Haltung (Allgemeines)

Kabar, Mittwoch, 11.07.2018, 19:37 (vor 129 Tagen) @ IceUrmel

IceUrmel,

ich verstehe deinen Groll nur zu gut.

Die Bedingungen für Inklusion sind derzeit in den Ländern nicht
gut.

Davon abgesehen ist es natürlich jeden Kindes Recht
optimal gefördert zu werden und unsere Pflicht, dies zu ermöglichen.

Nur wo, da ist man nicht sicher!

Bei uns in Bayern hier macht schon immer das Wort
Grundschulabitur
die Runde, will heißen, Eltern würden oft ihre Kids am liebsten
gleich auf´s Gymi schicken..........

Früher gab es einige Kinder, die im schulischen Kontext
behindert waren,und auf sog. normalen Schulen unterrichtet wurden.

Da gab es die Zappelphilippe, die Leisen, die Lauten, die in sich gekehrten,die
Sprachbehinderten,
die Migranten, Körperbehinderte z.B.durch Kinderlähmung, die LRSler,
die Mathegenies, die Matheversager und, und, und...........

Wir haben sie in Achtung und Liebe alle zusammen unterrichtet, mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Heute gibt es Fachbegriffe für fast alle Störungen und entsprechende Therapien dazu.
Auch pädagogisch wurden diese "Krankheitsbilder" in den
pädagogischen Kanon mit aufgenommen, Konzepte entwickelt, Differenzierungsangebote angeboten,
Prüfungen vereinfacht.
Da hat sich viel getan!

Noch vor einigen Jahren wäre ein Übertritt auf´s Gymnasium für einen LRSler/ Lese-Rechtschreibschwäche /undenkbar gewesen. Heute werden die Prüfungen ohne Rechtschreiben bewertet, wenn eine ärztlich diagnostizierte LRS vorliegt.
Auch werden an weiterführenden Schulen Unterstützungskurse für das jeweilige Fach angeboten.
Da hat sich viel getan!

Ich erinnere mich sehr gerne an einen Jungen, der mit 16 Jahren seine
Mittlere Reife absolvieren wollte und Autist war.
Er konnte fast nur schriftlich kommunizieren, in seinen Aufsätzen schrieb er
seine Gefühle und sein Leben nieder.
Es war eine Wonne diese in Händen zu halten und darauf zu antworten.
Er war ein Genie in Mathe, hat sein Abitur nachgeholt, arbeitet in der IT -Branche
und wurde optimal gefordert und gefördert.

Das war gelebte Inklusion, ohne dass wir das Wort dafür kannten!

Chancen bietet die Inklusion für alle:
Stärkung des Miteinanders, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft,
Vertrauen!

Leider habe ich heute oft das Gefühl, dass nicht alle dies wollen, sondern nach höher, weiter, stärker streben.

Wie ist es sonst zu verstehen, dass Lehrkräfte, die sich engagiert für Inklusion einsetzen, weggemobbt werden, da es sich laut Aussage des Elternbeirats um ein Elitegymnasium handelt?
Welche Elite ziehen wir uns hier heran?

By the way:
Finnland investiert in seine Kinder auf pädagogischem Gebiet enorm viel.
In jeder Klasse stehen mindestens 2 Lehrkräfte zur Verfügung, die
unterstützend eingreifen.
Auch Behinderungen werden nicht so abstrakt wie bei uns gehandelt.

Ich könnte ellenlang weiterschreiben, da mich dies nach 40 Jahren Arbeit an der Basis,ob der großen Hindernisse, doch ziemlich aufwühlt.

Jetzt gilt es aber Daumendrücken für England
und morgen dann
fish&chips, wenn sie gewinnen.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum