So war's bei mir (Allgemeines)

kerstin @, Samstag, 08.09.2018, 21:38 (vor 17 Tagen) @ jerry

So, jetzt ist mein Besuch weg ....

Meine ms wurde 2001 diagnostiziert. Ich war Tage vorher von der Leiter im Haushalt gefallen ( nein dabei habe ich mir noch gar nichts gedacht) und hatte mir den Knöchel verstaucht. Eines Morgens wache ich auf und habe das Gefühl meine gesamte ,linke Seite ist eingeschlafen. Eine Freundin, ÄRrztin sagt: geh lieber in die Ambulanz im Krankenhaus und lass es untersuchen, vielleicht ist es eine Trombose. Ich also brav 8ns Krankenhaus, dort sagten sie mir, ich müsste in die Medizinische Hochschule, dürfte aber auf keinen Fall mit dem Auto dorthin fahren. Ok sagte ich, setzte mich ins Auto und fuhr dorthin.
Nach der ersten Untersuchung meines Kopfes gratulierte mir der untersuchende Arzt, ich hätte keinen Gehitntumor. Wie schön sagte, ich wusste gar nicht, dass ich daraufhin untersucht wurde.

Dann bekam ich ein Bett zugewiesen, ich sollte für weitere Untersuchungen dort bleiben ( es war Samstag). Ich sah aber keine Veranlassung mich nachmittags ins Bett zu legen. Und nachdem mir klar war, hier passiert sowieso erst mal nichts fuhr ich nach Hause. Die weiteren Untersuchungen ließ ich ambulant machen, bis auf die Nervenwasseruntersuchung.
Letztendlich ergab das Kernspin die ms, der Chefarzt sagte mir kurz angebunden ich sollte zur Kortisontherapie wieder ins Krankenhaus kommen und mich anschließend mit Betainterferon behandeln lassen.

Die Diagnose war natürlich ein großer Schock,obwohl ich längst darauf vorbereitet war ( nur die Ärzte hätten es nie ausgesprochen). Ich las Verschiedenes, das Kribbeln war inzwischen weg und gemeinsam mit meiner damaligen wunderbaren Hausärztin beschloss ich gar nichts zu machen und das ging ja auch fast 12 Jahre gut.

Im Nachhinein denke ich, ich hatte schon 1993 meinen ersten Schub, damals nahm ich Antibiotika wegen Borriliose und alle Auffälligkeiten verschwanden.

2013 fing es dann mit Fußheberschwäche an, vor allem wenn ich lange gearbeitet hatte. Die Gleichgewichtsstörungen nahmen zu, ich fiel manchmal (im Wald, bergauf) mit dem Fahrrad um oder stolperte über kleinste Zweige. Ich war oft erschöpft und meine Ärztin fand nichts heraus. Ich habe das damals nicht mit ms in Verbindung gebracht.

Und dann ging es mit den Verschlechterungen mit einem Mal zwar schleichend aber gleichzeitig fürchterlich schnell.

Wobei ich das "Glück" habe, dass nur die rechte Seite betroffen ist. Ich gehe jetzt am Rollator, an Stöcken, nur noch wenige Schritte frei. Ich habe zwar einen Rollstuhl, aber den benutze ich zur Zeit gar nicht. Es gab aber schon Tage, an denen ich so schlapp war, dass ich mit ihm vom Bett bis zur Toilette gefahren bin.

Das Auto fahren habe ich seit drei Monaten eingestellt und mein Auto meiner jüngeren Tochter geschenkt. So komme ich gar nicht mehr in Versuchung ... Meine Sorge, mich auf mein rechtes Bein nicht verlassen zu können, hat mir seeeehr viel Stress gemacht.

Zur Zeit bin ich viel mit meinem Scooter, auch in der S- Bahn unterwegs.
Berentet bin ich seit 2,5 Jahren, tatsächlich arbeite ich seit einem halben Jahr gar nicht mehr und das genieße ich sehr. Ich hätte schon vorher ganz aufhören sollen, aber wie war das noch: hätte, hätte ...

Ich wünsche mir ganz doll, dass es eine Weile so bleibt wie es jetzt ist . Ich glaube mit dem wie es jetzt ist habe ich ( es hat schon gedauert) Frieden geschlossen, ich liebe dieses Gedicht von Erich Fried " Es ist wie es ist". Das hat für mich was sehr Tröstliches.

Aber ich möchte bitte weiterhin mit meiner Enkeltochter auf dem Schoß mit dem Scooter in den nächsten Ort zum Zirkus fahren können, meine Rosen schneiden und für liebe Gäste Gulasch kochen....

Natürlich gibt es immer mal wieder Momente, in denen ich in der Ecke hocke, heule und mich bedaure. Aber insgesamt bin ich psychisch stabiler und gut gelaunter als in vielen Phasen meines "gesunden" Lebens. Das finde ich schon interessant. Ich hatte früher durchaus depressive Phasen und Zeiten großer Unzufriedenheit, so erlebe ich mich nicht mehr.
Selbst die Tatsache dass der Mann, mit dem ich mich seit 15 Jahren rumärgere, nun beschlossen hat die neue Leichtigkeit mit seinem Kurschatten zu leben, haut mich nicht wirklich um.

Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich neuerdings alles genieße, was ich mache. Ich muss ja gar nichts mehr machen, selbst fürs Putzen kommt jemand.
Und ich habe so viele wunderbare Freundinnen und Freunde, für die ich jetzt viel Zeit habe. Und diejenigen, die schon in Rente sind, haben ja auch endlich Zeit.

Und dann leben nebenan meine vier Enkelkinder, das ist schon großartig.

Soweit für heute

Kerstin


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