrieben habe:
Ein nach landläufigen Vorstellungen und Erkenntnissen "gesunder" Lebensstil (nach Bedarf und Bedürfnis Meditation und/oder Psychotherapie miteingeschlossen) ist wahrscheinlich bei sehr vielen Erkrankungen sinnvoll und hilfreich, um den Organismus beim Gesundwerden zu unterstützen.
Er ist wahrscheinlich auch bei vielen chronischen Erkrankungen sinnvoll und hilfreich.
"Heilung" ist aber damit nicht garantiert.

Wahrscheinlich (vielleicht?)
gilt dies auch für MS:
nämlich eine sinnvolle Unterstützung des chronisch kranken Organismus zu sein.
(Aber GENAU = verläßlich, wissen wir es nicht!
Wie beeinflußbar die MS durch diese Maßnahmen tatsächlich ist, ist nicht gesichert und überprüfbar geklärt.)
Das ist alles.

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.


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