"Frau C. hat MS" - es ist, wie es ist (Allgemeines)

kerstin @, Freitag, 16.02.2018, 11:32 (vor 298 Tagen) @ W.W.

Guten Tag Herr Weihe,

ich brauchte etwas Zeit, um das Buch zu lesen, die heftige Erkältung die letzten Tage hat diesen Prozess nicht beschleunigt!
Wenn ich lese, was Sie über dieses Buch schreiben und darüber nachdenke, was mir daran wichtig ist, könnte man denken, es handle sich um zwei verschiedene Bücher.
Was vielleicht daran liegt, dass Sie es mit den Augen des Arztes, ich mit dem Blick der Betroffenen betrachte.
Sicher, die mehrfache Fehldiagnose und die folgenden Eingriffe sind unglaublich entsetzlich und die weiteren Krankenhausaufhalte auch schrecklich. Aber wirklich wichtig für mich an diesem Buch sind die Beschreibungen der Veränderungen bzw. körperlichen Verschlechterungen und der Umgang damit. Und die Haltung der Autorin auf diese Entwicklungen ist so angenehm pragmatisch. Ich sehe da kein Jammern, sondern nüchternes Beschreiben nach dem Motto "es ist, wie es ist". Und mit dieser Haltung werden die Dinge angegangen, der Rollstuhl besorgt, das Haus umgebaut, die Wohnung bezogen, alles zu seiner Zeit.
Besonders gefallen hat mir Ihre Einschätzung zum Umgang mit dem Rollstuhl. Die Benennung der zwei Seiten, die die Anschaffung mit sich bringt. Einerseits die Manifestation des Elends, nicht mehr laufen zu können, anderseits die Eröffnung völlig neuer Mobilitätsspielräume. Aber, so konstatiert sie, "Rollstuhlfahren ist auf jeden Fall das Ende der Spontaneität ". Ja, so ist es wohl.
Gut gefällt mir auch ihr letztes Kapitel über die Hoffnung auf Heilung. Hier beschreibt sie das Gedankenkarrussell ( wer von uns kennt das nicht). Habe ich wirklich das Richtige getan, was hätte ich anders oder früher oder mehr schon tun können ...
Insgesamt finde ich, ist es ein ausgesprochen lesenswertes Buch für diejenigen, die sich mit dem Thema, wie lebt es sich mit dieser Krankheit, beschäftigen möchten. Mich interessiert es immer wieder, zu erfahren, wie andere diesen mühseligen Alltag wuppen, ohne zu verzweifeln und dennoch die Zweifel benennen.
Und für mich macht es den Eindruck, als hätte eine sympathische Frau dieses Buch geschrieben, mit der ich, riefe ich sie an, ein angeregtes Gespräch über die MS, die Machenschaften der Pharmaindustrie und andere Themen dieser Welt hätte. Denn, so schreibt sie:" nach einem fulminanten Krankheitsbeginn habe ich sehr schnell beschlossen, die Krankheit nicht in den Mittelpunkt meines Lebens zu stellen". Und das scheint ihr gelungen zu sein, das gefällt mir sehr.


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