Hoffnung, vom lieben Neurologen, klingt unecht (Allgemeines)

W.W. @, Sonntag, 13. August 2017, 10:14 (vor 67 Tagen) @ agno

hmm, ich kenne nur wenige denen ich einen Freund lieber anvertrauen würde, als ihnen.
Trotzdem halte ich den Trost eines Arztes, bei MS für wenig zielführend.

Genau das merke ich! Nehmen wir einmal an, jemand hätte sich in der Unsicherheit der ersten Monate nach der Diagnose MS etwas zusammengezimmert, was für ihn das beste zu sein schien, so wie man sich ein kleines Eigenheim baut, das nicht in jeder Hinsicht ideal ist, aber doch den eigenen Vorstellungen und Möglichkeiten relativ nahe kommt.

Man hat sich zäh durch die Internet-Literatur hindurchgelesen, sich Meinungen von Ärzten, Betroffenen und Selbsthilfegruppen eingeholt, und ist schließlich auf dem eigenen Weg gelandet. Ja, man hat von großen Bedenken den Beta-Interferonen gegenüber gehört, aber gleichzeitig von den indiskutablen Spinnereien der Homöopathen und anderer Auße´nseiter, und nein, das psychische Gedöns hat man für sich abgelehnt.

Es ist also in den eigenen Weg, wie man mit der MS umgehen soll, sehr viel Mühe gesteckt worden, und es war keineswegs nur Blauäugigkeit, die einen geführt hat. Schließlich hat man sich schweren Herzens für die Basistherapie entschieden, weil sie einem aus vielen Gründen jeder anderen Alternative überlegen zu sein schien. Und natürlich hat dabei auch eine Rolle gespielt, dass sie von der DMSG und anerkannten MS-Experten empfohlen wurde, und dass die Krankenkassen nicht zögerten, die immensen Preise zu bezahlen.

Und natürlich macht es Sinn alle halben oder ganzen Jahre das MRT konztollieren zu lassen, um zu sehen, was sich im Geheimen bei der MS tut. Und wenn Herde oder Schübe dazu gekommen sind, dann hat man natürlich mit seinem Neurologen diskutiert, was nun zu tun ist.

Das Ganze ist von einer glasklaren Rationalität, und es gibt Kriterien, die einen leiten. Alles ist unter Kontrolle. Und wenn sich die MS anders entwickelt, als man gehofft hat, dann gibt es viele Möglichkeiten, ein ganzes Arsenal, wie man mit der neuen Situation umgehen kann.

Es ist geradezu irrsinnig rational, was in der MS-Therapie alles möglich ist. Und wenn man fragt, ob es den wirkt, dann kommt die einhellige Antwort: Aber natürlich wirkt die BT, das zeigen alle Studien. Aber natürlich nicht in jedem Einzelfall, aber dann gibt es eine Menge Alternativen. Niemand wird mit seiner MS alleingelassen.

Und wenn dann jemand kommt und sagt, aber ich habe Zweifel! Dann ist er einer der wenigen Unglücklichen, bei denen die BT versagt hat. Aber das kommt natürlich vor. Aber unter dem Strich helfen tut sie bestimmt, obwohl man das nicht so eindeutig nachweisen kann. Die methodischen Schwierigkeiten sind enorm!

Aber meide die, die dich auf dem Weg, den du eingeschlagen hast, verunsichern wollen. SElbst wenn sie Recht hätten, würden sie dir schaden.

Mich macht diese unglaubliche Vernünftigkeit, die aus all dem spricht, hilflos! Ich habe sogar das Gefühl, mich schäbig zu verhalten, wenn ich Wasser in den Wein kippe. Man sollte nicht an dem Haus herummeckern, in das sich eine Familie zurückgezogen und eingewöhnt hat. Es grenzt an ein Verbrechen.

Und wenn man fragt: Helfen die Medikamente denn? Dann ist die Antwort klar: Natürlich helfen sie, da sind sich alle Experten einig. Wirklich? Ja! Und meinst du die Krankenkassen würden die irrsinnigen Kosten bezahlen, wenn die Therapie nicht helfen würde?

Es kann sein, dass die bange Frage nicht wirklich beantwortet wurde, ob die Basistherapie hilft, aber sie ist in einem Argumentationskreis geradezu verschwunden. Wie in einem Zauberkreis.

W.W.


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