Multiple Sklerose - Ist Heilung möglich? (Allgemeines)

W.W. @, Donnerstag, 04.01.2018, 13:30 (vor 229 Tagen) @ W.W.

Ich habe alle eure Einwände gelesen und beginne noch einmal von Neuem:

Gleich zu Beginn sei festgestellt: Ich glaube, die MS ist heilbar! Ich weiß, dass jetzt bei den allermeisten von Ihnen die Alarmglocken schrillen, weil es tausend Gründe gibt, den Begriff „Heilung“ in diesem Zusammenhang nicht zu benutzen. Oft wird von einem ganz überzogenen Heilungsbegriff ausgegangen, der restitutio ad integrum, was bedeutet, dass jemand, der geheilt ist, wieder so ist, wie er vor Beginn der Krankheit war. Das kommt vor, ist aber eher selten, wenn z.B. nach einem verheilten Knochenbruch nichts mehr davon zu merken ist.

Aber ein Knochenbruch ist eben keine Krankheit. Oder ist er es doch? Eine Krankheit scheint etwas Unfassliches zu sein als ein Sturz von einem Pferd oder ein Schlag mit einer Stange. Etwas Geheimnisvolles scheint sich im Körper breit zu machen und sich einen Weg zu suchen, der entweder zur Überwindung der schädigenden Ursache führt, dann ist es eine akute Krankheit, die das Schädigende in irgendeiner Form abgrenzt und letztendlich ausscheidet wie einen Splitter, der einem unter die Haut gedrungen ist, oder, falls das nicht geht, zu einem faulen Kompromiss führt, und sich sich in krankmachender Form irgendwo im Körper einnistet und zu einem chronischen Leiden wird.

Ein Beispiel für akute Erkrankungen sind die Kinderkrankheiten, wenn z.B. nach überstandenen Masern alles ist wie zuvor. Man kann sogar einen Vorteil durch die Krankheit haben, indem man nämlich nie wieder Masern bekommen wird. Das ist ja auch der Sinn von Impfungen, durch die man die Krankheit in Miniform durchmacht und eine lebenslange Immunität behält.
Allerdings gibt es auch Stimmen, die warnen, Impfungen könnten die Krankheit in eine Nische drücken, wo sie sich zu etwas anderem mausern und in veränderter Form wieder in Erscheinung treten. Windpocken sind ein Beispiel, bei denen sie das Herpesvirus nach anscheinend überstandener Krankheit in Nervenganglien zurückzieht und viel später als Herpes zoster sich wieder zurückmeldet.

Und überhaupt – und das ist das schlagendste Argument: Krankheit können nur dann als heilbar bezeichnet werden, wenn man ihre Ursache kennt. Ein Beispiel wäre eine akute Erkrankung nach dem Genuss von verdorbenem Speiseeis, wo man rasch den Erreger, der über den Darm in den Körper gelangt ist, durch die Gabe von Antibiotika beseitigen kann.

Sie sehen, der Heilungsbegriff hat es in sich: Er macht die Unterscheiden zwischen akuten und chronischen Krankheiten erforderlich, so wie er auch die Kenntnis der Ursache der Krankheit voraussetzt. Wie dem auch sei, ich werde den Begriff „Heilung“ hier in einer abgeschwächten Form verwenden. Ich meine damit, dass eine Krankheit zum Stillstand kommt und nie wieder zum Ausbruch gebracht werden kann. Die Tuberkulose wäre ein Beispiel: Man macht als junger Mensch eine Tuberkulose durch, so dass man auf einer Lungenaufnahme die verkalkten Lymphknoten nachweisen kann, aber man wird nie wieder krank. Nicht unbedingt deswegen, weil man eine lebenslange Immunität erworben hat, sondern weil man in Lebensumständen lebt, die einen gegen eine Tuberkulose feien.

Sind diese Überlegungen auf die MS übertragbar? Zunächst einmal könnte man nach mehr als 150 Jahren Forschung resigniert feststellen: So kluge Menschen haben sich bemüht, die Ursache der MS zu finden, und sie sind alle gescheitert. Ist das nicht Grund genug für die Annahme, dass wir die wahre Ursache nicht finden werden? Man sollte also den Begriff "Heilung" gar nicht verwenden!

Ich gebe es gleich zu: Ich bin nicht bereit, diesen deprimierenden Schluss zu ziehen. Und warum maße ich mir das an? Weil ich denke, dass es mehrere Gründe geben kann, warum man im Dunkeln tappt. Der eine ist, dass man etwas Unmögliches versucht (z.B. ein Perpetuum mobile zu erfinden), der andere könnte sein, dass man (wie der berüchtigte Betrunkene in der Nacht) seine verlorengegangenen Schlüssel unter einer Laterne sucht, weil man dort am besten sehen kann. Es könnte nämlich sein, dass man sie ganz woanders verloren hat, wo das vorhandene Licht nicht hin reicht.

W.W.

PS: Man bedenke, dass ich versucht habe, alle wesentlichen Einwände zu berücksichtigen!


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