persönliche Bemerkung (Allgemeines)

Nalini @, Samstag, 04.08.2018, 07:52 (vor 17 Tagen) @ julia

Man kann sich mit den Themen Psyche, Persönlichkeit etc. mMn auf zweierlei Art beschäftigen:

1. Man fragt sich, ob bestimmte Persönlichkeitsstrukturen zum Ausbruch einer Krankheit führen.

2. Man nimmt die Krankheit zum Anlass, um über sich und sein Leben nachzudenken, ob man eigentlich so leben will, wie man lebt, ob man einen Sinn darin findet, ob es unbewusste Stressfaktoren gibt usw..

Wenn ich dich richtig verstehe, ist das, was du schreibst, im Sinne von Punkt 2 zu verstehen.

Die Unterscheidung halte ich für sehr wichtig, weil ich Punkt 1 äußerst problematisch finde.
Eine Freundin von mir starb mit 23 Jahren an Krebs und du glaubst nicht, was die Arme sich für einen 'lieb gemeinten' Unfug von Esoterikerinnen anhören musste, die alle ganz genau Bescheid wussten, warum sie erkrankt war.

Ziel der Psychosomatik ist es, den Menschen zu helfen. So würde ich sagen, Ziel der Psychosomatik ist eher dein Punkt 2 als Punkt 1. Punkt 1 kann aber mMn auf diesem Weg ein Hilfsmittel sein.

Zu deinem Punkt 1: All diese Versuche einer Typenbildung sind Schematisierungsversuche, meist von Medizinern oder Therapeuten. Die "Typen", die dabei gebildet werden, gibt es nicht in der "Reinform", sondern es sind nur grobe Annäherungsversuche, geben also nur "Tendenzen" wieder. Beispiele sind die Konstitutionstypen aus der ayurvedischen Medizin, oder auch der Schematisierungsversuch von Sonja Wierk. Oder die Beispiele von W.W. ;-)

Ich bewerte diese Schematisierungsversuche nicht negativ als Diskriminierung, sondern positiv im Sinn von INTERPRETATIONSANGEBOTEN. Diese kann ich für mich nutzen oder auch ablehnen.

Deinen Punkt 2 würde ich so formulieren:
Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass psychische und körperliche Vorgänge sich gegenseitig beeinflussen. Das ist ja auch Forschungsgegenstand der PNI. Wenn ich nun schwer erkranke, kann ich mich fragen, ob vielleicht AUCH psychische Faktoren dazu beigetragen haben könnten, dass ich erkrankt bin. Und kann in der Konsequenz versuchen, die krankmachenden Faktoren auszuschalten. Oder ich kann darüber nachdenken, inwieweit psychische Faktoren möglicherweise auch den Verlauf der Erkrankung beeinflussen können. Und dann entsprechend therapieren.

Dies kann ich mit professioneller Hilfe tun, oder auch alleine. Die vorhandenen Schematisierungsversuche (Punkt 1) kann ich zur ersten Orientierung nutzen, einfach um Ideen zu sammeln. Ich kann zu dem Schluss kommen, dass diese Ideen auf meinen Fall zutreffen. Oder ich erachte es für mich nicht als zutreffend: dann ab in den Papierkorb.

Und zu dem Fall deiner krebskranken Freundin: Es wird immer passieren, dass an sich gute Ideen in problematischer Weise umgesetzt werden. Wie schon gesagt, da können Hinz und Kunz und Lieschen Müller mit den verrücktesten Dingen auf einen zukommen. Leider ist man auch als schwer erkrankte Person nicht von der Aufgabe befreit, hier die "Spreu vom Weizen" zu trennen. Und zur Not mal auf den Tisch hauen und zu sagen, sie sollen einen mit dem Schei... äh, Schmarrn in Ruhe lassen, denn das käme jetzt gar nicht gut. So musste ich hier und da auch schon vorgehen.


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