Bach, das Denken und die übrigen Fähigkeiten unseres Gehirns (Allgemeines)

Michael27, Mittwoch, 29. November 2017, 16:22 (vor 12 Tagen) @ W.W.

Aber wie ist es mit Bachs Gottesbild? Oder seiner Einstellung zur Religion? Obwohl seine Werke genial sind, kommt nicht rüber, was er logisch-mathematisch meint, obwohl seine Musik logisch-mathematisch aufgebaut ist.

Oh nein, das sehe ich völlig anders !

Ich glaube, man spürt z.B. bei Bach genau die Schönheit und Struktur seiner Musik, so wie man z.B. die Schönheit eines Eiskristalls empfindet.
Das geht natürlich nicht über den Verstand und dazu muss man nicht über besondere geistige Voraussetzungen verfügen - das kann man spüren. Und ich denke mal, ich tue JSB nicht unrecht, wenn ich ihm unterstelle, dass er - bewusst oder unbewusst - das, was er unter göttlicher Ordnung verstand, in seiner Musik zum Ausdruck bringen wollte und oft gebracht hat. Mit seinem spielerisches Verwenden verschiedenster mathematischer Strukturen hat er - ich vermute, eher intuitiv - diese von ihm so verstandene göttliche Ordnung in Musik umgesetzt.
Er hat - um den Kreis wieder zu schließen - etwas aus seinem Gehirn direkt in Musik umsetzen können, so wie Sie, Herr Weihe, das Problem bzgl. der Sprache angerissen haben. Nur, dass es bei Bach eben die rechte Gehirnhälfte war - und bzgl. der Sprache ist es die linke ...

Ich war ein paar ganz wenige Male in meinem Leben tief bewegt von Kunst. Spontan fällt mir der erste Besuch im Museum "Jeu de Paume" in Paris ein, als ich mit 14 das erste Mal Bilder von Monet gesehen habe. Ein zweites Mal war es der Film "Kaos" der Brüder Taviani - ein grandioser Film, der leider nicht sehr bekannt ist und nirgends auf deutsch zu bekommen ist (nur auf italienisch mit englischen Untertiteln). Ein drittes Mal war es, als ich das erste Mal den russischen Pianisten Grigorij Sokolov gehört habe.
Ich glaube, über Kunst im weitesten Sinn kann man im Idealfall noch einiges mehr vermitteln als über rein sprachliche Kommunikation. Daher finde ich das auch nicht so schlimm, dass man das Denken nie 1:1 in Sprache umsetzen kann, ja dass zwischen Denken und versuchter sprachlicher Umsetzung des Gedachten selbst (oder gerade) bei den klügsten Köpfen Welten liegen.

Michael


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