Kontraste (Allgemeines)

Karo, Samstag, 14. Oktober 2017, 11:30 (vor 40 Tagen) @ agno

Imho ist die MS nur ein Kontrastverschärfer. Ich bin ich & ich bleibe ich, mit allen meinen Stärken und Unzulänglichkeiten, verwoben in den ungeschriebenen Spielregeln des Lebens.

Ja, sehr gutes Wort. Ich glaube, dass das Live-Event als Kontrastverschärfer gewirkt hat, weil es mir MS-bedingte Grenzen aufgezeigt hat, deutlicher als sonst.

Als es gestern um die Frage Sitzplatz oder Stehplatz ging, hatte Jerry den Rolli erwähnt, und ich hatte spontan gedacht, dass es Patti Smith problemlos möglich gewesen wäre, sich irgendwo mit dem Rolli hinzustellen.

Ob man bei ihr vorne an der Bühne steht oder im Rolli irgendwo hinten sitzt, ist relativ egal, weil sie physisch längst nicht so präsent ist wie Nick Cave.

Bei ihm hatte ich ganz stark den Eindruck, dass es ein Riesenunterschied ist, ob man vorne steht oder hinten sitzt, weil er sehr physisch (und mit vollem Körpereinsatz) performt, nicht nur stimmlich (unterstützt durch die Band, die sich stoisch im Hintergrund hält).

Und deshalb bin ich wohl sehr viel deutlicher auf meine eigene beschädigte Physis aufmerksam geworden - Kontrastverschärfung.

Nach allem, was ich hier jetzt dazu geschrieben habe, klingt es vielleicht paradox, aber für mich war der Abend mit Nick Cave auch eine Befreiung, in vieler Hinsicht.

Und dann lächelt mich in der Schlange an der Aldikasse die Person vor mir an und sagt, gehen Sie vor. Am Parkautomat im Parkhaus drückt mir jemand mit einem freundlichen lächeln die fehlenden 50 Cent in die Hand und meint: "Passt schon".

Solche Momente sind kostbar. Ich habe im gerade vergangenen Sommer viel auf den neuen Sitzbänken in der neu gestalteten Fußgängerzone gesessen, mir die Welt angeguckt und mich mit den Leuten unterhalten, die ebenfalls dort saßen.

Man kommt einfach so ins Gespräch, das ist sehr leicht, und es ist ganz erstaunlich, welche Gespräche sich dann ergeben ... manche Leute sind innerlich aufgewühlt und aufgebracht, regelrecht zornig über den Zustand der Welt und sich selbst, andere wiederum tragen eine unglaubliche Ruhe in sich und strahlen einen tiefen Frieden aus (vor allem mit sich selbst, dann ist die Welt auch gleich viel weniger schlimm).

Ich hoffe, dass ich möglichst viel davon mitnehmen kann, bis ich im nächsten Frühjahr wieder dort sitze.

:-)


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