Handlungsspielräume (Allgemeines)

jerry @, Freitag, 13.10.2017, 12:56 (vor 371 Tagen) @ Karo


Ja, Menschen (mit oder ohne MS) haben Handlungsspielräume, egal wie eingeschränkt sie sind oder auch nicht. Der Unterschied liegt darin, ob ich Handlungsspielräume finden und nutzen muss, um etwas anderes, was unmöglich geworden ist, zu kompensieren, oder ob ich sie frei wählen kann.

Hallo Karo,

das hast Du treffsicher beschrieben. Und Du hast recht. Das ist bitter und hat nix an sich, was zu beschönigen wert wäre.


Was mich stört, ist diese klassische Argumentation à la "die Krankheit lässt mich alles bewusster erleben" oder "ich kann jetzt alles viel besser genießen" oder "MS erweitert meinen Horizont". Das geht mir nun ganz anders, Handlungsspielräume hin oder her.

Ich gestehe, dass ich mitunter dennoch von mir den Eindruck habe, ich sei in den Jahren vor meiner Diagnosestellung bzw vor einschneidenden körperlichen Defiziten halbblind, 'halb-unbewusst' durchs Leben gelaufen, und dies habe sich, in zumindest zeitlichem Zusammenhang mit dem Auftreten der Madame S., positiv geändert.

Natürlich bin ich älter geworden... und wenn Älterwerden mehr Sentiment, mehr bewusstes und emotional beteiligtes Leben mit sich bringt, wäre - so betrachtet - meine MS wohl wahrlich nicht nötig gewesen, um meine Erlebnisfähigkeit reifen zu lassen. Eine gegenteilige Aussage wäre nicht redlich und dürfte Dich nicht nur stören, sondern ich müsste es hinnehmen, dass Du mir den berühmten 'Vogel zeigst'.


Vor ein paar Tagen war ich bei Nick Cave live, ich hatte einen Stehplatz, was eigentlich anders geplant war.

Liebe(r) Karo, das scheint mir sehr wesentlich bezüglich Deiner zwiespältigen Erfahrungen mit jenem Liveevent! Da hab ich es als Rollifahrer leichter, denn in konkret diese Situation würde ich nicht mehr geraten...

Ich würde die Einführung des Rolli in mein Leben einerseits als große Niederlage und 'aufgezwungenen' Kompromiss sehen. Aber zugleich bedeutete dies eine Anpassung an Umstände, mit denen ich zu leben hatte / habe, wenn ich denn leben und genießen will.

(Und dass ich, auf meine Weise, Spaß hab an (Fort)Bewegung, körperlicher Fitness, lustvollem Erleben von Geschwindigkeit... hast Du mir ja an anderer Stelle schon attestiert)...

:-) ;-) :-P Da war'nse jetzt doch...

Mein Beitrag war halt, was mir zu dem Deinen spontan einfiel - und ich will in keinster Weise Deine Gedanken abschwächen oder Gegenrede führen. Hab ganz ähnliche eigene Erfahrungen gemacht!! Und natürlich will ich nicht den Rolli glorifizieren, der mir, nun ja, aufgezwungen wurde, zu dem es keinen wirklichen Handlungsspielraum mehr gab!


Und jetzt, nach diesem Beitrag, bin ich auch schon wieder müde (alles noch Nachwirkungen.)

Geht mir ebenso. Verpasse wegen meines Beitrages (und a bisserl aus Gründen des Herrn Uhthoff) wunderbare Sonne auf agnos Terrasse und werde Zwangspause einlegen müssen und die Beine hoch...

Wenn Du in den kommenden Tage doch noch formulieren könntest, was Dich genau an Nick Cave verstörte, mich würde das sehr interessieren! Hab vor Tagen den selbstinszenierten Film zum Tagesablauf des Fünfzigjährigen angeschaut, hatte mich nicht rechtzeitig um Tickets gekümmert, und von den wenigen Auftrittsorten lag keiner in gut erreichbarer Nähe!


LG, jerry


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