Auch wenn man eine MS nicht heilen kann, kann man sie trotzdem überwinden! (Allgemeines)

W.W. @, Montag, 10.09.2018, 10:37 (vor 70 Tagen) @ ulma

So ganz ist es nicht! Ich sage: Wenn man sagt, die MS sei eine ganz schreckliche Krankheit, die jetzt aber dank der Basistherapie und einem frühzeitigen Behandlungsbeginn wesentlich harmloser verlaufe, so ist das meiner Ansicht nach eine Lüge.

Warum? Weil ich gute Gründe (die man glauben kann oder nicht) für die Behauptung habe: Je sensibler die Diagnostik wird und je frühzeitiger die Diagnose gestellt wird, desto größer wird der Prozentsatz derjenigen MS-Erkrankungen sein, die so milde verlaufen wird, dass man sie kaum wahrnimmt.

Wenn aus dieser einfachen Überlegung von der Pharmaindustrie und einigen Neurologen der Schluss abgeleitet wird, der momentane relativ günstige Verlauf der MS sei eine Folge der Basistherapie halte ich das für einen groben Fehlschluss.

Das ist das eine, was die Neubetroffenen betrifft: Je früher eine MS diagnostiziert wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine gutartige Form handeln könnte, darum ist die Haltung "watchful waiting" angezeigt und nicht eine frühzeitige Therapie.

Das andere ist: Wie steht es mit MS-Betroffenen, die keinen günstigen Verlauf haben? Natürlich gibt es die. Wenn man im ersten Fall sagen könnte, man könnte die Diagnose MS "überwinden", wenn man gelernt hat, dass sie gar nicht so schlimm ist, wie in den Lehrbüchern und Pharmafirmen getan wird, kann man dann im zweiten Fall sagen, man könne auch eine schwerere MS "überwinden"?

Das zu behaupten, fällt mir schwerer als das erstere. Meine ich damit "arrangieren"? Ja, möglicherweise. Aber "überwinden" ist mehr als "arrangieren". Wenn ich plötzlich arbeitslos würde und keine andere Chance hätte als in ein fremdes Land als Erntehelfer auszuwandern, dann könnte ich mich, wenn ich Glück habe, "arrangieren", also mich in den neuen Verhältnissen "einrichten".

Das gelingt dem einen besser als dem anderen. Aber darf man das mit einer Krankheit vergleichen? Ich weiß es nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass, wenn ich eine Arteriosklerose habe und Angina pectoris-Anfälle erlitten habe, dass ich beginne, mein Leben umzustellen: Normalgewicht, nicht mehr rauchen, viel körperliche Ertüchtigung, gesunde Ernährung....

Darüber kann man lächeln, weil es so unspektakulär ist. Was soll das schon bringen?! Während ich mir beim "watchful waiting" sehr sicher war (sogar fast unumstößlich sicher), bin ich mir nicht ganz so sicher, wie es bei jemandem ist, der eine MS hat und ins sekundär progrediente Stadium eingetreten ist. Kann er noch etwas tun? Oder ist jetzt alles zu spät?

Ich glaube, und das ist ein überwiegender Glaube, dass es auch bei der SPMS so ist, dass 2/3 um den EDSS 6,0 herum verharren, 1/3 weiter fortschreiten. Und ich glaube(!), dass die, die mit einer besonderen Anstrengung, gesund leben wollen, eher zu den relativ gut verlaufenden SPMS-Fällen gehören werden.

Also verstehe ich unter "überwinden" zweierlei: 1. Man kann die Diagnose MS leichter überwinden, wenn man weiß, dass die MS nicht so schlimm ist, wie sie von manchen Neurologen gemacht wird, und 2. kann man den Verlauf einer MS durch eine gesunde Lebensweise beeinflussen - also auch dann mit ihr besser zurechtkommen, wenn sie bereits weiter fortgeschritten ist.

Aber alles, was ich sage, hängt an möglicherweise an meiner "Weltanschauung", dass die MS eine Zivilisationskrankheit ist, wie das metabolische Syndrom auch.

W.W.


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