Was ist die MS-Ursache? (Allgemeines)

W.W. @, Freitag, 29.06.2018, 12:45 (vor 21 Tagen)

Es gibt eine allgemeine Annahme, die eigentlich jeder teilt: Wenn uns der Engel des Herrn fragen würde, was wir am liebsten wissen wollten, da könnte ja dieser oder jene dabei, die sagen: "Bitte, lieber Engel, sag uns die Ursache der MS!"

Nehmen wir an, der Engel würde uns in ein großes Gebäude zu einer Tür führen und sagen: "Hinter dieser Tür wirst du die Ursache der MS sehen!"

Wir würden voller Ungeduld die Tür öffnen, und - so geht die übliche Geschichte weiter - würden die Ursache der MS sehen. Z.B. könnte es eine chemische Verbindung sein, die im Lauf des 19. Jahrhunderts synthetisiert wurde, aber der niemand etwas Böses zugetraut hat.

Aber diese Substanz - und der Engel weiß das - besteht aus einer Aminosäurekette, die auch im menschlichen Myelin vorkommt. Wenn der menschliche Organismus also mit dieser Substanz in Berührung kommt, entwickeln sich T-Lymphozyten, die nicht nur diese Substanz angreifen (und z.B. einen leichten Durchfall machen), sondern auch unter bestimmten Umständen (z.B. Stress) die Blut-Hirn-Schranke passieren und das Myelin zerstören.

Ich glaube, viele von uns erwarten genau so etwas zu sehen, aber als wir die Tür öffnen, sehen wir nur Licht. Gleißendes Licht. In dem Raum ist es so hell, dass wir nichts sehen können.

Was meine ich mit der Geschichte? Als Robert Koch den Tuberkelbazillus als Ursache der Tuberkulose fand, widersprach ihm Virchow, der annahm, die Tuberkulose sei nicht auf so etwas Simples wie ein Bakterium zurückzuführen, sondern habe psychosoziale Gründe. Ist eine Ursache nur das, was man messen oder unter dem Mikroskop "sehen" kann?

Wenn Koch und Virchow von einem Engel vor die Tür geführt würden, hinter der die Ursache der Tuberkulose wohnt, ich denke, beide würden nichts sehen, weil ihre Augen nicht ausreichen, um die Wahrheit zu erkennen.

Wir denken nicht "logisch", sondern müssen einen so komplexen Zusammenhang überschauen, dass wir verrückt werden müssten. Ein Beispiel ist das Leid in der Welt. Für den Atheisten ist es ein Beweis dafür, dass es keinen Gott gibt, für den Gottgläubigen hätte Gott keine Welt schaffen können, die ohne das Leid auskommt. Wer hat mehr Recht? Und wer denkt rationaler - um Agnos Frage aufzugreifen)?

W.W.


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